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Wohnträume der Berliner: Eigene vier Wände im grünen Umland

Das Berliner Umland wird immer attraktiver für Wohnungssuchende, die den Dilemmata des Berliner Wohnungsmarktes überdrüssig sind. Wegen steigender Mieten und dem Wohnungsmangel ziehen immer mehr Berliner in den städtischer werdenden Speckgürtel der Hauptstadt. Sie wollen sich dort ihre Wohnträume erfüllen. Die Zahlen des Wohnungsmarktberichts der Investitionsbank Berlin (IBB) erfassen ein vergleichbares Wachstum der Einwohnerzahlen im Umland wie in Berlin selbst. Von 2012 bis 2016 stiegen die Einwohnerzahlen im Umland um 5,6 Prozent an, in Berlin selbst waren es 5,9 Prozent. Besonders beliebt sind dabei die Regionen Potsdam, Falkensee und Königswusterhausen. Einfamilienhäuser dominieren weiterhin das Baugeschehen des Umlandes. Doch auch der Geschosswohnungsbau im Großstadtstil wird angesichts der Zuzüge nötig und lukrativ für Projektentwickler sein.

Mit den steigenden Einwohnerzahlen erhöhen sich natürlich auch die infrastrukturellen Anforderungen an das Brandenburger Umland und die Verbindungen nach Berlin. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher sieht schon lange die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit der beiden Länder. „Dass das Wachstum Berlins auch Auswirkungen auf Brandenburg und insbesondere die Umlandgemeinden hat, liegt auf der Hand. Wir stehen deshalb im ständigen Dialog, u.a. im kommunalen Nachbarschaftsforum, um auch die Entwicklung der wachsenden Stadtregion in einer geordneten und städtebaulich sinnvollen Art und Weise gemeinsam voranzubringen“, so Lompscher.

 

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

 

Die Wohnträume wären im Berliner Umland realisierbar

Rund 27.000 Wohnungen wurden im starken Wachstumszeitraum 2012 bis 2016 in Stadtnähe in Brandenburg gebaut, weitere 15.000 sind bereits genehmigt. Die meisten Fertigstellungen verzeichnete die Landeshauptstadt Potsdam. Mit einer Zunahme an Baugenehmigungen von 11,8 Prozent ist kein Ende der dynamischen Wohnungsbauentwicklung in Sicht. Die Attraktivität des Wohnens an der Schnittstelle zwischen städtischen Möglichkeiten und ländlicher Ruhe ist unangefochten. Wer im sogenannten Speckgürtel der Hauptstadt wohnt, nimmt das Beste von beidem mit. Doch stellt sich die Frage, ob die erhöhte Abwanderung ins Umland einem Wohntraum vom Leben im Grünen in städtischer Nähe entspricht. Oder ob sie vielmehr eine Konsequenz der dramatischen Wohnsituation Berlins ist.

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. Dieses Profil ergab die vom Baufinanzierungsvermittler Interhyp veröffentlichte „Wohntraumstudie 2018“. Nur die Hälfte der 60 Prozent in Klein- bis Großstädten lebenden Deutschen fühlt sich dort jedoch wohl. Ganze 56 Prozent fühlen sich von dem anhaltenden Straßenlärm ihres derzeitigen Wohnortes gestört, 44 Prozent sind es in Berlin. Während die Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) von einem freistehenden Einfamilienhaus träumt, spielen bei der Wohnungssuche auch Faktoren wie ein schöner Ausblick und die Nähe zur Natur mit jeweils 94 Prozent eine übergeordnete Rolle. Rund die Hälfte aller Befragten gibt jedoch an, dass ihre tatsächliche Situation besser sein könnte. Kompromisse werden laut 99 Prozent der Befragten keinesfalls bezüglich der Lage und Behaglichkeit gemacht. Stattdessen werden Abstriche am ehesten bei der Raumaufteilung und Bauweise der Immobilie gemacht.

