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Berlin bekommt ein Zentrum für Herzmedizin

Noch im Dezember letzten Jahres wurde das Projekt „Universitäres Herzzentrum Berlin (UHZB)“ für gescheitert erklärt. Nun wird das Vorhaben doch umgesetzt. Denn die Charité und das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) konnten sich auf ein Konstrukt einigen.

Nach dem ersten gescheiterten Anlauf im Dezember gaben die Spitzen beider Einrichtungen sowie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller nun bekannt, dass das neue Kompetenzzentrum doch entstehen wird. „Ich bin extrem erleichtert und glücklich, dass diese Vereinigung zustande gekommen ist“, so der Vorstandsvorsitzende der Charité, Karl Max Einhäupl. Das zukünftige Universitäre Herzzentrum Berlin wurde am Mittwoch bei einer Pressekonferenz auf dem Campus der Charité vorgestellt.

Das Vorhaben drohte zu scheitern

Pläne für den Aufbau eines großen Kompetenzzentrums für Herzchirurgie in Berlin gab es bereits vor mehr als sechs Jahren. Nun soll das Vorhaben endlich verwirklicht werden. Noch vor Weihnachten sah dies jedoch ganz anders aus. Denn die Verhandlungen drohten zu scheitern. So konnten sich die Beteiligten zunächst nicht auf eine Gesellschaftsstruktur einigen. Das DHZB befürchtet nämlich, dass die Charité den finanziellen Ton angeben würde,

Nachdem sich die Verhandlungspartner einigen konnten, ist die Gründung einer gemeinnützigen GmbH noch in diesem Jahr geplant. Dabei soll die Charité 51 Prozent und das DHZB 49 Prozent der Anteile erhalten. Die DHZB wird mit dieser Fusion zu einer universitären Einrichtung.

Berlin bekommt ein großes Herzzentrum

Das neue Herzzentrum wird in Berlin drei Standorte haben: Den Campus Charité in Mitte, den Campus Benjamin Franklin in Steglitz und den Campus Virchow-Klinikum in Wedding.

Schwerpunktstandort soll das Virchow-Klinikum der Charité in Wedding werden. Insgesamt wird das UHZB 1.800 Mitarbeiter und mehr als 500 Betten haben.

Auf dem Gelände des Virchow-Klinikums sind zwei Bauabschnitte geplant. Der erste Bauabschnitt mit fünf Operationssälen und fünf Herzkatheterlaboren soll 110 Millionen Euro kosten. Davon wird das Land Berlin 90 Millionen und das DHZB 20 Millionen Euro beitragen. Der Bau soll schnellstmöglich begonnen werden und wird fünf Jahre dauern. Im zweiten Bauabschnitt hingegen sollen Kinderkardiologie und Kinderherzchirurgie unterkommen. Das gesamte Zentrum wird dann in sieben bis zehn Jahren fertiggestellt.

Ein Leuchtturmprojekt für die Gesundheitsversorgung

Durch die Fusion werden beide Einrichtungen, die Charité und das DHZB, zu einer wissenschaftlich, klinischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Einheit. Mit dem Bündnis werden die beiden Disziplinen, die Kardiologie und die Herzchirurgie, fachübergreifend zusammenarbeiten und so neue Therapien entwickeln können.

„Durch das Zusammengehen können wir mit anderen europäischen Herzzentren in Konkurrenz treten“, so der Charité-Chef Karl Max Einhäupl. Zudem sieht der Regierende Bürgermeister Michael Müller im UHZB „Potenzial für einen weiteren Berliner Leuchtturm in der Gesundheitsversorgung“. Weiterhin sagt Müller, dass es das gemeinsame Ziel sei, die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in Berlin zu sichern. (dn)

M-Sense: Studie zur digitalen Prävention gestartet

Mithilfe einer groß angelegten Studie, soll geklärt werden, ob eine Smartphone-App dazu beitragen kann, Kopfschmerzen zu lindern. Dazu starten die BARMER und die Deutsche Telekom gemeinsam ein Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung der Berliner Charité.

Eine App zur digitalen Prävention

Das Projekt soll zeigen, ob die App „M-sense“ die Leiden von Kopfschmerz- und Migränepatienten mildern kann. In der App geben Betroffene eine Reihe relevanter Einflussfaktoren für Schmerzattacken, wie etwa Schlafverhalten, Ernährung, Wetter oder Stress sowie die Attacken ein. „M-sense“ analysiert dann diese Informationen und erstellt ein persönliches Schmerzmuster. Anhand dieses Musters entwickelt die App individuelle Handlungstipps für die Nutzer. Vom Autogenen Training über Muskelentspannung bis zum Ausdauersport schlägt die App präventive Maßnahmen in Begleitung zur klassischen Therapie vor. Somit können die Betroffenen die Intensität und Dauer künftiger Schmerzattacken reduzieren. Aus den persönlichen App-Protokollen können sich zudem wertvolle Hinweise für die ärztliche Therapie ergeben.

