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Ride-Sharing in Berlin: BVG plant Sammeltaxi-Fahrdienst

Mit dem Ride-Sharing-Dienst „BerlKönig“ soll der öffentliche Personennahverkehr in der Hauptstadt um einen Transportweg erweitert werden. Das Pilotprojekt der BVG und dem Autobauer Daimler startet mit 50 Vans im Frühjahr 2018. Für den Anfang wird der Dienst in drei Bezirken angeboten: Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Pankow.

Ride-Sharing-Dienst als Ergänzung zur BVG

Der appbasierte Ride-Sharing-Dienst bietet eine alternative Transportmöglichkeit an und soll laut Daimler eine „günstige und komfortable Ergänzung“ für BVG-Kunden sein.

Über eine Smartphone-App bucht der Kunde seine Fahrt und gibt dabei Start- und Zielpunkt ein. Daraufhin berechnen im Hintergrund Algorithmen, welches Fahrzeug in der Nähe ist und welche Fahrgäste mit ähnlichen Zielen noch mitfahren können.

Die Software für den mobilen Transportdienst stammt vom US-Unternehmen Via. In den US-amerikanischen Großstädten New York, Washington und Chicago betreibt Via ähnliche Fahrdienste und hat inzwischen mehr als eine Million Kunden.

Anders als bei öffentlichen Verkehrsmittel gibt es keine festen Fahrpläne oder Haltestellen. So endet die Fahrt nicht unbedingt direkt am Ziel, sondern in der Nähe. Auf diese Weise können mehrere Fahrgäste mit unterschiedlichen Zielen transportiert werden. Damit ist der Mobildienst ein Mittelding zwischen Taxi und Bus.

Zunächst fahren 50 Vans in drei Bezirken

Im Frühjahr sollen 50 Fahrzeuge in Betrieb genommen werden. Zunächst werden Mercedes-Vans mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren angeboten, ab Sommer 2018 sollen auch Elektrofahrzeuge zur Verfügung stehen. Später soll der Fuhrpark dann auf 300 Fahrzeuge erweitert werden.

Anfangs werden die „Sammeltaxis“ nur an den Wochenenden und abends eingesetzt. Die Fahrpreise stehen noch nicht fest, werden sich aber laut dem BVG-Manager zwischen dem ÖPNV- und dem Taxitarif bewegen.

Die Ride-Sharing Branche

Die BVG und Daimler sind mit ihrem Projekt in der Branche nicht konkurrenzlos. Denn das VW-Tochterunternehmen Moia geht in Hamburg ebenfalls nächstes Jahr mit einem ähnlichen Modell an den Start. Anders als beim BVG-Projekt werden bei Moia von Anfang an Elektrofahrzeuge eingesetzt. Mit CleverShuttle und Allygator sind in Berlin auch schon andere app-gesteuerte Mitfahrdienste unterwegs.

Umstrittenes Mobildienstprojekt

Laut BVG-Chefin Sigrid Nikutta ist Ride-Sharing eine ideale Ergänzung zum ÖPNV in Berlin. „Wir bündeln Fahrten und sorgen damit für weniger Verkehr, weniger Lärm und weniger Emissionen in unserer Stadt“, verspricht Nikutta.

Der Senat hingegen sieht das Projekt kritisch. So müsse laut Verkehrssenatorin Regine Günther das im Berliner Senat umstrittene Pilotprojekt sehr genau analysiert werden. „Wir müssen sicher sein, dass nicht einfach mehr Verkehr in der Stadt entsteht.

Auch der Fahrgastverband IGEB äußerte sich gegenüber dem Vorhaben kritisch: „Die BVG hat genug eigene Baustellen, allen voran muss sie einen verlässlichen Fahrplan für die U-Bahn aufstellen, der auf den tatsächlich verfügbaren Fahrzeugen beruht.“

Der Antrag wurde eingereicht

Da es durch das Personenbeförderungsgesetz untersagt ist, Plätze in Taxis und Mietwagen einzeln zu „verkaufen“, hat die BVG im Rahmen der Experimentierklausel einen Antrag zur Genehmigung des neuen Verkehrsangebots eingereicht. (dn)

Berliner Verkehr eine Zumutung?

