Mehr Mut im Wohnungsbau

Kommentar

Von Dr. Ingolf Neunübel

Die Warnsignale sind unüberhörbar: Dem Wohnungsbau in Berlin geht es nicht gut. Laut Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg sank die Zahl genehmigter Neubauwohnungen von Januar bis März dieses Jahres, also in nur drei Monaten um dramatische 8,5 Prozent. Das Ziel der rot-rot-grünen Koalition von jährlich 20.000 neuen Wohnungen nimmt damit utopische Züge an.

Es ist paradox: Statt mehr werden weniger dringend gebrauchte Wohnungen gebaut, die Suche nach bezahlbarem Wohnraum hat sich nicht nur in Citylagen zum Glücksspiel entwickelt, aus Angst vor exorbitant steigenden Mieten scheuen immer mehr Berliner einen Umzug.

Skeptiker scheinen recht zu behalten. Die Berliner Politik findet kein Konzept zur Lösung der Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Schon die Große Koalition hat vor den Herausforderungen kapituliert und auch Rot-Rot-Grün weist keinen Weg aus der Misere.

Trotzdem ist kein Platz zum Lamentieren. Vielmehr müssen die Ursachen dieser Entwicklung schnellstens analysiert und endlich wirkliche Lösungen eingeleitet werden. Das erwarten die Berlinerinnen und Berliner von der Politik. Der Verlautbarungen sind genug, wir wollen positive Veränderungen sehen.

Gefragt ist vor allem mehr Mut, neue Wege zu beschreiten. Ein weites Feld dafür bietet die bisher weitgehend fehlende Kooperation zwischen städtischen, genossenschaftlichen und privaten Wohnungsbaugesellschaften. Es wird viel davon geredet, aber Fortschritte sind kaum erkennbar. Anstatt die Probleme gemeinsam anzugehen, verschanzt man sich in ideologischen Schützengräben, und keiner wagt sich aus der Deckung.

Es ist die Aufgabe der Politik hier mutig voranzugehen, aber nicht nur verbal, sondern mit sichtbaren Schritten. Das Thema lässt sich beliebig drehen und wenden – entscheidend jedoch sind konkrete Maßnahmen. So muss es zum Beispiel nach dem Kooperationsvertrag zwischen Politik und den städtischen Wohnungsbaugesellschaften einen solchen auch mit willigen privaten Unternehmen geben. Zurzeit ist das Gegenteil der Fall: Aufgrund immer neuer Auflagen ziehen sich private Investoren eher vom Berliner Markt zurück als sich hier zu engagieren.

Wie gesagt: Möglichkeiten, in dieser Richtung voranzukommen gibt es viele. Jetzt kommt es darauf an, sich zu bewegen. Mut wird sich dabei auszahlen.

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