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Rasante Umbrüche durch Digitalisierung in Berlin

Wie hoch ist die Bedeutung der Digitalisierung für Großstädte wie Berlin? In die Hauptstadt zieht es neue Kompetenzzentren für maschinelles Lernen und von künstlicher Intelligenz profitierende Start-ups, die für ein neu gestaltetes Arbeitsumfeld sorgen. Deutschland, vor allem aber Berlin als Gründermetropole, will in der Entwicklung von KI nicht hinter großen Investoren der digitalen Zukunft wie China und den USA zurückbleiben. Zum Auftakt des 21. Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) fordern Politiker ein nachhaltiges Geschäftsmodell und befürworten Investitionen in digitale Bildung.

 

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

Schneller und effizienter durch KI? | Foto: pexels.com

 

Menschliche Arbeit wird austauschbar

Etwa 70.000 Berliner arbeiten im digitalen Umfeld der Hauptstadt. In der Eröffnungsrede des 21. DGB-Bundeskongresses sprach Bundespräsident Frank Walter Steinmeier unter anderem über die Neugestaltungen durch die Digitalisierung der letzten Jahre. Neben einer geforderten „Ethik der Digitalisierung“,thematisierte er auch die Gestaltung dieser für eine zukünftige Arbeit mit der KI. „Wir müssen die Digitalisierung so gestalten, dass sie Arbeit aufwertet und nicht ersetzt“, so Steinmeier.

Der Unterschied zu vergangenen technologischen und industriellen Umwälzungen sei die Betroffenheit aller Berufsfelder von einem eventuellen Austausch durch intelligente Systeme. Diese können dann Busse selbst fahren lassen, Bücher katalogisieren oder das Postsystem revolutionieren. Die große Menge an heutzutage zu verarbeitenden Daten treibt auch die maschinelle Innovation hierfür voran.

Digitalisierung der Arbeitsplätze

Nachhaltige Digitalisierung ist nicht nur aus Material- und Umweltsicht bisher fragwürdig, sondern auch in Bezug auf die Schaffung und Kürzung von Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sorgen die zunehmende Nutzung des Internets und mehrerer Devices für eine starke Erhöhung der Stromnachfrage. Materiell betrachtet ist die Basis der Geräte, die uns mit dem schnellen Internet verbinden, schon aufgrund ihrer Produktionsprozesse nicht konstruktiv. Doch auch die zunehmenden Aufgaben, die von mit KI arbeitenden Systemen gelöst werden können, betreffen alle Berufsgruppen. So wird von einer Wegrationalisierung der Arbeitsplätze und größer werdenden Einkommensschere der kommenden 20 Jahre gesprochen.

Gerade für die Start-up Branche sind diese selbstdenkenden – zum Teil auch selbstständig lernenden – Systeme attraktiv und Berlin als Standort einträglich. Rund die Hälfte aller auf KI setzenden deutschen Start-ups siedelt sich derzeit in Berlin an. Grund dafür ist, abgesehen von der hohen Lebensqualität trotz verhältnismäßig niedriger Gewerbemieten, auch die einfache Rekrutierung guter Mitarbeiter.  Als IT-Standort und europäische Gründermetropole hat sich Berlin einen internationalen Namen gemacht.

 

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

Der Arbeitsplatz von Heute. | Foto: pexels.com

 

Den Nachwuchs zieht es an die Spree

Für Oktober ist die Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für maschinelles Lernen in Berlin geplant.Von dessen Angebot können Informatikinteressierte für ihre Jobs der Zukunft profitieren. Schon 2017 wurde das von den großen Berliner Universitäten getragene Einstein Center Digital Future im Robert-Koch-Forum (Mitte) in Betrieb genommen. Es wurde zu Forschungszwecken rund um Themen wie Smart Housing und Mobilität sowie zur digitalen Bildung des Nachwuchses, gegründet. Ziel ist es digitalen Nachwuchs zu gewinnen und abseits von großen Unternehmen wie Google, Amazon und Facebook, wieder eine Vorreiter-Position einzunehmen.

Weitere Projekte, wie ein Internet-Institut, sind in Planung. Den Standort hierfür gewann Berlin in einer Ausschreibung des Bildungsministeriums vor anderen deutschen Städten. Auch die EU-Kommission erhöhte ihre Förderung für die KI im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020. In diesem wird vorgesehen bis 2020 rund 1,5 Milliarden Euro zu investieren und 2,5 Milliarden Euro mit Co-Investitionen zu mobilisieren. (cn)

Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI): Attraktive Ausbildung als Gebot der Stunde

Viele Berliner Unternehmen klagen über ein schlechtes Niveau der Schulabgänger. Es fehle oft an fachlichen Voraussetzungen, vor allem aber an Motivation und Begeisterungsfähigkeit. Wie die Unternehmen damit umgehen und was sie selber dagegen tun können – darüber sprachen wir mit Henning Banthien, Ausschussvorsitzender für Bildung und Wissenschaft im VBKI und Sprecher der Geschäftsführung der IFOK GmbH.

Herr Banthien, überall wird der Arbeitskräftemangel beklagt. Wie ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt?

Es wird anspruchsvoller. Guten Nachwuchs in ausreichender Zahl zu gewinnen, wird immer schwieriger. Das liegt aber nicht nur an der demografischen Entwicklung. Es gibt noch andere Gründe – zum Beispiel die immer häufiger fehlenden Kompetenzen der Schulabgänger. Das ist ein Hauptproblem und führt einerseits in die Schulen, aus denen unsere Bewerber kommen.

Den Schulen nun aber die Hauptschuld an der Misere zu geben, wäre falsch. Mitverantwortlich ist andererseits auch die Politik, die oft nicht die Bedingungen schafft, die Schulen für gute Arbeit brauchen. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Jugendlichen verändert. Es wird zunehmend schwer, sie überhaupt zu erreichen. Immer weniger junge Leute haben Lust auf eine Lehre, die wiederum leider in der allgemeinen Wahrnehmung an Attraktivität eingebüßt hat. Wir, also auch die Unternehmen, sind alle gefragt, hier die Werbetrommel zu rühren.