 

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

 

Eigenheim mit Garten oder Mehrfamilienhaus in Naturnähe

Im Vergleich zur 2016 veröffentlichten Wohntraumstudie ist das Zuhause sogar noch bedeutender geworden. Für 57 Prozent (2016: noch 46 Prozent) ist das Zuhause sehr wichtig, für 40 Prozent wichtig. Das Zuhause gilt als Rückzugsort, ist aber auch ein Ort der Zusammenkunft mit Familie und Freunden. Wichtige Beweggründe vom Mieter zum Eigentümer zu werden, sind vor allem der größere Gestaltungsspielraum in der eigenen Immobilie und die Unabhängigkeit vom Vermieter. Insgesamt wünschen sich 76 Prozent der Befragten ein Eigenheim. Im Hinterkopf bleibt jedoch immer die Frage, was unter den aktuellen Umständen möglich und umsetzbar ist. Der Umzug in eine größere Wohnung ist in Berliner Verhältnissen, oft mit dem Wegzug aus dem Kiez verbunden. Mietserhöhungen sowie steigende Quadratmeterpreise, die sich verglichen mit alten Mietverträgen inzwischen fast verdoppelt haben, erschweren die Wohnungssuche in direkter Nachbarschaft.

Dieser maßvolle und realistische Umgang mit den eigenen Wohnträumen lässt vor allem darauf schließen, welchen bleibenden Eindruck die derzeitige Wohnungssuche hinterlässt. Zum anderen weisen diese Abwägungen auch positiv darauf hin, wie realistisch die Wohnungssuchenden vor diesem Hintergrund ihre Finanzen einschätzen können.Trotzdem wünschen sich 73 Prozent der Befragten eine größere Wohnfläche als die durchschnittlichen 100 Quadratmeter. Auch von einem Garten träumen die meisten Befragten. Dies ist vor dem Hintergrund der Landflucht interessant. Denn die Attraktivität des Brandenburger Umlandes bemisst sich nicht ausschließlich am Wohnstil des Einfamilienhauses oder der Nähe zur Natur. Neubausiedlungen mit Mehrfamilienhäusern prägen das Bild der Fertigstellungen. Auch diese befinden sich oft in Waldnähe oder integrieren gemeinschaftliche Garten- und Spielplatz-Konzepte im Innenhof der Gebäudekomplexe.

Zufriedene Berliner und die Alternative Großstadt

Der Senat sieht weitere vorhandene Bauflächen für die Entlastung des Berliner Wohnungsmarktes im Umland. Bis 2030 werden in Berlin 194.000 Wohnungen benötigt. Hiervon könnten 65.000 Wohnungen auf bestehenden Flächen in Brandenburg realisiert werden. Vor dem Hintergrund, dass 76 Prozent der Berliner laut Interhyp angeben, mit ihrer Wohnsituation zufrieden zu sein, stellt sich jedoch die Frage, ob der Umzug nach Brandenburg nicht eher als Notlösung in der „Provinz“, verbunden mit langen Fahrtzeiten und hohen Benzinkosten, gesehen wird.

 

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

 

Zufriedener als die Berliner sind übrigens nur die Stuttgarter, 82 Prozent von ihnen würden ihre Wohnsituation nicht eintauschen. Infolge der Zufriedenheitsrate könnte also auch vermutet werden, dass Berliner, die bereits eine geeignete Wohnung gefunden haben, glücklich mit den Vorteilen des Hauptstadtlebens sind. Gründe für das Leben an einem immer teurer werdenden Standort wie Berlin sind eine Vielzahl an Kultureinrichtungen, Selbstverwirklichungsmöglichkeiten und berufliche Vorteile. Auch die bekannte Berliner Mischung ist immer wieder ein entscheidendes Kriterium für die Wahl der Großstadt. Im Speckgürtel hingegen macht die „Alternative Großstadt“ nur die Hälfte der Möglichkeiten und Wohnträume aus. (cn)

