OSZ Handel I: Katastrophale Bauzustände sind die Ursache für schulfreie Tage

Fäkalwasser tropft in das Lüftungssystem – kein Spaß für Berliner SchülerInnen. Das Oberstufenzentrum Handel I in der Wrangelstraße in Kreuzberg, mit 220 Lehrern und rund 4700 Schülern bekannt als die größte Schule Berlins, schließt am Freitag und Montag.

Die Schließung erfolgt mangels Toiletten, da etwa 80% der Toiletten nicht mehr in Benutzung sind, aufgrund eines veralteten Abwassersystems aus den 70er Jahren und tropfendem Fäkalwasser. Die Notlösung besteht aus mobilen Ersatztoiletten. Am Donnerstag hat eine Begehung mit der Schulaufsicht und den Vertretern des Berliner Immobilienmanagement (BIM) stattgefunden, um die Notlage zu besprechen. Das Kollegium ist verärgert, da das Problem nicht erst seit gestern existiert. Der Schulleiter Klaus-Peter Scharke bestätigte dies: „Wir haben die BIM schon vor Jahren darauf hingewiesen.“

Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf rund 500.000 € und laut der BIM hätten sie zurzeit Dringenderes zu tun. Denn viele Berliner Schulen befinden sich bereits im Sanierungsstau. Die Schulen, für die die BIM zuständig ist, haben einen Sanierungsbedarf von etwa 320 Millionen €. Der Sanierungsbedarf für die allgemeinbildenden Schule liegt bei 4 Milliarden €. Summen, die den Senat schlucken lassen, es werde aber bereits über Beseitigungswege nachgedacht.

Dr. Marion Haß, Geschäftsführerin Wirtschaft & Politik der IHK Berlin äußerte sich ebenfalls zur Schließung des OSZ: „Die Schließung des OSZ Handel I zeigt, welchen Herausforderungen sich der Senat zur Sicherung der beruflichen Bildung stellen muss: Einerseits arbeiten wir auch in diesem Bereich an einer Digitalisierungsstrategie – was richtig ist. Anderseits können viele berufliche Schulen aufgrund des enormen Sanierungsstaus nicht einmal ihren Unterricht absichern. Heute wird wieder einmal deutlich, dass verschlafen wurde, die beruflichen Schulen zukunftsfest zu machen. Das liegt auch daran, dass die Zuständigkeiten in der beruflichen Bildung über mehrere Senatsverwaltungen verteilt sind und die Berufsschulen im Vergleich zur Allgemeinbildung zu lange stiefmütterlich behandelt wurden. Die Politik ist nun gefordert, nicht wieder so viel Zeit ins Land gehen zu lassen, sondern Soforthilfe zu leisten.“

Der BIM verkündete schließlich am 03.02. die Erneuerung der Schmutzwasserrohrleitungen. Einhergehend mit dem altbekanntem Satz: Dauer unklar. (saa)

Bildquelle: commons.wikimedia

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