Was läuft da falsch?

Wir kennen unsere Jugendlichen nicht mehr richtig. Das ist das Problem. Um die jungen Menschen zu erreichen, müssen wir aber wissen, wofür sie sich interessieren und was sie antreibt. Wir müssen mehr darauf schauen, wie die Jugendlichen auf Veränderungen und Neuerungen reagieren. Interessieren sie sich direkt für Technik oder eher für gesellschaftliche Herausforderungen wie die Energiewende und über dieses gesellschaftliche Interesse führen wir sie zur Technik.

Zweitens spielt auch der digitale Wandel eine gewichtige Rolle. Wie wird sich dadurch die Art der Ausbildung ändern und wie können wir unter diesen Bedingungen junge Leute für uns zugewinnen? Die Digitalisierung wird zahlreiche Fragen ganz neu stellen und für die brauchen wir neue Antworten – auch in der Bildung. Diese darf aber nicht nur technische Aspekte zum Inhalt haben oder sich darauf reduzieren, wie gut die (digital) technische Ausstattung in den Lehrgebäuden ist. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, sind neue didaktische Wege, die im digitalen Zeitalter die Interessen und Einstellungen der Jugendlichen treffen. Nur wenn wir das alles verstehen, besteht die Chance, die Ausbildung wieder zu etwas Reizvollem im Leben eines Menschen werden zu lassen. Das fällt jedoch nicht einfach vom Himmel, sondern bedeutet eine neue Herausforderung für ausbildende Unternehmen.

Der VBKI plädiert seit Jahren für enge Kontakte zwischen Betrieb und Schule. Warum?

Die Antwort liegt auf der Hand. Nur wer sich kennt, kann auch aufeinander eingehen. Schule und Unternehmen sind keine einander fremde Welten. Wer genauer hinschaut, wird sogar viele Beziehungen zwischen beiden Seiten entdecken. Die wichtigste ist der Mensch, den beide Seiten mit spezifischen Mitteln und Methoden fit für das Leben machen.

Welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Schulen kann der VBKI aufgrund eigener Erfahrungen den Unternehmen empfehlen?

Alles, was zum besseren Verständnis zwischen Schule und Unternehmen beitragt, eignet sich zur Zusammenarbeit. Oft gibt es in einer Region, und auch hier in Berlin, bereits zahlreiche Angebote im Bereich Schule-Wirtschaft-Kooperation. Der VBKI hat sich hier immer wieder bemüht größere Transparenz in die Angebote zu bringen und Schulen und Unternehmen zusammenzuführen.

Welche Formen der Zusammenarbeit haben sich in diesem Sinne bewährt?

Besonders bewährt hat sich das im VBKI entwickelte Lesepatenprojekt. 2005 gegründet, sind heute rund 2.200 ehrenamtliche Lese- und Lernpaten an Berliner Schulen unterwegs. Mission: Kindern zum Lesen zu motivieren und damit eine Lebenskompetenz stärken. Ein anderes Projekt betrifft die Qualifikation von Schulleitern.

Vor ein paar Jahren hat sich der VBKI mit der Senatsverwaltung zusammengesetzt und nach neuen Ansätzen für die Auswahl von Führungspersonal in Schulen gesucht. Heraus kam ein Programm, das erfolgreiches Personalmanagement aus der Wirtschaft mit dem Erfahrungswissen der Verwaltung verbindet. Das Projekt ist erfolgreich und wurde vom LISUM, Landesinstitut für Schule und Medien, in sein Programm aufgenommen. (lj)

Berliner Schule – Spiegelbild unserer Gesellschaft

Bildungsdesaster – so hieß es in den vergangenen Jahren oftmals, wenn von den  Schulen in Berlin die Rede war. Inzwischen hat sich viel getan und noch mehr ist geplant: Angefangen von der Schulbauoffensive, über das Quereinsteigerprogramm für Lehrer bis zur Etablierung neuer Lehrinhalte. Über die damit verbundenen Aufgaben und Anforderungen sprachen wir mit Sandra Scheeres, der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Frau Scheeres, die Situation in den Berliner Schulen wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Wie schätzen Sie die Situation des Berliner Schulwesens ein?

Die Berliner Schule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Das heißt: Berliner Lehrkräfte müssen mit sehr unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern arbeiten. Dabei sehen sie sich im Schulalltag mit deren verschiedenen Lebensläufen und Lernvoraussetzungen konfrontiert. Hinzu kommen Schüler, die problematische Einstellungen und Vorurteile mit in die Schulen hineintragen, was dann zu Konflikten führen kann. Schule ist heute mehr als reine Wissensvermittlung. Es geht jetzt auch darum, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und das soziale Miteinander zu stärken. Problematisch ist zum Beispiel die Haltung vieler Elternhäuser, die bei Schwierigkeiten in der Erziehung, diese gern der Schule aufbürden. Das ist eine sehr schwierige und herausfordernde Aufgabe.

Die Schulen haben zurzeit mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen – steigenden Schülerzahlen, fehlende Schulgebäude und so weiter. Wie gehen Sie diese Probleme an?