Die Studie wird zum Kooperationsprojekt

Im Rahmen einer Kooperation zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement nehmen an der Studie bis zu 1.000 von Kopfschmerzen oder Migräne betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Telekom teil. Sie sollen die App regelmäßig nutzen und neun Monate lang mithilfe medizinischer Fragebögen bewerten. Auch die in der App selbst erfassten Daten werden Aufschluss darüber geben, ob „M-sense“ präventiv die Kopfschmerztherapie ergänzen kann. Schon jetzt wurde die App „M-Sense“ als Medizinprodukt zertifiziert.

Die wissenschaftliche Untersuchung ist in ihrem Umfang bislang einzigartig. Vor allem junge Erwachsene leiden häufig unter Kopfschmerzen oder Migräne. 1,3 Millionen der 18- bis 27-Jährigen sind betroffen, wie der BARMER-Arztreport 2017 zeigt. Für die Studie werden daher hauptsächlich junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Telekom-Shops sowie Auszubildende des Konzerns die App testen dürfen. (red)

Neuer Ansatz bei Parkinson: Innovatives Sprühpflaster aus Berlin kann helfen

Parkinson-Patienten stehen bislang Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die kaum effizient sind und diverse Nebenwirkungen mit sich bringen. Das Berliner Unternehmen epinamics hat mit Liqui-Patch das weltweit erste Wirkstoff-Sprühpflaster entwickelt, das den Wirkungsgrad im Vergleich zur konventionellen Wirkstoffpflastern um bis zum Fünffachen erhöht und gleichzeitig die Umweltbelastung senkt . In neun Ländern sowie in Europa und den Vereinigten Staaten ist die Technologie bereits patentiert.

Eine hautverträgliche, bequeme und unsichtbare Alternative zu klassischen Wirkstoffpflastern bieten zu können – das ist die Mission des Berliner Unternehmens epinamics. Die bisherige Behandlung mit einem klassischen Wirkstoffpflaster führte oft zu schmerzhaften Hautreaktionen und eingeschränkter Bewegungsfreiheit.

Wirkstoffpflaster versorgen den Träger, anders als normale Wundpflaster, über die Haut mit Arzneistoffen. Verwendung finden diese beispielsweise in der Schmerz- oder Hormontherapie sowie in der Behandlung der Parkinson’schen Erkrankung.

Zukunft der Behandlung von Parkinson: Schonend und einfach

Mit Liqui-Patch® gibt es nun eine Alternative, die viele der klassischen Nebenwirkungen vermeidet. Das transparente Liqui-Patch® soll ganz einfach auf die Haut gesprüht werden, innerhalb von 90 Sekunden bildet sich ein stabiler, reißfester und flexibler Film, aus dem der jeweilige Wirkstoff freigesetzt wird. Die Anwendung ist einfach und hautschonend. Außerdem wird der Patient nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, da das Liqui-Patch® fast unsichtbar und somit absolut alltagstauglich ist.

Über einen Pumpspray-Applikator kann eine genaue Dosierung der benötigten Wirkstoffmenge erzielt werden. Dies ermöglicht den effizienten Einsatz von Wirkstoffen in nahezu allen Krankheitsgebieten. Einerseits erhöht sich Wirkungsgrad daher verglichen mit herkömmlichen Lösungen bis um das Fünffache und andererseits sorgt die damit verbundene Ressourcenschonung für eine deutlich geringere Umweltbelastung. Zunächst konzentriert sich epinamics – ein Kofferwort aus “Epidermis” und “Dynamics” – auf die Krankheitsgebiete Parkinson und Vitamin D3-Mangel.

“Der Liqui-Patch® ist über zahlreiche Applikationen und Wirkstoffklassen einsetzbar und eignet sich sogar zur Selbstmedikation”, äußert sich Prof. Dr. Wolfgang Kehr, Geschäftsführer, über die richtungsweisende Technologie. Damit kann die therapeutische Versorgung individuell an Patientenbedürfnisse und Krankheitsbilder angepasst werden.