Bundesverfassungsgericht: Grundsteuer muss reformiert werden

Aufgrund der boomenden Wirtschaft, des steigenden Umsatzes der Immobilienbranche und der stabilen Bodenstruktur ist Deutschland ein beliebtes Anlageziel für Investoren. Die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt ist groß. Im Zuge dessen stieg der Bodenwert in den letzten Jahren rasant an. Doch nun hat das Bundesverfassungsgericht am vergangenen Dienstag die Grundsteuer für verfassungswidrig erklärt. Demnach müssen für Millionen Grundstückbesitzer die Grundsteuer neu berechnet werden.

Wer zahlt die Grundsteuer?

Die Grundsteuer ist eine  Abgabe, die sowohl auf das Eigentum an Grundstücken als auch auf deren Bebauung erhoben wird. Sie ist eine der ältesten bekannten Steuerarten und wird zwischen der  Grundsteuer A  für Grundstücke der Land- und Forstwirtschaft und der Grundsteuer B für bebaute oder bebaubare Grundstücke und Gebäude differenziert. Dabei gibt es einen sogenannten Einheitswert, der 1935 festgelegt wurde. Wie hoch der Einheitswert ist, legt das zuständige Finanzamt fest.

In Deutschland gibt es 35 Millionen Grundstücke, darunter 800.000 in Berlin. Bisher musste jeder, der ein Grundstück besitzt, die Grundsteuer zahlen. Darüber hinaus müssen auch die Mieter indirekt Grundsteuer zahlen, da der Vermieter sie als Betriebskosten anlegt. Insgesamt bringt die Grundsteuer rund 14 Milliarden Euro im Jahr ein. Nach Angaben des Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen, belief sich die Summe in Berlin 2017 auf 805 Millionen Euro.

Bundesverfassungsgericht erklärt Grundsteuer für verfassungswidrig

Die Grundsteuer stand schon seit einiger Zeit in der Debatte. Weil Eigentümer von unbebautem Land besonders wenig zahlen, sprachen sich viele Bürger für eine faire Besteuerung aus und reichten eine Verfassungsklage an.  Am vergangenen Dienstag hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe nun verkündet, dass  die Steuer für die 35 Millionen Grundstücke geändert werden muss.

Denn die Berechnungsgrundlage der Steuer gilt als längst überholt. Ihre Festlegung reicht nämlich in den westlichen Bundesländern bis 1964 und in den neuen Bundesländern sogar bis 1935 zurück. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass bis Ende 2019 die Grundstücke neu bemessen werden müssen. Dennoch darf nach der Neuregelung das alte Steuersystem für weitere fünf Jahre bis zum 31. Dezember 2024 angewandt werden.

Wie könnte die neue Steuer aussehen?

Wie sich die Berechnung der Grundsteuer in Zukunft gestalten wird, ist noch unklar. Fest steht, dass alle von der Reform betroffen sein werden – Kommunen, Eigentümer und Mieter. Es sind bereits mehrere Reformmodelle im Gespräch. Einer der bekanntesten ist das Kostenwertmodell, das schon 2016 vorgeschlagen wurde. Bei diesem Modell wird die Grundsteuer aus dem Grundstückswert und dem Gebäudewert ermittelt. Bei dem Gebäudewert sinkt der Wert mit dem Alter der Immobilie. Währenddessen wird der Grundstückswert mithilfe des Bodenrichtwerts berechnet. Aufgrund der komplizierten Berechnung und dem damit verbundenen Aufwand wird dieses Modell von Immobilienverbänden stark kritisiert.

Ein weiteres Modell, das vor allem von den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen, bevorzugt wird, ist das Südländermodell. Die Berechnung ist hier einfacher. Denn die Grundsteuer wird nach der Größe des Grundstücks und der Nutzfläche bemessen.