In den nächsten Jahren brauchen wir bis zu 70.000 zusätzliche Schulplätze. Das ist in der Tat eine Herausforderung, an der wir auch schon sehr intensiv arbeiten. Mehr Schülerinnen und Schüler bedeuten mehr Lehrkräfte und mehr Schulplätze. Neben dem Schwerpunkt der Fachkräftegewinnung hat der Senat eines der zentralen Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht: Die Berliner Schulbauoffensive, durch die 5,5 Milliarden Euro in den kommenden Jahren in den Schulbau und die Schulsanierung fließen. Aktuell haben wir den Schulbaufahrplan veröffentlicht. Das ist eine übersichtliche Datensammlung, die schulscharf darstellt, wer wann was an der jeweiligen Schule saniert oder baut. Diese Transparenz ist einmalig. Der Schulbaufahrplan dient uns als Steuerungsinstrument. Die notwendigen Erweiterungen bergen auch die Chance, neue pädagogische Anforderungen in der Architektur umzusetzen. Wir haben dafür ein Raum- und Funktionsprogramm erarbeitet. Das berücksichtigt die pädagogischen Erfordernisse unserer Zeit und die Anforderungen, die neben der reinen Wissensvermittlung an Schülerinnen und Schüler gestellt werden: Kreativität, Eigenverantwortlichkeit und Teamfähigkeit. Dafür gibt es für alle schulischen Akteure ausreichend Begegnungs- und Kommunikationsbereiche, die im Rahmen einer inklusiven Ganztagsschule den Aufenthalt in den Berliner Schulen interessanter und vielfältiger gestalten.

In Berlin droht Lehrermangel. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation?

Man hätte schon vor zehn Jahren die Weichen stellen müssen, um jetzt ausreichend ausgebildete Lehrer zu haben. Als ich mein Amt als Bildungssenatorin vor 6,5 Jahren übernahm, musste ich noch darum kämpfen, Lehrerstellen im System zu behalten, weil wir sinkende Schülerzahlen hatten. Inzwischen herrscht bundesweit ein Fachkräftemangel und die sogenannten Mangelfächer werden jedes Jahr mehr. Waren es am Anfang nur die MINT-Fächer, sind es heute auch Englisch, Musik und Sport. Wir waren in Berlin nicht untätig und haben die Studienplätze für Studierende im Grundschullehramt vervierfacht und die Absolventenzahlen insgesamt in den Hochschulverträgen erhöht. Aber der Wettbewerb zwischen den Bundesländern ist groß. Berlin hat neben einer guten Bezahlung mit monatlich 5.300 Euro den Vorteil, eine sehr attraktive Stadt zu sein, sodass wir auch viele Bewerbungen aus anderen Bundesländern erhalten.

Wie sollen mehr Fachkräfte gewonnen werden und welche Rolle spielen Quereinsteiger?

Fachkräftegewinnung steht für mein Haus an oberster Stelle. Ich habe vor vier Jahren den Berlin-Tag eingeführt, eine halbjährliche Informationsmesse rund um den Lehrkräfte- und Erzieherberuf. Berlin hat in der vergangenen Legislatur 10.000 Lehrkräfte eingestellt, im vergangenen Jahr waren es 3.000. Das ist ein immenser Kraftakt für alle Beteiligten. Für mich ist es alternativlos, auch Quereinsteiger in die berufsbegleitende Lehrkräfteausbildung aufzunehmen. Wer das nicht will, muss sich die Fragen stellen, ob er im Gegenzug Unterrichtsausfall, größere Klassen oder sogar eine Erhöhung der Deputatstunden für Lehrkräfte in Kauf nehmen will. Das sind nicht meine Vorstellungen. Quereinsteigende haben überwiegend zwei Schulfächer studiert. Zusammen mit den anderen Referendaren absolvieren sie den 18-monatigen Vorbereitungsdienst, an dessen Ende die Staatsprüfung steht. Berlin hat momentan einen Anteil von 4,2 Prozent Quereinsteigern, die sich mithilfe von Mentorinnen und Mentoren gut in die Berliner Schulen integrieren. Dass sie dabei Unterstützung benötigen, ist keine Frage. Die werden wir im kommenden Schuljahr weiterhin optimieren.

Im vergangenen Jahr wurde ein gigantisches Schulbauprogramm  auf den Weg gebracht. Wie weit ist die Umsetzung vorangeschritten?

Es hat sich eine ganze Menge getan. Das Bedürfnis nach Daten sowie transparenten Informationen zum Thema Schulbau ist angesichts der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und benötigten Schulplätze gestiegen. Wo passiert was? Wer ist verantwortlich: Bezirk oder Senat? Dazu habe ich in der vergangenen Woche eine umfassende Datensammlung Schulbau vorgestellt, die das jeweilige Maßnahmen-Controlling enthält. Ein derartiger Fahrplan ist einmalig in Berlins Schulbaugeschichte und auch in Deutschland. Eine wichtige Maßnahme war die Installierung der Task Force Schulbau. In Verbindung damit, ist die Zuordnung der einzelnen Maßnahmen an die Baudienstleiter erfolgt. Festgelegt wurde die Verteilung der Standorte, die von der Howoge oder der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Baudienstleister übernehmen werden. Die Mittel für das Schulbauprogramm stehen zur Verfügung und auf Landesebene wurden Partizipationsstrukturen eingerichtet. Manchmal wird übersehen, dass parallel zu dieser Aufbauphase der Berliner Schulbauoffensive natürlich auch saniert, geplant und gebaut wurde und wird. Nach über 100 Sanierungsmaßnahmen an Berliner Schulen im letzten Jahr sind hier insbesondere die ersten zehn Wettbewerbsentwürfe für neue Schulen sowie die Errichtung von dutzenden von modularen Ergänzungsbauten zu nennen. (red)

Mehr Verantwortung, weniger Gehalt – Berlin fehlt es an Schulleitung

Berlins Schulen leiden immer öfter unter fehlendem Fachpersonal. Weniger Lehrer, noch weniger Schulleiter und viel zu wenige Stellvertreter sind vor allem an Berlins Grundschulen ein immenses Problem. Laut dem SPD Abgeordneten Joschka Langenbrinck sind an 36 Schulen die Positionen der Schulleitung unbesetzt – darunter 24 an Grundschulen. Wer denkt das seien hohe Zahlen, hat sich die ausbleibenden Stellen als Stellvertreter noch nicht angeschaut: Zurzeit fehlen 120 Konrektoren, 73 von ihnen an Grundschulen.

