Susanne Henckel, Geschäftsführerin des VBB | Foto: Die Hoffotografen

VBB: Leistungsfähiger ÖPNV in der Hauptstadtregion

Die Mobilität beschäftigt die 1996 gegründete Verkehrsverbund Berlin- Brandenburg GmbH, kurz VBB. Im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg, der Brandenburger Landkreise und der kreisfreien Städte und in Zusammenarbeit mit den rund 40 ansässigen Verkehrsunternehmen plant, organisiert und prognostiziert der VBB die Verkehrsentwicklung für mehr als sechs Millionen Menschen. Zum Stand der Dinge befragten wir Susanne Henckel, die Geschäftsführerin des VBB.

Frau Henckel, Mobilität ist ein riesiger Komplex mit unzähligen Themen. Welche Frage aus dem schier unendlichen Angebot beschäftigt den VBB zurzeit am meisten?

Als Regiegesellschaft für den ÖPNV in Berlin und Brandenburg beschäftigen uns immer mehrere Aufgaben gleichzeitig. Eins der zentralen Themen zurzeit ist der zunehmende Pendlerverkehr. Die Menschen werden immer mobiler und brauchen mehr durchgehende Verbindungen und mehr Umsteigemöglichkeiten. Wenn Berlin und Brandenburg enger zusammenwachsen, dann müssen wir zusehen, dass wir die Ländergrenzen, Tarifgrenzen, aber auch die Systemgrenzen überwinden.

Wie wollen Sie das erreichen?

Da gibt es viele Ansatzpunkte. Das beginnt bei den Anschlussbeziehungen geht über einheitliche Fahrgastinformationen, der Weiterentwicklung des VBB-Tarifs und digitaler Vertriebsmöglichkeiten bis hin zur besseren Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsmittel – Stichwort multimodal. Natürlich brauchen wir bei der steigenden Nachfrage auch mehr Angebote. Was wieder mit neuen Herausforderungen verbunden ist. Mehr Verkehrsleitung heißt: bessere Infrastruktur, mehr Fahrzeuge, mehr Personal und natürlich entsprechende Finanzmittel.

Ein Beispiel bitte.

Nehmen wir die Infrastruktur. Hier geht es um Gleise, neue Strecken und die Leistungsfähigkeit der Strecken. Wir brauchen Überholmöglichkeiten, Bahnhöfe dort, wo Menschen wohnen und arbeiten, und wenn die Züge länger sein sollen, brauchen wir auch längere Bahnsteige. Auf all dem liegt jetzt der Fokus.

Wie sieht das praktisch aus?

Wir haben alle diese Aufgaben gebündelt und gemeinsam mit den Ländern und der DB das Infrastrukturprojekt „i2030“ ins Leben gerufen. Kerngedanke ist, den Ausbau und die Weiterentwicklung der Infrastruktur in unserer Region voranzutreiben. Dabei werden konkrete Planungen auf den Weg gebracht und nach Abschluss wird dann auch gebaut. Derzeit diskutieren wir auch mit dem Land Berlin, wie wir die Anbindung der S-Bahn-Stationen durch Busse als Zubringer in hoher Qualität neu konzeptionieren können. Außerdem haben wir die Plus-Bus-Linien im Land Brandenburg eingeführt. Dabei geht es um Buslinien, die in der Regel Verbindungen zu den nächsten Bahnhöfen herstellen und kurze Übergangszeiten zum Zug haben. In dem Zusammenhang wollen wir die Digitalisierung nutzen, um die Fahrgastinformation noch besser in den Griff zu bekommen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie da?

Viele, aber sie müssen durchdacht sein, funktionieren und auch sorgfältig von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern realisiert werden können. Ich glaube, gerade bei dem Thema Kundeninformation ist es ganz wichtig, dass jeder seinen Elfenbeinturm verlässt, damit ein wirklicher Informationsaustausch über Anschlussmöglichkeiten stattfinden kann. Das klingt in der Theorie ganz gut. Aber in der Praxis gehören Baustellen auf den Straßen und auf den Schienen inzwischen zu unserem Alltag. Wir müssen uns deshalb Gedanken machen, wie wir die Fahrgäste zukünftig mit Informationen und qualitätsvollen Angeboten besser versorgen. Es muss zum Beispiel gelingen, die Menschen schon vor Antritt der Fahrt über mögliche Verspätungen, alternative Fahrtkonzepte und Anschlüsse zu informieren.

Bei all diesen Plänen geht es sicher auch um moderne Fahrzeuge. Wie sieht es damit aus?

In der Fahrzeugindustrie hat sich viel getan, aber es dauert immer noch zu lange von der Idee bis zur Zulassung eines Fahrzeugs. Die Vorgaben sind so komplex, dass die Baugenehmigungs- und Zulassungsprozesse durchschnittlich 60 Monate dauern in Europa – fünf Jahre, bis ein Fahrzeug auf die Schiene kommt. Auch unsere Region hat die Folgen gespürt, wenn die Firmen nicht liefern. Die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft musste auf die KISS-Fahrzeuge von Stadler warten, die Deutsche Bahn auf den TALENT und wir warten immer noch auf die sogenannten Twindexx- Fahrzeuge, neue Doppelstockwagen, die seit drei Jahren kommen sollen.

Eine zentrale Rolle in der Region spielt die S-Bahn. Wie wird sie dieser Stellung gerecht?

In der Tat, die S-Bahn ist gewissermaßen das Rückgrat der Mobilität in unserer Region. Deshalb wünschen wir uns von ihr mehr Qualität und Zuverlässigkeit. Die S-Bahn kämpft derzeit mit mehreren Problemen – da gibt es Schwierigkeiten mit den Fahrzeugen und mit der mangelnden Zuverlässigkeit der Infrastruktur. Themen, die uns leider bereits seit Jahren beschäftigen. Außerdem fehlt es an Fahrerinnen und Fahrern. Auch hier könnte uns mehr Digitalisierung helfen, aber Lösungen sind nicht im Laden erhältlich, die müssen erst entwickelt werden. Wir brauchen Innovationen, damit die S-Bahn zu der Qualität zurückfindet, die wir uns wünschen.

Die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Brandenburg sind ausbaufähig. Wie ist es im Verkehrsbereich?

Wir haben eine sehr gute, zuverlässige und partnerschaftliche Zusammenarbeit der Länder, die nicht nur in gemeinsamen Verträgen mit der Deutschen Bahn mündet, sondern auch in die Bereitschaft, gemeinsam zu finanzieren. Dies erleichtert die Sache, denn mit einer territorial eng abgegrenzten Finanzierung können wir bei unseren Projekten kaum punkten. Wichtig ist, dass nicht nur die Verantwortlichen intensiv miteinander reden, sondern auch die Planungsinstrumente abgestimmt werden. Der Landesnahverkehrsplan des Landes Brandenburg liegt derzeit im Entwurf vor und wird demnächst verabschiedet. Das Land Berlin stellt gerade seinen neuen Landesnahverkehrsplan auf. Es wäre natürlich ideal, wenn beide ineinandergreifen. Damit befinden wir uns gemeinsam auf einem guten Weg. (uc)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .