Stadtentwicklung in Berlin im Stocken

Berlin wächst unaufhaltsam. Der Wohnungsbau hingegen kommt nur langsam in Schwung. Laut Wohnungsbauprognose benötigt das Land Berlin bis 2030 weitere 194.000 Wohnungen zusätzlich, um der enormen Nachfrage gerecht zu werden. Das heißt, dass jährlich mindestens 14.000 Wohnungen entstehen müssten. Allerdings kam es in den letzten Jahren zu einem Wohnungsbaudefizit. Demnach besteht Nachholbedarf für 77.000 Wohnungen. Insgesamt müssten nun 20.000 Wohnungen jährlich entstehen, um das Defizit nach und nach abbauen zu können. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) äußerte sich gegenüber der Berliner Zeitung dennoch optimistisch: „Der Bau von 20.000 Wohnungen pro Jahr ist ein ehrgeiziges Ziel, aber es ist machbar, wenn alle Beteiligten mitziehen.“

Flughafenareal Tegel ist entscheidend

Dass das Flughafenareal Tegel nach dessen Schließung bebaut werden soll, hatte Katrin Lompscher schon mehrfach erwähnt. „Allein von der Entscheidung, ob der Flughafen Tegel geschlossen wird, hängt der Bau von rund 25.000 Wohnungen ab“, so Lompscher im Interview mit der Berliner Zeitung. Der Volksentscheid am kommenden Sonntag über die Offenhaltung oder Schließung Tegels ist lediglich eine Bestandsaufnahme der Meinungen der Bevölkerung für die Regierung. Da der Entscheid nicht rechtsbindend ist und der Flughafen BER höchst wahrscheinlich nicht vor Herbst 2019 eröffnet wird, steht die Debatte eigentlich nicht mehr im Raum. Berlin, eine Hauptstadt ohne Flughafen ist nicht vorstellbar. Der Flughafen Schönefeld erfüllt nicht annähernd die geforderten Kapazitäten von mehr als 32 Millionen Fluggästen jährlich (Stand 2016) – Tendenz steigend. Tegel muss also noch mindestens solange offen bleiben, bis der BER eröffnet wird – jedoch dann sofort geschlossen werden. Denn laut dem Bundesamt für Flugsicherung (BAMF) gibt es keine genehmigten Flugrouten, die einen parallelen Betrieb des neuen Flughafens BER und des Flughafen Tegels zulassen würden. Flugrouten können zwar neu beantragt werden, dies ist aber ein langes und schwieriges Unterfangen.

Auf Wohnungen auf dem Flughafenareal Tegel müssen die Berliner also noch mindestens so lange warten, bis der BER eröffnet wird. Und selbst dann ist nicht gesagt, ob das Projekt sofort in die Tat umgesetzt wird. Abzuwarten bleibt also, ob das Flughafenareal jemals bebaut werden kann, ob der BER jemals eröffnet und ob sich die Parteien und die Regierung einig werden. Eine erste Prognose für die Zukunft Tegels könnte allerdings schon am Sonntag mit dem Volksentscheid vorliegen. (red)

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