Woran kann es liegen, dass keiner mehr den Beruf des stellvertretenden Schulleiters ausüben will? Ein wesentliches Problem – vor allem an Berlins Grundschulen – ist der zu geringe Lohn. Im Vergleich zu einem „normalen“ Lehrergehalt, erhält der Konrektor nicht viel mehr Lohn. Während die Verantwortung steigt, scheint selbiges in Hinblick auf das Gehalt nicht zu gelten. Die Senatsverwaltung für Bildung ist allerdings bemüht dies zu ändern. Seit Anfang 2018 werden stellvertretende Schulleiter eine Gehaltsstufe höher angesiedelt.

Leitungspositionen in Schulen müssen wieder attraktiv werden

Viele Schulleiter und Vertreter beschwerten sich in der Vergangenheit über die wachsende Bürokratie und mangelnde Pädagogik, die mit der Leitungsposition einhergeht. Um den Beruf unabhängig von dem Gehalt wieder attraktiver zu machen, wurde bereits an 60 Berliner Schulen eine Verwaltungsleitung eingestellt. Rektoren und Konrektoren müssen sich in Zukunft weniger mit Bürokratie beschäftigen und können sich wieder mehr der pädagogischen Qualität widmen.

Auch das Bewerbungsverfahren soll schneller vonstattengehen. Eine Leitungsfunktion konnte bislang erst ausgeschrieben werden, wenn der Vorgänger die neue Stelle angetreten hatte. „Diese Vorgehensweise lässt Bildungssenatorin Scheeres derzeit ändern, indem wir Stellen für stellvertretende Schulleiterinnen und Schulleiter schon ausschreiben, obwohl die Stelleninhaber ihre neue Stelle noch nicht angetreten haben“, so Beate Schoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung.  Das Geschlecht spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle für das Ausbleiben der Bewerbungen. Der Anteil an Lehrerinnen überwiegt besonders an Grundschulen. Dadurch, dass mit einer Leitungsposition oft Stress und wenig Freizeit assoziiert wird, bewerben sich dementsprechend wenige Frauen für den Job. Um der Doppelbelastung durch Beruf und Familie gerecht zu werden, kann man auch als Schulleiterin in Teilzeit arbeiten. Die meisten wissen das aber nicht.

Wachdienst statt Konrektor

Das Paradebeispiel für eine missglückte stellvertretende Schulleitung ist wohl die Spreewald-Grundschule in Schöneberg. Seit 2014 wurde der Posten des stellvertretenden Schulleiters nicht mehr besetzt und das, obwohl die Stelle des Öfteren ausgeschrieben wurde. Auch die Tatsache, dass die Schulleitung seit  längerem um eine zusätzliche Sozialarbeiterin und Unterstützung bei der Festeinstellung des Konrektors gebeten hatte, schien die zuständigen Behörden wenig zu interessieren. Es wurde lediglich ab und an ein Lehrer für den Posten der stellvertretenden Schulleitung eingeteilt.

Generell leiden vor allem die Grundschulen in Brennpunkten unter fehlendem Schulpersonal. Doch genau da sind qualifizierte Fachkräfte besonders wichtig, um die Bildungsdefizite aus dem privaten Umfeld wieder auszugleichen. Dies kann aber nicht mit zu wenigem und dazu noch überfordertem Schulpersonal geschehen. Die Senatsverwaltung ist mit ihren Maßnahmen auf dem richtigen Weg, um die Posten in der Schulleitung nachhaltig attraktiv zu machen. (ls)

 

Franziska Giffey: „Nicht nur versorgen, sondern befähigen“

Der Bezirk Neukölln durchlebt zurzeit bewegende Zeiten des Wandels. Viele Jahre Inbegriff für die Anhäufung sozialer Probleme, für Integrationsprobleme und für eine geradezu magnetische Anziehungskraft für alle Arten alternativer Lebensweisen vollzieht sich langsam ein Imagewechsel. Wie weit diese Entwicklungen bereits vorangeschritten sind und wo auf dem Weg in die Zukunft sich der Bezirk befindet, darüber sprachen wir mit Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey.

Frau Giffey, jeder Berliner Bezirk hat seine Eigenarten. Was macht Neukölln besonders?

Neukölln ist vielleicht nicht der schönste, sicher aber der spannendste Bezirk Berlins. Zwei Entwicklungen laufen hier parallel: Auf der einen Seite haben wir einen sozialen Brennpunkt, mit 75.000 Kunden im Jobcenter und über 50 Prozent Schulkindern aus sozial schwachen Verhältnissen. Aber Neukölln ist auch im Trend, wir haben jährlich über 1.000 Neugründungen und immer mehr Künstler, Kreative und Studierende wollen hier leben. Das alles macht Neukölln zum Modellbezirk. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind auch in anderen Städten in Deutschland und Europa aktuell.

Welche sind die dringlichsten Aufgaben im Bezirk und wie sollen sie gelöst werden?

Unsere größte Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass Menschen für sich selbst sorgen können. Etwa Dreiviertel unseres Bezirksbudgets geben wir für Transferleistungen aus. Geld, das wir nicht für Investitionen, zum Beispiel in Bildung oder die Infrastruktur nutzen können. Teilweise bis zu 80 oder sogar 90 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler im Norden kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen. Deshalb mache ich mich für eine frühe Kinderbetreuung in guten Kitas stark und setze auf Ganztags- und Gemeinschaftsschulen und Campus- Modelle wie beim Campus Rütli und beim Campus Efeuweg. Bildung ist die beste Chance, den Hartz-IV-Kreislauf zu durchbrechen und Kindern den Weg zu ihrem Traumberuf zu ebnen.

Welche Chancen haben Integrationsmaßnahmen hinsichtlich der Tendenzen zur Ghettobildung und zur Entstehung von Parallelgesellschaften?

