Mehr als nur ein Sportler – Heinrich Popow tanzt nach seinen eigenen Regeln

Die Enttäuschung war groß, nach der 9. Show hatte es sich bei Heinrich Popow aufgrund von Verletzungen ausgetanzt. Heute Abend findet endlich das große Finale von dem RTL TV-Tanzwettbewerb Let’s Dance statt. Mit von der Partie sind nicht nur die drei Final-Tanzpaare, sondern auch alle ausgeschiedenen Teilnehmer samt Profitänzer/in. Obwohl Heinrich bei der Pressekonferenz im Otto Bock Science Center am 2. Juni noch optimistisch klang, wird der Tanz heute Abend wohl ausbleiben. Dennoch hat es sich bei dem smarten Paralympikläufer noch lang nicht ausgetanzt. Das Let’s Dance Aus ist erst der Anfang. Neben seiner Sportlerkarriere ist der 33-Jährige auch Markenbotschafter von Otto Bock. In dieser Funktion engagiert und motiviert er andere Menschen mit Handicap.

Seine eigenen Tanzerfahrungen im TV haben einen tiefen Einblick bei Heinrich hinterlassen. Besonders stark war Popow im Contemporary, wo er eine beachtliche Punktzahl mit Tanzpartnerin Kathrin Menzinger erreichte. Tanzen wird auch weiter auf seinem Programm stehen, allerdings in anderer Weise als vermutet. Er könne sich durchaus vorstellen, Tanzen als Rehabilitationsmaßnahme aufzunehmen, sowohl in psychischer als auch physischer Hinsicht. Der therapeutische Nutzen sei auch ihm selbst zu Gute gekommen. Einige Einheiten des Tanztrainings hat der Sportler schon in sein eigenes Workout integriert. Bereits jetzt ist er gespannt, welchen Einfluss das auf seine sportliche Leistung haben wird.

Aber auch den Kontakt zu den Profis der RTL Tanzshow möchte der Sportler für die Arbeit an gemeinsamen Projekten weiter vertiefen. Vorstellen könnte er sich beispielsweise eine Zusammenarbeit mit Christina Luft. Die Profitänzerin hat nämlich einen Abschluss in Psychologie und ist derzeit eine der besten Tänzerinnen Deutschlands. Zusammen mit Popow und seiner Erfahrung in theoretischer und praktischer Hinsicht lässt sich bestimmt ein tolles Projekt, gerade auch in therapeutischer Hinsicht auf die Beine stellen. Aber auch eine Kooperation mit Christian Polanc wäre für Popow denkbar. Polanc betreut ein Programm mit dem Namen „danceit“. Dieses Tanzprogramm ließe sich bestimmt für Menschen mit Prothesen anpassen. Neue Möglichkeiten im Umgang mit der Prothese hatte Heinrich schon während des Trainings mit Kathrin Menzinger entdeckt. So habe diese beispielsweise mit der Fernbedienung, die er vorher kaum benutze, experimentiert. Durch die Fernbedienung lässt sich das vom Mikroprozessor gesteuerte Kniegelenk besser auf die gegebenen Umstände anpassen: zum Beispiel der Widerstand des Kniegelenks verändert werden.

Bald wird er auch wieder weltweit mit der Otto Bock Running Clinic unterwegs sein. Diesmal verschlägt es den engagierten Sportler nach Saudi-Arabien. Zuletzt war die Running Clinic vom 3.-5. März in Hongkong. Vermittelt werden, u.a. von Heinrich Popow, Tipps und Techniktricks rundum den Sport mit einer Prothese. Die werden auch von seinen neu gewonnen Erfahrungen im Tanzsport profitieren. Teilnehmen können nicht nur erfahrene Athleten, sondern auch Anfänger. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit Ottobock Produkte wie das Ottobock 3S80 Sportkniegelenk mit einem Techniker zu testen.

Seine aktive Sportlaufbahn dagegen wird wahrscheinlich im nächsten Jahr bei der EM in Berlin enden. Die WM 2017 in London steht eigentlich auch noch auf seinem Plan, ob er bis dahin gesundheitlich vollkommen genesen ist, bleibt weiterhin fraglich. Die nächsten im Sommer stattfindenden Paralympics in Japan 2020 möchte er auf jeden Fall als Zuschauer wahrnehmen.

Heinrich Popow findet Gefallen daran, mit dem 19 Jährigen Léon Schäfer zusammen zu trainieren. Seitdem sei dieser enorm aufgerückt, sagte der 33 Jährige. Besonders stolz war er, dass Léon Schäfer eine gute Zeit mit seinem Gesellenstück lief. Denn 2014 begann der Olympionike seine Ausbildung zum Orthopädietechniker in der Otto Bock HealthCare Deutschland GmbH an.

Eine sportliche Herausforderung möchte der beliebte Sportler noch angehen: einen Marathon. Die große Herausforderung wird die eigene Psyche werden, so der Sportler. Wo und wann das passieren wird, ist noch unklar, aber Heinrich Popow wäre nicht Heinrich Popow, wenn er halbe Sachen machen würde. Ganze 42km unter 8h, sagte er grinsend, bevor der Kehrwagen kommt.

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