Genervte Autofahrer, schlechtes Verhalten von Radfahrern, ewige Baustellen oder zu hohe Parkgebühren – eine bundesweite Umfrage des ADAC zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Einwohner mit dem Berliner Verkehr unzufrieden sind.

Für die Studie „Mobil in die Stadt“ befragte der ADAC knapp 10.000 Einwohner, Pendler und Besucher, rund 600 in jeder Stadt. Im Ergebnis konnte Berlin unter den 15 größten deutschen Metropolen nur den drittletzten Platz belegen.

Schon bei vergangenen Umfragen zum Thema Verkehr nahm die Hauptstadt immer wieder einen der hinteren Ränge ein.

Neue Radwege für Fahrradfahrer

51 Prozent der Befragten kritisierten das Verhalten der Radfahrer, der damit höchste Negativ-Wert. Mal fahren sie auf dem Fußgängerweg, mal schlängeln sie sich durch die Autos oder fahren in die entgegengesetzte Richtung, vor allem die Autofahrer sind davon genervt.

Laut dem Mitinitiator des Volksentscheid Radgesetz Heinrich Strößenreuther hat „die Berliner Senatspolitik Schuld, weil sie nicht für eine Flächenverteilung sorgt, die allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird“.

Doch nun soll laut der Verkehrsverwaltung der Rad- und öffentlicher Nahverkehr mehr gefördert werden. Hinsichtlich dessen, gab der Senat dieses Frühjahr bekannt, dass der Bau von 47 neuen Radwegen noch in diesem Jahr begonnen werden soll. Die Mittel dazu stellt der Hauptausschuss bereit. Es sind dabei mehr als 20 Millionen Euro im Nachtragshaushalt vorgesehen. Ziel soll letztendlich sein, dass mehr Einwohner auf diese umweltfreundlichen Transportmittel umsteigen.

Die Autofahrer sind genervt

Der große Teil der befragten Autofahrer, die ohnehin schon mit den hohen Parkgebühren zu kämpfen haben, beschweren sich weiterhin über zu wenige Parkplätze. Zum Ärgernis der Autofahrer werden in Zukunft durch den Bau der neuen Radwege einige Parkplätze wegfallen.

Unzufriedenheit gab es auch wegen der „miesen“ Baustellen-Koordination. Immer wieder seien Baustellen Schuld daran, dass sich ständig Staus bilden.

Berlins öffentlicher Nahverkehr

Des Weiteren wird aber auch Berlins Nahverkehr stark kritisiert.

Fahrgäste, die auf Bus oder Bahn angewiesen sind, ärgern sich über die jährlich steigenden Preise der Fahrtickets. Ein weiterer Kritikpunkt sei auch die Unpünktlichkeit der Busse und Züge. Es kommt immer wieder mal zu Verspätungen oder Unregelmäßigkeiten der öffentlichen Verkehrsmittel. Zudem ärgern sich Fahrgäste der BVG über zu volle Züge und den Dauereinsatz von Kurzzügen auf bestimmten Strecken wie beispielsweise der U3.

Dies stellt ein großes Problem dar, da besonders zu dieser winterlichen Jahreszeit viele vom Fahrrad auf öffentliche Transportmittel umsteigen.

Wie ein nachhaltiges Verkehrskonzept aussehen soll

Der Großteil der Berliner wird immer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass für nachhaltige Verkehrskonzepte nicht nur umweltfreundliche Verkehrsmittel gefördert werden, denn es sollen auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. So sollte die Verkehrsverwaltung nicht nur ihren Fokus auf den Radverkehr richten, sondern auch die Autofahrer und Fußgänger berücksichtigen.

Die Berliner Verkehrsteilnehmer werden dennoch in Zukunft immer wieder mal mit Bauarbeiten, ob auf der Straße oder an den Schienen, zu kämpfen haben. (dn)