Wer eine gute Perspektive für sein Leben hat, zieht sich weniger wahrscheinlich in seine Community zurück. Also geht es darum, Aufstieg zu ermöglichen und wieder um die Themen Bildung und Teilhabe. Wer sich anstrengt, kann hier viel erreichen und den unterstützen wir dabei. Übrigens ist Bildung nicht nur ein Thema bei Kindern in der Schule. Unsere Stadtteilmütter beispielsweise helfen Müttern aus anderen Kulturkreisen und klären über Themen wie Erziehung, Gesundheit und Schule auf. Sie bauen Brücken, wie es kein Integrationsleitfaden leisten kann.

Welches soziale Projekt liegt Ihnen zurzeit besonders am Herzen?

Mir liegt der Neuköllner Schwimmbär sehr am Herzen. Das ist ein Wassergewöhnungsprojekt, das Zweitklässler auf den Schwimmunterricht in der dritten Klasse vorbereitet. Ausgangspunkt war, dass Neukölln vor drei Jahren die höchste Nichtschwimmerquote bei den Drittklässlern hatte. Inzwischen ist die Quote von 42 auf 21,8 Prozent gesunken. Das ist ein toller Erfolg, an den wir weiter anknüpfen wollen. Schwimmen ist eine Überlebenstechnik, die jeder beherrschen sollte.

Was gefällt Ihnen als Neuköllnerin an Ihrem Bezirk ganz besonders?

Mir gefällt, dass bei uns Dinge gehen, die nicht 08/15 sind, weil es Menschen gibt, die etwas verbessern wollen. Gutes Zusammenleben in der interkulturellen Großstadt kann gelingen, wenn wir Menschen nicht nur versorgen, sondern befähigen, gut für sich zu sorgen. (lj)

Rot-rot-grüner Senat investiert in Bildung, Mobilität und Co.

Auf den Landeshaushalt, der am 14. Dezember für die kommenden zwei Jahre beschlossen wird, legt der rot-rot-grüne Senat noch einmal 460 Millionen Euro drauf. Im letzten Jahr betrug der Landeshaushalt 25 Milliarden Euro und in diesem Jahr sogar 26 Milliarden Euro. Allein für Bildung, Mobilität und die Bekämpfung von Armut sieht der Berliner Senat im Doppelhaushalt 2018/2019 zusätzliche Mittel in Höhe von 150 Millionen vor. Dieses Konzept stellten gestern die SPD, Die Linke und das Bündnis 90/Die Grünen gemeinsam vor.

Berlin möchte Bildung mehr fördern

Marode Schulgebäude, wenige Schulplätze und fehlende Lehrkräfte – das ist leider die Realität an den Schulen der Hauptstadt. Um gegenzusteuern, leitete das Land Berlin Anfang dieses Jahres schon die ersten Maßnahmen ein: Durch eine digitale Schulplatzvergabe wurden bereits einige Bezirke entlastet. Neue Schulen und umfangreiche Schulsanierungen wurden ebenfalls vom Senat auf den Weg gebracht. Nun fördert der rot-rot-grüne Senat langfristig die Berliner Bildung mit einer Millioneninvestition. Es mangelt vor allem an Lehrkräften, insbesondere im Grundschulbereich. Um der Abwanderung von Lehramtsstudenten und Lehrkräften aus der Hauptstadt vorzubeugen, müssen auch die Gehälter angepasst werden. Im bundesweiten Ranking der Einstiegsgehälter von Lehrern sind die Berliner Besoldungsgruppen A 12 und A 13 auf dem vorletzten Platz. Durch die zusätzlichen Mittel sollen nun schneller die Gehälter von erfahrenen Grundschullehrern erhöht werden können, um sie so auch langfristig binden zu können. Außerdem soll ein Qualitätspaket für Quereinsteiger finanziell unterstützt werden. Um die Lehrqualität an Berliner Schulen zu verbessern, sollen zudem Quereinsteiger durch einen vierwöchiger Crashkurs besser auf ihre Lehrtätigkeit vorbereitet werden.

Finanzspritze für die Mobilität

Vor allem Schüler und Auszubildende werden von der Förderung im Mobilitätsbereich profitieren. Geplant sind Ausgaben von 250 Millionen pro Jahr für kostenlose Schüler- und Azubitickets. Weitere Gelder werden in den Ausbau der Tramstrecken, der Sanierung von Gehwegen sowie in den Kauf von E-Bussen fließen, um das Berliner Mobilitätsnetz weiter auszubauen. Zusätzlich werden dem Projekt „InklusionsTaxi“ finanzielle Mittel zugutekommen. Zukünftig benötigt die Hauptstadt außerdem kreative Mobilitätsideen, um beispielsweise die Verkehrssicherheit mit neuen Technologien zu optimieren. Aus diesem Grund richtet der Doppelhaushalt 2018/2019 eigens dafür einen Fördertopf ein. Die Höhe der Fördergelder wird erst mit dem Beschluss des Landeshaushaltes am 14. Dezember bekannt gegeben.

Bekämpfung von Armut ist notwendig

Auch in die Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit wird der Berliner Senat in den kommenden Jahren investieren. So soll das Sozialticket der BVG, S-Bahn und DB Regio zukünftig nicht mehr nur Beziehern von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter sowie von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zustehen, sondern auch Wohngeldbeziehern und Bürgern, die eine DDR-Opferrente beziehen. Ebenso laufen bereits Verhandlungen, um für Jobtickets günstigere Konditionen auszuhandeln. Des Weiteren sind 500 zusätzliche Plätze in den Notquartieren der Berliner Kältehilfe geplant. Diese sollen Obdachlosen zukünftig länger – von Oktober bis April – zur Verfügung stehen. Um Obdachlosigkeit schon frühzeitig zu bekämpfen, fördert der Senat zukünftig Modellprojekte, wie die Bahnhofsmission sowie Beratungen mit Schulden- und Insolvenzberatern. (red)

Teilnahmerekord beim Science4Life Businessplan-Wettbewerb

40 Prozent mehr Einreichungen: Der Science4Life Venture Cup startet mit 114 Geschäftsideen aus den Bereichen Life Sciences, Chemie und Energie ins 20. Jubiläumsjahr. Die Gewinnerteams überzeugten mit innovativen Ideen gegen Krebs, Nervenkrankheiten sowie neuen Denkweisen im Energie-Bereich und erhielten ein Preisgeld von acht Mal 500 Euro.

