Anti-Café Trend jetzt auch in Berlin

Cafés sind schon lange kein Ort mehr, an dem nur noch Kaffee und Kuchen verspeist wird – Sogenannte Anti-Cafés bieten einen Ort zur Arbeiten und als sozialen Treffpunkt

Auf einen Kaffee oder Tee in einem Café treffen und den neusten Klatsch mit der besten Freundin austauschen oder in der Mittagspause einen Snack zu sich nehmen– sehr beliebt, doch Cafés dienen auch noch zu anderen Zwecken. Den üblichen Arbeitsräumen entkommen und zum Lernen und Arbeiten eine neue Umgebung schaffen. Es ist schon Normalität, alleine im Café zu sitzen und sich bei einem heißen Getränk seiner Arbeit zu widmen.

Wenn da allerdings nicht die Bedienungen wären, die einem ihre Produkte wortwörtlich aufdringen möchten. Alle halbe Stunde wird nachgefragt, ob es denn noch ein Cappuccino sein darf. Wird verneint, so wird der Gast nur begrenzte Zeit geduldet. Jedoch wird er dann dazu aufgefordert die Location zu verlassen, um für die zahlenden Kunden Platz zu schaffen. Einfach nur dasitzen und sich seinen eigenen Dingen zuwenden – das geht nicht.

Geht sehr wohl! Finden die zwei Gründerinnen Louna Sbou und Nina Martin, die ganz nach dem Motto „Hier darfst du alles!“ ein sogenanntes Anti-Café gegründet haben. Das sich im Wedding befindende Café Be‘kech ist ausdrücklich ein Ort des kreativen Schaffens und Arbeitens und dient als sozialer Treffpunkt, ist also wie ein öffentliches Wohnzimmer. Gezahlt werden muss für nichts – außer die Zeit, die hier verbracht wird. Pro Minute werden fünf Cent verlangt, drei Euro die Stunde und ein ganzer Tag kostet maximal 15 Euro. Alles andere, wie W-Lan, Kaffee, Tee, Wasser und sogar vegan-vegetarischen Imbiss gibt es umsonst. Für Selbstversorger besteht die Möglichkeit, sein eigenes Essen mitzubringen und in einer Mikrowelle aufzuwärmen.

Das Anti-Café Konzept bietet sich als angenehmer Ort also zum Arbeiten und Kreativ-Sein an. Das einzige was zählt, ist die eigene Zeit. Lediglich beim Betreten des Cafés werden die Gäste dezent gestört, indem die Bedienungen die Ankunftszeit des Gastes auf einem kleinen Zettel notieren. Zeit ist eben kostbar.

Angefangen beim Namen, Be’kech, der aus den Herkunftsorten der beiden Frauen besteht. Nina Martin, die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, arbeitet als Designerin für soziale Projekte. Louna Sbou stammt Marrakesch in Marokko und arbeitet nun als Kulturmanagerin in Berlin. Die Inneneinrichtung besteht aus alten DDR-Tischen mit Holzstühlen und Stoffsesseln, die die Frauen auf einem Trödelmarkt erworben haben. Im Untergeschoss verbreiten die marokkanischen Stoffe und Lampen ein orientalisches Flair. Neben den üblichen Plätzen zum Arbeiten gibt es darüber hinaus auch Telefonkabinen und einen Arbeitsraum zum Mieten. Alles was der moderne Businessmensch von heute braucht!

Mit der Eröffnung dieses Cafés folgen die beiden Frauen einem weltweiten Trend, bei dem es nicht darum geht, einen möglichste großen Gewinn einzufahren, sondern seinen Kunden eine gemütliche Atmosphäre und einen sozialen Treffpunkt zu bieten. Vorreiter waren Cafés gleicher Art in Sankt Petersburg, Kiew, Manchester, Lyon oder London, das erste entstand bereits 2011 in Moskau. (fr)

(Fotonachweis: Facebook be’kech)

 

 

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