Liqui-Patch® im Crowdinvesting

Die Gründer haben bisher mehr als eine Million Euro aus Eigenmitteln in das Unternehmen investiert. Zur Umsetzung bereits ausgereifter klinischer Studienprogramme mit zwei Liqui-Patch® -Produkten führt epinamics momentan eine Finanzierungsrunde auf der Bio-Tech-Crowdinvesting-Plattform aescuvest (www.aescuvest.de/liqui-patch) durch. Private Anleger können sich hier mit Summen ab 250 Euro beteiligen und von der Unternehmensentwicklung profitieren. (red)

Parkinson: Berliner Forscher wollen neue Sprühpflaster mit Wirkstoff testen

Pflaster spielen zur Verabreichung von Wirkstoffen eine wichtige Rolle. Der Vorteil gegenüber Tabletten: Die Wirkstoffe können lokal abgegeben werden und gelangen direkt in den Blutkreislauf, ohne zuerst den Magen-Darm-Trakt und die Leber passieren zu müssen. Die Nachteile: Die oft großflächigen Pflaster sind auffällig, unbequem und verursachen Hautreizungen. Genau hier setzt die epinamics GmbH um die Berliner Forscher Prof. Dr. Wolfgang Kehr und Hans-Michael Thiede an. Ihr transparenter Liqui-Patch® vereint die Vorteile von herkömmlichen Wirkstoffpflastern mit der praktischen und hautschonenden Anwendung eines Sprays. Auf der Crowdinvesting-Plattform www.aescuvest.de sammelt epinamics nun Kapital ein, um die klinischen Studien für ein transdermales Parkinson- und ein transdermales Vitamin-D-Sprühpflaster zu finanzieren.

 „Wir wollen Patienten helfen, die auf die Verwendung von Wirkstoffpflastern angewiesen sind, bei denen klassische Produkte aber aufgrund von Hautreizungen Probleme hervorrufen“, erklärt Prof. Dr. Kehr. „Viele Diabetes-Patienten beispielsweise leiden unter einer gestörten Vitamin-D-Aufnahme über den Darm. Präparate in Tablettenform stellen für sie oft keine Lösung dar, weshalb sie auf Pflaster zurückgreifen. Diese geben den Wirkstoff zwar kontinuierlich ab, sind aber okklusiv, das heißt, sie liegen eng an und verschließen die Haut luftdicht. Das führt häufig zu unangenehmen Hautbeschwerden.“ Mit der neu entwickelten Liqui-Patch® Technologie lasse sich das vermeiden. Das Pflaster kann mit einer großen Bandbreite unterschiedlichster Wirkstoffe beladen werden. Auf die Haut gesprüht, bildet es dort einen unsichtbaren Film, über den der Wirkstoff kontinuierlich in den Körper gelangt. Der Sprühfilm ist gleichzeitig stabil und flexibel und erlaubt dem Patienten, sich ungehindert zu bewegen. Der Liqui-Patch kann an jeder beliebigen Stelle auf der Haut aufgetragen werden und trocknet dort innerhalb von 90 Sekunden vollständig ab.

Interessierte können sich ab einem Betrag von 250 Euro an der Crowdinvesting-Kampagne auf www.aescuvest.de/liqui-patch beteiligen. (red)

Versorgungslücken bei innovativen Psychopharmaka

Oberflächlich betrachtet herrschen auf dem deutschen Arzneimittelmarkt paradiesische Verhältnisse. Übervolle Apotheken, immer bessere Medikamente, unbegrenzte Verfügbarkeit via Internet – was will man mehr! Ein genauer Blick offenbart jedoch schnell Probleme bei der Versorgung mit neuen wirksamen Medikamenten. Geradezu exemplarisch zeigt sich dies im Bereich der Psychopharmaka.

 

Bedarf

Obwohl hier der Bedarf an neuen Mitteln mit individueller Wirksamkeit und verbesserter Verträglichkeit besonders groß ist, wurden in den vergangenen Jahren fast keine neuen Substanzen eingeführt. Mehr noch: Immer häufiger melden pharmazeutische Unternehmen den Marktrückzug ihrer Neuentwicklungen oder sie verlassen Deutschland ganz. Hintergrund ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG), das 2011 in einem europäisierten Pharmamarkt allein in Deutschland in Kraft trat. „Mit dem Gesetz“, heißt es im Bundesministerium für Gesundheit, „wird der Weg für fairen Wettbewerb und eine stärkere Orientierung am Wohl der Patienten freigemacht. Das AMNOG schafft eine neue Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit von Medikamenten. Der Zusatznutzen der Medikamente für die Patienten bestimmt künftig den Preis der Medikamente.“