So viele Einreichungen gab es noch nie beim Science4Life Venture Cup: Die Experten überprüften das Marktpotenzial von insgesamt 114 Ideen – eine Steigerung von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Bereiche Medizintechnik und Pharma waren dieses Jahr besonders stark vertreten. Dicht gefolgt von Energienutzung und Umwelttechnologie. Sponsoren des Businessplan-Wettbewerbs sind die Hessische Landesregierung und das Gesundheitsunternehmen Sanofi. „Bekämpfung von Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs, Möglichkeiten im Bereich der alternativen Energien oder umweltpolitische Ideen wie die Fischwanderhilfe – wir freuen uns über die erstaunliche Themenvielfalt der Einreichungen“, erklärt Dr. Karl-Heinz Baringhaus, der administrative Leiter für Forschung und Entwicklung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH und Geschäftsführender Vorstand von Science4Life. Auch Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der hessischen Wirtschaftsfördergesellschaft Hessen Trade & Invest und Geschäftsführender Vorstand von Science4Life, zeigte sich beeindruckt von den vielen Einreichungen in diesem Jahr: „Der Teilnahmerekord zeigt deutlich, wie wichtig der Science4Life Venture Cup für Gründer in Deutschland ist und dass neben Life Sciences und Chemie auch die Gründerszene im Bereich Energie immer stärker wird.“ Die besten fünf Teams erhielten jeweils 500 Euro Preisgeld. Die drei Gewinner im Bereich Energie wurden zusätzlich mit einem Spezialpreis von je 500 Euro ausgezeichnet. Mit der Prämierung der Ideenphase startete auch die Bewerbungsfrist für die Konzeptphase am 12. Januar 2018.

Innovationen gegen Alzheimer, Multiple Sklerose und Krebs

Die Priavoid GmbH aus Jülich in Nordrhein-Westfalen hat es sich zum Ziel gesetzt, Alzheimer durch eine neue Behandlungsstrategie mit ihrem Wirkstoffkandidaten zu bekämpfen. Breeze Technolologies aus Hamburg hilft Städten und Unternehmen eine lebenswertere Umwelt zu schaffen, in dem sie aus Umweltdaten, wie der aktuellen Luftqualität, Handlungsempfehlungen generieren. Damit beispielsweise bei Erkrankungen des Zentralnervensystems, wie kindliche Hirntumore, Medikamente in bestimmten Regionen des Gehirns wirken können, müssen sie die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, überwinden. Mithilfe des Modells von DYNELAB aus München soll schon in einem frühen Stadium erkannt werden, ob dies der zu entwickelnde Wirkstoff schafft. PhantomX aus Berlin haben dem Krebs den Kampf angesagt: Ziel ist, den Tumor durch patentindividuelle Prüfkörper besser kontrollieren zu können sowie die Überlebenschancen zu erhöhen und Nebenwirkungen zu verringern. AeroFib aus Aachen stellen ultraleichte Fasern für die Wärmeisolation in der Mobilitätsbranche her, wodurch in Zukunft massiv an Gewicht bei Autos, Raketen und Flugzeugen eingespart werden kann. Mit dieser Idee gewann das Team gleich doppelt, denn Start-ups auf dem Energie-Bereich können beim Science4Life Venture Cup zusätzliche Spezialpreise gewinnen, die vom Land Hessen und der Viessmann Group gefördert werden. Flex4Energy aus Darmstadt haben einen skalierbaren, offenen Marktplatz mit regionalen Energieprodukten von Versorgung bis Netzdienstleistung entwickelt. Eine Fischwanderhilfe, welche die Gewässerdurchgängigkeit einfach, schonend und kostengünstig wiederherstellt, sowie den Leitstrom energetisch nutzen kann, stammt von Fishcon aus Wien, dem dritten Gewinnerteam im Bereich Energie. „Die vielen Ideen aus dem Energiebereich machen deutlich, wie wichtig die Gründungsförderung in der Energiebranche ist und welch große Rolle Science4Life dabei spielt“, sagt Fabian Stern, Head of Innovation Management bei Viessmann.

Start frei für die Konzeptphase: Aus Ideen werden Geschäftsmodelle

Der Science4Life Venture Cup besteht aus drei Phasen: Ideenphase, Konzeptphase und Businessplanphase. Teams können entweder alle Phasen durchlaufen oder sich nur für einzelne Phasen bewerben. In der nun folgenden Konzeptphase wird die Idee zu einem Geschäftskonzept weiterentwickelt. Dafür wird bis zum 12. Januar 2018 eine Darstellung des Geschäftsmodells, des Unternehmerteams und eine erste Markteinschätzung eingereicht. Die Teams der 20 besten Konzepte werden zu einem zweitägigen Intensiv-Workshop nach Berlin eingeladen. Hier steht jedem Gründerteam ein persönlicher Coach zur Verfügung, um das Konzept weiter zu verfeinern. Die besten zehn Teams werden bei der Konzeptprämierung am 13. März 2018 mit jeweils 1.000 Euro prämiert. Zusätzlich erhalten die zwei besten Geschäftskonzepte aus dem Bereich Energie einen Spezialpreis mit je 1.000 Euro Preisgeld. In der dritten Phase geht es dann richtig zur Sache, denn mit dem Ausformulieren des konkreten Businessplans legen die Start-ups den Grundstein für ihr Unternehmen. Während des gesamten Businessplan-Wettbewerbs können Gründerteams Preisgelder in Höhe von 82.000 Euro gewinnen.