Eine neue Reform der Grundsteuer ist zwar schon seit Langem geplant, doch wurde sie vor der Bundestagswahl nicht mehr beschlossen. „Die jetzt eingeräumte Übergangsfrist zur Umsetzung des neuen Rechts bedeutet einen sehr straffen Zeitplan für die Verwaltung“, so Kollatz-Ahnen. Da die Wohnungen im Westteil teurer sind, als im Ostteil, werden Experten zufolge nach einer Neuregelung die Immobilien im Osten tendenziell teurer. (dn)

QUO VADIS 2018: Das Davos der Immobilienwirtschaft in Berlin

Von Frank Schmeichel

Zum 28. Mal trafen sich Mitte Februar die Topentscheider der Immobilienbranche zum QUO VADIS im Hotel Adlon in Berlin, um über die Zukunft der Städte und Gebäude interdisziplinär und nachhaltig zu diskutieren. Mit rund 420 Teilnehmern erlebt die Immobilienveranstaltung von Heuer Dialog einen erneuten Teilnehmerrekord. Exklusivpartner der Veranstaltung waren der Spezialist für Immobilieninvestments in der Deka-Gruppe, Deka Immobilien, und einer der bundesweit führenden Immobilienprojektentwickler, Instone Real Estate.

Wolfgang Kubicki hielt die Auftaktrede des QUO VADIS 2018

„Beim nächsten Versuch, ziehen wir das durch“, versprach Wolfgang Kubicki mit Blick auf die gescheiterten Sondierungen zur „Jamaika-Koalition“ und die noch unsichere Neuauflage der GroKo. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP und Bundestagsvizepräsident eröffnete am 19. Februar am Vorabend des 28. QUO VADIS der Immobilienwirtschaft die Veranstaltung mit seiner Auftaktrede. Veranstaltungsort war der Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin – genau der Ort, wo im Oktober letzten Jahres die ersten Sondierungsgespräche stattgefunden haben.

 

Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Bundestages und Stellvertretender Vorsitzender der FDP | Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Bundestages und Stellvertretender Vorsitzender der FDP
| Foto: Heuer Dialog,
Alexander Sell Fotografie

 

München schrumpft und in Berlin bleiben die Jungen weg

Mit Spannung wurde der Vortrag des Mitverfassers des Frühjahrsgutachtens der Immobilienexperten; Prof. Dr. Harald Simons, Mitglied des Vorstands der empirica ag, bei QUO VADIS 2018 ; zum Thema Wohnungspreise erwartet. Er prognostizierte vor einem Jahr bei QUO VADIS, dass in Berlin sicherlich, in München wahrscheinlich, mit einem Trendbruch bei den Kaufpreisen zu rechnen sei. An diesen Aussagen hält er auch bei seinem diesjährigen Vortrag fest. Die Binnenwanderung in Berlin und München sei eingebrochen. In Berlin ziehen die Jungen weiter in die nächste Schwarmstadt Leipzig. „Leipzig ist top“, so seine Worte. Früher generierte man noch Zuwanderung über das Ausland, das sei deutlich zurückgegangen. Auch gibt es seiner Meinung nach keine Spekulationen mit Baugenehmigungen. In Berlin werden in diesem Jahr 19.000 Wohnungen fertig gestellt. Prof. Dr. Simons Fazit lautete daher: „Es gibt keine Knappheit an Wohnungen in Berlin!“.

 

Prof. Dr. Harald Simons, Mitglied des Vorstands, empirica ag | Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

Prof. Dr. Harald Simons, Mitglied des Vorstands, empirica ag
| Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

 

 

Die deutsche Wirtschaft ist stabil und bestens reguliert

Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA, eröffnete traditionell den ersten Kongresstag am 20. Februar im Hotel Adlon. „Uns geht es gut. Die deutsche Wirtschaft ist stabil und bestens reguliert. Wir brauchen eine Baulandoffensive und mehr Anreize statt Regulierung“, so Dr. Mattners Forderung an die Politik.

