Die "Corporate Citizenship Survey 2018" zu deutschem Unternehmensengagement. | Foto: pexels.com

Unternehmensengagement sichtbar weit verbreitet, jedoch selten anerkannt

Der Begriff „Corporate Citizenship“ beziehungsweise Unternehmensengagement beschreibt das bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen über ihre eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus. In Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung erhob der Stifterverband die Daten für die „Corporate Citizenship Survey 2018“. Die 7.000 zahlenmäßig dargestellten Unternehmen geben eine repräsentative Übersicht der engagierten zwei Drittel an Unternehmen. Soziales Mitwirken ist jedoch selten organisiert und findet nicht regelmäßig statt. Laut der Studie, ist das auf den Charakter der Mithilfe zurückzuführen.

Ob im Bereich Sport, Bildung, Freizeit, Kultur oder Umwelt – viele Unternehmen engagieren sich neben der Schaffung von Arbeitsplätzen auch gesellschaftlich. Oft wird dabei eine langfristige Strategie verfolgt, die jedoch nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, sondern auf Attraktivitätssteigerung und positiven Markenschutz. Dem guten Willen und Potenzial als wichtige, mittragende Akteure der Zivilgesellschaft ermangelt es bisher jedoch an Anerkennung der Politik.

Unternehmensengagement erfordert Netzwerke

Während größere Unternehmen vor allem Geld- und Sachspenden (80 und 70 Prozent) zur Verfügung stellen, engagieren sich kleine Betriebe häufig lokal in Vereinen (48 Prozent). Die Unterstützung findet hier oftmals mit persönlicher Bindung zu den Unterstützern statt, wie beispielsweise im ansässigen Sportverein oder bei Sommerfesten. Der okkasionelle Charakter dieser Termine trägt jedoch nicht zur regelmäßigen Organisation und genau definierten Zielsetzung des Engagements der Unternehmen bei. Ziele und Wirkung des Engagements müssen durch die Unternehmen genauer definiert werden. Ob in größeren Unternehmen, die vermehrt im Forschungs- und Bildungsbereich aktiv sind oder durch die Aktivität einzelner engagierter Mitarbeiter. In allen Fällen entstehen solche langfristigen Zielsetzungen, die eine Region betreffen vor allem durch Netzwerke. Ein Zusammenwirken untereinander kommt allerdings nur bei sieben Prozent der Unternehmen überhaupt zustande. So gibt nur ein geringer Teil (16 Prozent) der engagierten Betriebe an, ihre Reichweite, Resonanzen und Resultat zu kennen.

„Ohne die Unternehmen geht es eben nicht. Eine starke Zivilgesellschaft braucht engagierte Unternehmen. Dabei kommt es zu Kooperationen und auch mal zu Konfrontationen und beides ist für unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell wichtig, Zusammenarbeit und Kritikfähigkeit”, so Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes.

Komplexitätsabbau als Wertschätzung

Im Gegensatz zur Unsicherheit über die tatsächliche Wirkung ihres Engagements, sind sich 76 Prozent einig, nicht genug Anerkennung zu bekommen. Diese Enttäuschung wird häufig an den Versäumnissen der Politik festgemacht, die Abläufe der Unternehmen nicht zu vereinfachen. So schätzen vor allem kleine Firmen einen Bürokratieabbau sowie eine geringere Dokumentationspflicht und auch Steuererleichterungen als hilfreich ein. Andererseits soll auch an die Kundschaft appelliert werden, ihre Kaufentscheidungen von dem gesellschaftlichen Verhalten der Unternehmen abhängig zu machen.

„Erfolgreiches gesellschaftliches Engagement von Unternehmern lebt von deren intensiver Vernet­zung mit der Region und seinen Bürgern sowie dem Dialog zwischen den Inte­ressensvertretungen. Durch Vertrauen, Verantwortung und Wert­schätzung erhält das Unternehmen ein Gesicht in der eigenen Region”, so Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Standortfaktor Engagement

Mit Blick auf die zahlenmäßige Verteilung geben immerhin 41 Prozent an, die Standortattraktivität erhöhen zu wollen. 66 Prozent erhoffen sich davon einen guten Ruf. Daher erscheint es sinnvoll, wenn das Engagement bis zu den Unternehmen in der Region zurückverfolgt werden kann. Das Engagement in kleineren Vereinen, zu denen bestimmte Mitarbeiter möglicherweise persönliche Kontakte pflegen, ist in vielerlei Hinsicht wünschenswert. Den Unternehmenstitel allerdings unter die Förderung von größeren Bildungseinrichtungen oder Projekten der lokalen Umweltentlastung zu setzen, generiert stärkere Aufmerksamkeit. (cn)

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