Peter Buchner: „Mein Traum ist eine S-Bahn, die von den Berlinern geliebt wird“

Als die S-Bahn 1924 in Berlin den Betrieb aufnahm, war das eine Weltsensation. Nirgendwo sonst gab es ein ähnliches Nahverkehrskonzept, das vielen Großstädten fortan als Vorbild diente. Und heute? Wie haben sich die Leistungen und das Image der Berliner S-Bahn entwickelt? Wir hatten Gelegenheit, darüber mit Peter Buchner, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH, zu sprechen.

 

Peter Buchner | Foto: S-Bahn Berlin GmbH

Peter Buchner | Foto: S-Bahn Berlin GmbH

 

Herr Buchner, die Berliner S-Bahn hat eine große Geschichte. Wo steht sie heute?

Nach Faschismus, Krieg und Teilung hat die S-Bahn ihre Position als wichtigstes Nahverkehrsmittel der Region zurückgewonnen. Sie ist wieder das Rückgrat des ÖPNV in der Hauptstadt. Das freut uns, ist uns aber vor allem Verpflichtung. Unsere Aufgabe als Unternehmen ist es, die S-Bahn für unsere Fahrgäste pünktlich und komfortabel zu machen. Wir haben in den letzten Jahren bereits eine Menge Fahrgäste hinzugewonnen. Jetzt kommt es darauf an, die S-Bahn mit der wachsenden Stadt weiter zu entwickeln – das heißt Ausbau der Infrastruktur und mehr Fahrzeuge. Entscheidend ist dabei die Inbetriebnahme einer neuen Fahrzeuggeneration.

Wann wird das sein?

Am 1. Januar 2021 gehen die ersten zehn Vorserienfahrzeuge in den Fahrgastbetrieb und 2022/23 kommt dann die ganze Serie in schneller Abfolge auf die Gleise. Alles in allem waren es dann von der Auftragsvergabe im Dezember 2015 bis zur Fertigstellung sechs Jahre. So lange dauert es, einen völlig neuen Fahrzeugtyp zu entwickeln, zu zulassen und Probe zu fahren.

Wird dieser Zeitplan eingehalten?

Mit dem Konsortium Siemens/Stadler haben wir Partner, die sich schon lange mit dem Projekt beschäftigen und Lösungen entwickeln, die die Probleme der derzeitigen Baureihen vermeiden. Wir begleiten den Herstellungsprozess ganz eng und ich bin sicher, dass die Fahrzeuge rechtzeitig kommen und auch funktionieren.

Was ist neu an den Fahrzeugen?

Das kann ich hier gar nicht alles aufzählen – so viel ist neu. Das erste, was der Kunde merken wird, sind die klimatisierten Fahrgasträume. Das Allerwichtigste aber ist natürlich die Zuverlässigkeit im Betrieb. Die neuen Fahrzeuge werden deshalb sehr viel redundante Systeme haben, damit im Störungsfall der Zug weiterfahren kann.

 

Die 21 Zwei-Wagen-Triebzügen (Baureihe 483) und 85 Vier-Wagen-Triebzügen (Baureihe 484) werden Ende 2019 im Netz der Berliner S-Bahn erprobt | Foto: S-Bahn Berlin GmbH

Die 21 Zwei-Wagen-Triebzügen (Baureihe 483) und 85 Vier-Wagen-Triebzügen (Baureihe 484) werden Ende 2019 im Netz der Berliner S-Bahn erprobt | Foto: S-Bahn Berlin GmbH

 

Auch neue Fahrzeuge können nur bei intakter Infrastruktur rollen. Wie steht es damit?

Für die Infrastruktur sind die Kollegen von DB-Netz zuständig und die haben zum Glück seit einigen Jahr viel Geld zur Verfügung. Deshalb gibt es gegenwärtig so viele Baustellen und im Sommer werden es noch mehr sein. Viele Bauarbeiten bedeuten viele Beeinträchtigungen, was das Beispiel Ostkreuz über mehrere Jahre demonstrierte. Die Entbehrungen sind jedoch nicht umsonst, denn der Lohn ist ein besserer Zustand der Infrastruktur. Wichtig sind auch Investitionen in Werkstätten, für die wir selbst in den nächsten Jahren über 100 Millionen Euro investieren werden. Ausreichende Werkstattkapazitäten sind die Grundlage für einen pünktlichen Betrieb.

Eine Frage zur Politik: Wie sind die Beziehungen zwischen Senat und S-Bahn?

Der Senat ist unser Auftraggeber. Er äußert Kritik, wenn unsere Leistungen nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Das ist normal. Wir tun aber alles, den Senat immer wieder davon zu überzeugen, dass wir ungeachtet aktueller Schwierigkeiten insgesamt der beste Partner für Berlin sind. Dabei können wir als hundertprozentige Tochter eng mit vielen Experten innerhalb der Bahn zusammenarbeiten. Für die Bahn ist Berlin übrigens einer ihrer wichtigsten Standorte. Hier sitzt die Konzernleitung und hier befinden sich viele konzernweit tätige Einheiten wie das Buchhaltungszentrum der Bahn für ganz Deutschland – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Warum bekommen Bahn wie S-Bahn das Thema Kundeninformation nicht in den Griff?

Sie haben recht: Die Kundeninformation im Störungsfall ist eines unserer größten Probleme. Aufgrund der sehr engen Takte und vieler alternativer Möglichkeiten im Berliner Verkehrsnetz ist es eine riesige Herausforderung, den Kunden konkrete und hilfreiche Informationen zu geben. Den Kunden nur zu sagen: „Hier fährt gerade nichts.“ ist zu wenig. Wir müssen sie auch informieren, wann es voraussichtlich wieder weitergeht, welches Ersatzkonzept bis dahin gefahren wird und wie sie trotzdem an ihr Ziel kommen können. Neue Möglichkeiten wird uns auch hierbei die Digitalisierung eröffnen. Ich bin da optimistisch.

Was ist Ihr größter Wunsch als S-Bahn- Chef?

Mein Lieblingsthema – das haben Sie bestimmt festgestellt – sind die neuen Fahrzeuge. Wichtig sind mir ebenfalls Pünktlichkeit und Fahrzeugverfügbarkeit. Mein Traum aber ist eine S-Bahn, die pünktlich und zuverlässig fährt und von den Berlinern geliebt wird. (cr)

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