 

Dr. Andreas Mattner Präsident, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. und QUO VADIS-Moderator Karsten Trompetter (li) | Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

Dr. Andreas Mattner
Präsident, ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. und QUO VADIS-Moderator Karsten Trompetter (li)
| Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

 

Es läuft gut in Deutschland, also geht die Party weiter

Ähnlich äußerte sich Prof. Dr. Feld, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: „Es läuft gut in Deutschland, die Party geht weiter.“ Er sieht keine Anzeichen für eine Immobilienblase. Eine große Herausforderung der deutschen Immobilienwirtschaft ist für ihn die Preisentwicklung in den Ballungszentren. Im Koalitionsvertrag gäbe es ein „Hüh und Hott“. Damit meint er, dass es keine aus seiner Sicht notwendige Deregulierung gibt, stattdessen stelle er eine Überregulierung fest. Im Einzelnen ging er auf die Grunderwerbssteuer ein sowie die Verschärfung der Share Deals und er prognostizierte Veränderungen bei der Grundsteuer A und B, die seiner Meinung nach verfassungswidrig ist. Er geht davon aus, dass auch das Bundesverfassungsgericht so entscheiden wird.

 

Prof. Dr. Lars P. Feld Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Direktor, Walter Eucken Institut e.V. | Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

Prof. Dr. Lars P. Feld Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Direktor, Walter Eucken Institut e.V. | Foto: Heuer Dialog, Alexander Sell Fotografie

 

QUO VADIS – ein Blick in die Zukunft

Ein zentraler Streitpunkt auf der Immobilienveranstaltung war die Debatte,um den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Immobilienbranche. Was kann die neue Technologie in der Immobilienwelt bewirken? Taugt sie nun als Alternative zum Grundbuch oder nicht? Noch jedenfalls muss jede Transaktion auf einem Blockchain-Grundbuch zusätzlich zu der Freizeichnung durch den privaten Schlüssel des Berechtigten von einem Notar freigegeben werden. In Zukunft wird sich das aber wohl schnell ändern. Es wird bereits an Blockchain-Lösungen gearbeitet, um Rechtsverhältnisse an Grundstücken abzubilden. Wichtig ist hierbei die Ängste schon im Vorfeld zu nehmen und versiert an die neue Technologie heranzutreten. Für Unternehmen bedeutet das einen maßgeblichen Zugewinn bei der Neuorganisation bereits etablierter Unternehmen und könnte in der Immobilienwelt für einen Wandel sorgen.

Einerseits fördert Blockchain eine nachhaltige Unternehmensstrategie, andererseits könnte sie aber zukünftig für die Freisetzung von Mitarbeitern führen.  Ferner können Transaktionen in Deutschland, aufgrund der Hochrechnungen von Experten, bereits in drei bis fünf Jahren blockchainbasiert ablaufen. Das würde bedeuten, dass in ca. zwei Jahren Union Investment Deals innerhalb von 24 Stunden getätigt werden könnten. Betroffen wären allerdings nicht nur große Investmentdeals, sondern auch Transaktionen bis in den Bereich Property Management/Asset Management. Neben der Blockchain-Technologie werden wohl auch Kryptowährungen, beispielsweise Bitcoin, zu massiven Änderungen in der Immobilienwirtschaft führen.

 

Sanus AG: Neubau ist die einzige Option

Die SANUS AG, gegründet 1996, ist eines der führenden Immobilienunternehmen in der Hauptstadt. Das Unternehmen realisiert als Projektentwickler zahlreiche Neubauprojekte in den Segmenten mittleres und gehobenes Wohnen. Seit ihrer Gründung hat die SANUS AG in Berlin mehr als 5.000 Einheiten realisiert.

Herr Nehls, der Berliner Immobilienmarkt gilt als überhitzt. Immer mehr Menschen strömen in die Stadt, die Preise steigen rapide, der Wohnungsleerstand liegt nur noch bei knapp über einem Prozent. Was muss aus Ihrer Sicht unternommen werden?