 

Stillstand

Das Ziel stimmt. In der Praxis jedoch öffnete AMNOG der Bürokratie Tür und Tor. Als folgenschwer erweisen sich insbesondere die Regelungen der Nutzenbewertung und Arzneimittelerstattung, die im Rahmen eines stark formalisierten Bewertungsprozesses keine adäquate Beurteilung des Zusatznutzens innovativer Arzneimittel ermöglichen. Dadurch haben Pharmakritiker, die meist selber keine Erfahrungen in der Patientenversorgung haben, bei der einseitigen Beeinflussung von Gesundheitspolitikern und der pauschalen Verteufelung der Pharmaindustrie leichtes Spiel. Im Ergebnis können die Hersteller heutzutage kaum noch damit rechnen, für neue Substanzen entsprechende Vergütungen zu erhalten, sodass inzwischen Stillstand in der Entwicklung neuer Psychopharmaka eingetreten ist.

 

Plattform

Dagegen regt sich bei Ärzten und Patienten zunehmend Widerstand, die auch in Deutschland ungehinderten Zugang zu hochspezialisierten Medikamenten verlangen. Diesem Ziel hat sich die 2005 von Vertretern der Wissenschaft, des Gesundheitswesens und der Industrie geschaffene Deutsche Gesellschaft für experimentelle und klinische Neurotherapeutika (GESENT e. V.) verschrieben. „Wir haben GESENT gegründet“, sagt Präsident Prof. Dr. Peter Riederer, „um eine Plattform für akademische Einrichtungen, Politik, Regulationsbehörden, Laienorganisationen und forschende Arzneimittelhersteller zu bieten und das gegenseitige Verständnis der Akteure zu vertiefen. Unser Ziel ist es, Medikamentenentwicklungen zu beschleunigen und unter Berücksichtigung von Sicherheitskriterien und sozioökonomischen Faktoren den Patienten möglichst früh zur Verfügung zu stellen.“

Das ist keine einfache Aufgabe. Das gegenwärtige System der frühen Nutzenbewertung und die darauf aufbauende Preisregulierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung für die Behandlung chronischer Erkrankungen haben nachhaltig negative Konsequenzen ausgelöst. Hinzu kommt ein negatives gesellschaftliches Klima gegenüber der Industrie für Neuro-Psychopharmaka. „So gesehen ist es nicht überraschend, dass das Engagement von pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland insbesondere im Feld der Neuro-Psychopharmaka stagniert“, erklärt Riederer und fügt hinzu: „Außerdem machen fehlende validierte Targets und andere regulatorische Rahmenbedingungen die Medikamentenentwicklungen teuer, aber kaum noch refinanzierbar, was sich auf die Attraktivität des Pharmastandorts Deutschland für die Industrie zusätzlich negativ auswirkt.“

 

Brückenfunktion

Dadurch und aufgrund der gesundheitspolitischen Vorgaben sind in den letzten Jahren zwischen den einzelnen Interessengruppen Divergenzen immer deutlicher geworden: Biometriker und Statistiker von Begutachtungs-Instituten, Ärzte (Kliniker, Praktiker), Krankenkassen, Krankenhaus-Konzerne, Politiker, Parteien, Patientenvertreter, Zulassungsbehörden, pharmazeutische Industrie – alle sprechen verschiedene Sprachen in ihrer eigenen Welt. Dieser Zustand muss geändert und stattdessen der gegenseitige Austausch in den Vordergrund rücken. GESENT e. V. sieht sich in der Verantwortung, in einer Art Brückenfunktion, um diesen Austausch zu koordinieren – im ersten Jahr beispielsweise durch regelmäßige Round Tables, einen Jahreskongress und eine Medienkampagne. Letzterem steht auch die einzige deutschsprachige Psychopharmaka-Fachzeitschrift „Psychopharmakotherapie“ zur Verfügung, die als GESENT-Organ in jeder Ausgabe allen Netzwerkpartnern Platz für Themen, Fragen und Vorschläge bietet. Riederer: „GESENT e.V. will Promotor sein – Promotor einer Öffentlichkeitskampagne für Medikamenten-Neuentwicklungen, die nicht nur im Ausland verfügbar sind, sondern auch in Deutschland zum Nutzen der Patienten auf den Markt kommen.“ GESENT hat die Netzwerkpartner im Mai nach Berlin eingeladen, um von hier einen solchen Prozess in Gang zu setzen. (in)

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