Unternehmenswachstum sichern: Berlin braucht mehr Gewerbeflächen | Foto: pexels.com

Unternehmenswachstum sichern: Berlin braucht mehr Gewerbeflächen

Eine ähnlich dramatische Entwicklung wie der Berliner Wohnungsmarkt nimmt auch die Flächenverfügbarkeit für Gewerbe an. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) könnte das Berliner Wirtschaftswachstum aufgrund des Wegzuges vieler mittelständischer Unternehmen darunter leiden. Hohe Immobilienpreise und Mieten sowie nicht zur Verfügung stehende Gewerbeflächen werden als Hauptmotiv für die Unternehmensverlagerung aus Berlin heraus angegeben (Mai 2018). Dies ließen vor allem 50 kleinere Unternehmen wissen, denen es unmöglich erscheint noch Räumlichkeiten in Berlins zentralen Lagen zu finden. Des Weiteren verstärken die rund 3700 Unternehmen die Berlin seit 2013 verließen, die Dringlichkeit einer Veränderung. Die IHK korrigierte ihre wirtschaftliche Wachstumsprognose für das laufende Jahr aus diesem Grund von 2,5 auf 2,2 Prozent. Dies steht den 3,1 Prozent in 2017 nach, womit Berlin damals das bundesweite Wachstum sogar überholte. Nun liegt Berlin mit seinem schwächsten Stand seit Herbst 2016 (IHK), mit 2,2 auf gleicher Ebene wie das gesamtdeutsche Wachstum.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop kündigte bereits die Gründung einer Gesellschaft für Gewerbegrundstücke und –immobilien an, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Die neue Gesellschaft solle zukünftig die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beim Erwerb neuer Gewerbeflächen unterstützen. Über den Gründungszeitpunkt oder den finanziellen Apparat ist bisher wenig bekannt. Der Zugriff auf die 50 Millionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur, Wachstum und Nachhaltigkeit, soll gewährleistet sein.

Schwächer als im Vorjahr mit 2,2 Prozent Wachstum (IHK). | Foto: pexels.com

Schwächer als im Vorjahr mit 2,2 Prozent Wachstum (IHK). | Foto: pexels.com

Zukunftssicherung durch vorhandene Wettbewerbsvorteile

Nach dem erstaunlich starken Rückgang der Arbeitslosenrate um 0,8 Punkte auf 8,1 Prozent, würde auch diese Gründung weitere Arbeitsplätze schaffen. Die IHK spricht trotzdem von einer „sehr guten konjunkturellen Lage“ und einem „freundlichen Geschäftsklima“ für die Unternehmen. Nicht zuletzt ist Berlin weiterhin Gründungsmetropole und weist durch ihre bekannte Berliner Mischung eine hohe Lebensqualität auf. Die IHK warnt hauptsächlich vor zukünftigen Hürden für Unternehmen, wodurch Berlin seine 2017 erzielten Spitzenleistungen einbüßen könnte. Außerdem wird im Zuge der fehlenden Standorte vor dem Verlieren der bislang vorhandenen Wettbewerbsvorteile und der Attraktivität gewarnt.

„Vor diesem Hintergrund bleibt es besonders wichtig, die Weichen für wirtschaftliches Wachstum in Berlin richtig zu stellen und bei den drängenden Themen – von der Modernisierung der Verwaltung bis zur Flächenverfügbarkeit für Industrie und Gewerbe – weiter voranzukommen. Sonst muss die Stadt vielleicht in Kürze bedauern, das konjunkturelle Hoch nicht zukunftssichernd genutzt zu haben“, so Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin.

Alternative Gewerbeflächen in Brandenburg

Trotz eines Rückgangs um 11.000 Arbeitssuchende im Vergleich zu 2017, wird der Fachkräftemangel von den Unternehmen weiterhin als bedeutsames Risiko angesehen. Rund zwei Drittel gaben in einer IHK-Umfrage an, hier die Befürchtung zu haben an Wachstum einzubüßen. Zu den immer schwerer zu besetzenden Stellen kommt eine Skepsis im Export. Die Trägheit in den Auslandsgeschäften sei vor allem auf die herrschende politische Unsicherheit und die Schwankungen internationaler Handelsbeziehungen zurückzuführen.

Export ist abhängig von politischer Stabilität. | Foto: pexels.com

Als erster der negativen Standortfaktoren wundert es nicht, dass lediglich 4 Prozent der Berliner Flächen für Gewerbezwecke genutzt werden. Dies steht in deutlichem Gegensatz zu Städten wie Hamburg oder Bremen, die ihr Angebot und ihre Attraktivität zusätzlich ausbauen (Quelle: Tagesspiegel). Der Schwund an, höchstwahrscheinlich auch für den Berliner Wohnungsbau genutzten Gewerbeflächen, machte seit 2000 bereits 468 Hektar aus. Mit der Gründung der neuen Gesellschaft möchte der Senat nun die Abwanderung kleinerer Unternehmen und Start-ups in Brandenburger Gebiete eindämmen. Ein Drittel der Unternehmen, die seit 2013 Berlin verließen, scheint dort bisher eine aussichtsreiche und günstigere Alternative gefunden zu haben. (cn)

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