Copyright: Science4Life e.V.

Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2017 ausgezeichnet

Für ihre besonders engagierte Nachwuchsförderung haben die Handwerkskammer Berlin und die IHK Berlin am Montagabend insgesamt 13 Berliner Ausbildungsbetriebe ausgezeichnet. Den Wettbewerb „Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2017“ in der Kategorie Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern gewann die B.I.N.S.S. GmbH. Bei den Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern siegte die Viellechner Dachdeckermeister GmbH, in der Kategorie „Junge Unternehmen/Start Ups“ die Firma f3 Event. Der Sonderpreis für innovatives Azubimarketing ging an die BVG. Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, eröffnete die Preisverleihung.

Mehr als 70 Ausbildungsbetriebe haben sich beworben

Die Gewinner-Betriebe hatte die Jury aus mehr als 70 Bewerbungen und Vorschlägen ausgewählt. Die Unternehmen hatten dazu im Vorfeld einen Fragebogen mit insgesamt 30 Kriterien rund um die betriebseigenen Maßnahmen zur Ausbildung ausgefüllt. Abgefragt wurde zum Beispiel, ob das Unternehmen Teilzeitmodelle auch für Azubis ermöglicht, Geflüchtete einstellt oder Nachhilfe für leistungsschwache Jugendliche anbietet.

Gewinner bieten innovative Lernangebote und Zusammenarbeit mit Schulen

Die B.I.N.S.S. GmbH, der Siegerbetrieb in der Kategorie mehr als 50 Mitarbeitern, punktete bei der Jury u.a. mit seinen innovativen Lernangeboten. So hat das Unternehmen für Sicherheitstechnik eine eigene Lehrwerkstatt. Vor allem jedoch lobte die Jury den Einsatz bei der Nachwuchsgewinnung etwa mit Schulpartnerschaften, Azubi-Casting, Ausbildungsmessen und gezieltem Anwerben von Studienabbrechern.

Auch der Sieger bei den Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern geht neue Wege, um motivierten Nachwuchs zu finden und zu halten. Die Viellechner Dachdeckermeister GmbH setzt z.B. auf die Zusammenarbeit mit Schulen und schickt seine Azubis als Ausbildungsbotschafter in die Klassen. Mit Leistungsprämien, Zuschüssen für den Führerschein und Sponsoring von Kletterwochen wird der Nachwuchs für gute Mitarbeit belohnt und motiviert.

Die f3 Event GmbH als Sieger bei den Jungen Unternehmen und Start Ups überzeugte die Jury u.a. durch das umfangreiche Angebot an kostenfreien Schulungen und Fortbildungen für Auszubildende sowie die speziellen Azubi-Projekte.

BVG setzt auf Azubimarketing

Die Jury hat auch in diesem Jahr einen Sonderpreis verliehen. In diesem Jahr wurden die Berliner Verkehrsbetriebe für besonders innovatives Azubimarketing vor allem in den sozialen Medien und auf Youtube ausgezeichnet.

Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales: “Es ist inzwischen eine gute Tradition, Unternehmen in Berlin für ihre Ausbildungsleistungen zu ehren. Sehr gern habe ich als Jurymitglied bei der schwierigen Entscheidung um die besten Ausbildungsbetriebe mitgewirkt. Zweifellos ist die Berufsausbildung in den vergangenen Jahren noch anspruchsvoller geworden, beispielsweise durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt. Für die Auszubildenden, aber auch für die Unternehmen und die Ausbilder in Betrieb und Berufsschule ist das eine große Herausforderung. Dass sie hervorragend gemeistert werden kann, haben die heute Auszuzeichnenden bewiesen. Ich möchte daher alle Berliner Unternehmen ermutigen: Bilden Sie aus! Es lohnt sich, den Fachkräftenachwuchs im eigenen Betrieb zu qualifizieren. Das Land Berlin unterstützt die betriebliche Ausbildung insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen. Dazu haben wir mit einer neu gefassten Richtlinienförderung den Zugang zur Verbundausbildung erleichtert und die Förderung von Geflüchteten verstärkt.“

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin: „Die Unternehmen in so ziemlich allen Branchen suchen guten betrieblichen Nachwuchs. Es wird aber immer schwieriger, passende Azubis zu finden. Zum Glück haben wir in Berlin Tausende Unternehmen, die gut und erfolgreich ausbilden. Viele Betriebe bieten ihren Azubis weit mehr als die vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte an. Sie sind ein Vorbild an Engagement und Kreativität – und das wollen wir mit der Auszeichnung öffentlich machen und zur Nachahmung anregen

Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin: „Unsere Gewinner zeigen exemplarisch, wie kreativ und vorausschauend Berliner Firmen um Fachkräftenachwuchs werben. Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Jugendliche in der Orientierungsphase gar nicht wissen, wie viele Vorteile eine duale Ausbildung für den weiteren Lebensweg mit sich bringt. Je früher und direkter Jugendliche mit den Betrieben in Kontakt kommen und ganz praktisch sehen, wie lohnend eine duale Ausbildung ist, umso besser.“

Insgesamt können sich ab sofort 13 Betriebe zu „Berlins besten Ausbildungsbetrieben 2017“ zählen. Alle ausgezeichneten Unternehmen haben durch ihr vielfältiges Engagement in der Berufsausbildung überzeugt. (red)

 

Ein Silicon Valley wie in den USA – nur eben in Berlin

Berlin floriert als deutsche Start-up-Hauptstadt. Und auch zahlreiche Unternehmen sowie Verbände der Technologiebranche haben ihren Hauptsitz in Berlin. Nun sollen diese nach dem Vorbild des US-amerikanischen Silicon Valley zusammengebracht werden: Europas größten Hubs für Finanztechnologie („FinTech“) und das Internet der Dinge („IoT“), in denen etablierte Unternehmen, Gründer und Wissenschaftler ihre Kompetenzen zur Entwicklung neuer Geschäftsfelder zusammenbringen können, entstehen in Berlin.