Ganz einfach: Es muss neu gebaut werden, das ist die einzige Option! Das ist Fakt und wird auch von niemandem bestritten. Auch Senatorin Lompscher hat sich dazu unmissverständlich geäußert. Die Frage ist also nicht, was getan werden muss, sondern wie es getan werden kann. Die Preise sind gestiegen, weil die Nachfrage immer größer wird. Das ist das Einmaleins der Marktökonomie. Es wird nur gelingen, Druck vom Kessel zu nehmen, indem zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird.

Kürzlich hat die Bausenatorin neue Zahlen vorgelegt, die von einem zusätzlichen Bedarf von 194.000 Wohnungen bis 2030 ausgehen. Ist das überhaupt zu schaffen?

Diesen prognostizierten Wohnungsbedarf in einem relativ überschaubaren Zeitraum zu befriedigen, ist sicherlich eine Mammutaufgabe, die aber lösbar ist. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten, also die Politik, die städtischen Wohnungsbaugesellschaften und private Investoren Hand in Hand arbeiten. Auch die Bürger sind dabei gefragt. Wir legen großen Wert darauf, alle unsere Projekte transparent durchzuführen und auf den Bedarf der Menschen auszurichten.

Siegfried Nehls, Gründer und Vorstand der SANUS AG | Foto: SANUS AG

Siegfried Nehls, Gründer und Vorstand der SANUS AG | Foto: SANUS AG

Wie geht die SANUS AG diese Aufgaben an und was sind aktuell die wichtigsten Projekte für Ihr Unternehmen?

In jüngster Zeit haben wir den Fokus verstärkt auf den Neubau gelegt. Ganze Quartiere werden durch die SANUS AG neu entwickelt. 2016 haben wir ein Neubauensemble in der Seesener Straße in Charlottenburg fertiggestellt. Über 200 Wohneinheiten, verteilt auf gut 16.000 Quadratmeter. Aktuell planen wir ein neues Stadtquartier in der Greifswalder Straße in Pankow. Das Projekt sieht vor, bis 2022 an dem Standort über 400 Wohnungen auf insgesamt fast 36.000 Quadratmetern zu realisieren. Das ist aus meiner Sicht der einzig gangbare Weg, um der Wohnungsnot zu begegnen: Die Entwicklung neuer Quartiere auf ehemaligen Brachen und damit die Schaffung neuen Wohnraums.

Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für die zunehmende Attraktivität Berlins?

Dafür gibt es sicher viele Gründe. Um einige zu nennen: Berlin ist die Hauptstadt und hat damit per se eine große Anziehungskraft, vor allem auch für junge Menschen. Die Stadt gilt als hip, schick, bunt und lebendig. Die Wirtschaft hat angezogen und Berlin ist die Startup- City. Auch international hat sich der Stellenwert Berlins deutlich erhöht. Für ausländische Anleger ist die Stadt mittlerweile sehr interessant geworden. Im Übrigen ist das ja ein Zustand, den sich Berlin immer gewünscht hat: Internationales Flair, in einem Atemzug mit Metropolen wie London oder Paris genannt zu werden. Die Metropole ist auf einem guten Weg, was eben dazu führt, dass es die Menschen hierher zieht.

Was meinen Sie: Geht die Party weiter oder droht ein böser Kater?

Der Berliner Immobilienmarkt hat noch viel Potenzial und die internationale Anziehungskraft wird weiter zunehmen. Die Preise sind gestiegen, aber Berlin hat viel Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Metropolregionen. Für Investoren wird die Stadt weiter interessant bleiben, da eine Abschwächung dieses Trends nicht sichtbar ist und die Preise werden damit weiterhin steigen. Eine Immobilienblase ist aus meiner Sicht daher nicht zu befürchten. (ak)

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