Die Idee der Digital Hubs

Grundidee der Digital Hub Initiative ist es, dass die Zusammenarbeit von Start-ups, etablierter Wirtschaft und Wissenschaft auch im digitalen Zeitalter besonders gut auf engem Raum funktioniert und dabei Innovationen fördert. Einige dynamische digitale Hubs sind in den letzten Jahren bereits entstanden oder aktuell im Entstehen. In diesen vernetzen sich Start-ups und junge Gründer, kooperieren und stärken sich gegenseitig. Start-ups können von den Erfahrungen und Netzwerken der großen Unternehmen lernen und sich besser positionieren. Die Initiative setzt genau hier an: Deutschlands Stärken als führende Industrienation mit vorhandenem, qualitativ hochwertigem Know-how sollen hervorgehoben und Deutschland so zu einer Alternative für Gründer, Investoren und Fachkräfte aus aller Welt werden lassen.

Der Berliner Standort

Ramona Pop, Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe stellte am 18. September 2017 die beiden Hub-Standorte und die Aktivitäten des „DigiHub“ Berlins auf dem Berliner Gründercampus Factory vor. Das Konsortium aus Factory, FinLeap, Next Big Thing und Fraunhofer Leistungszentrum Digitale Vernetzung wurde im Rahmen eines Wettbewerbs zur Repräsentation des DigiHubs „IoT“ und „FinTech“ ernannt. Die Beteiligten verfügen über große Fachexpertise. Ihre Wirkung strahlt weit über Berlin hinaus aus.

Beide Hubs stärken Berlin als „IoT“- und „FinTech“-Standort im Rahmen der Hub-Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. An den Hub-Standorten im Ost- und Westteil Berlins sollen Start-ups, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und etablierte Mittelständer wie im Silicon Valley an digitalen Leuchtturmprojekten für Berlin arbeiten. (red)

Bargeld: Viele Menschen wollen nicht darauf verzichten

Die Hauptstadt wird immer schneller, immer digitaler, immer neuer. Alles ist im Umbruch. Wirklich alles? Wir haben mit Finanzsenator Kollatz-Ahnen (SPD) darüber gesprochen, was mit unserem guten, alten Bargeld passieren wird.

Herr Senator, braucht eine Metropole wie Berlin noch Bargeldverkehr?

Ja. Allerdings ist das keine Frage der Notwendigkeit. Bargeld ist nach wie vor ein sehr beliebtes Zahlungsmittel in Deutschland. Viele Menschen wollen nicht darauf verzichten. Daher wird man sich in Berlin auch weiterhin zwischen Bar- und Kartenzahlung entscheiden können. Konkret geht es der Politik aber nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um Obergrenzen. Barzahlungen ab einer Höhe von 10.000 Euro sind ausweispflichtig und nicht mehr anonym möglich. Mit dieser Maßnahme werden Steuerhinterziehung und Geldwäsche bekämpft. Eine Herabsetzung dieser Obergrenze auf 5.000 Euro wäre sicherlich noch effektiver.

Ist es vorstellbar, dass Bargeld aus unserem Leben völlig verschwindet?

Ja, andere Länder sind Deutschland bereits voraus. Die schwedische Zentralbank hat beispielsweise konkrete Pläne für eine digitale Währung vorgestellt. Die Schweden tätigen schon heute fast alle Alltagsgeschäfte bargeldlos. Dem digitalen Zeitalter wird sich auch in Deutschland niemand verweigern können. Aber es ist eben auch eine Mentalitätsfrage. Für Deutschland gilt: Bargeld hat noch nicht ausgedient.

Wo liegen die Risiken, nur noch virtuell mit Geld umzugehen?

Diese Debatte ist ja alt. John Maynard Keynes schrieb bereits vor knapp 100 Jahren, dass die Abschaffung des Bargeldes das Risiko eines Geldmengenwachstums und damit die Gefahr von steigenden Preisen erhöhen würde. Banken könnten theoretisch unendlich viel Geld erschaffen. So wichtig die Steuerung der Geld- und Kreditmenge ist, sie hängt nur zum geringsten Teil vom Bargeld ab. Gehortetes Geld, das unter der Matratze liegt, verkleinert theoretisch das Kreditvolumen der Banken. Aber gerade die große Finanzkrise 2007 und in den Folgejahren hat gezeigt, dass das Kreditvolumen einer Volkswirtschaft eben nur noch lose mit den Ersparnissen verkoppelt ist. Daher ist es umso wichtiger, dass die Europäische Zentralbank das Ziel der Preisstabilität verfolgt, aber auch Kreditvolumen, Geldmenge und deren Umlaufgeschwindigkeit im Blick hat.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) kennt die Bargeldbedürfnisse der Berliner

Fallen mit weniger Barzahlungen nicht auch viele Jobs weg?

Diese Annahme ist sehr pauschal. Unterschiedliche Zahlungsmethoden im Einzelhandel sollten keine Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze haben – mit Ausnahme des zunehmenden Internethandels. Weniger zu bestellen und vor Ort einzukaufen, ist für den Einzelhandel sicherlich von Vorteil. Viel wichtiger ist mir als Finanzsenator allerdings die ordentliche Abrechnung und Versteuerung. Im Internet tummeln sich viele Firmen, die weder Steuernummern haben noch Steuern entrichten, also betrügen. Im Bargeldbereich geht es leider manchmal um Geldwäsche dessen, was nicht mit ehrlicher Arbeit erwirtschaftet wurde. Aus diesem Grund müssen wir noch enger mit anderen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um Bargeldgeschäfte stärker kontrollieren und Steuerhinterziehung oder Geldwäsche effektiver bekämpfen zu können. Davon profitieren am Arbeitsmarkt schließlich diejenigen, die sich an Recht und Gesetz halten. (aw)

 

Veranstaltungen

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