Nils Busch-Petersen: Bargeld ist das effizienteste Zahlungsmittel überhaupt

Handelsverband Berlin-Brandenburg sieht der Entwicklung von FinTechs gelassen entgegen

Geld und Handel sind untrennbar miteinander verbunden. Darum haben wir für diese Ausgabe der BERLINboxx mit dem Fachmann für den Handel in Berlin gesprochen. Nils Busch-Petersen ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e.V. und weiß, wie wir am liebsten bezahlen.

 Herr Busch-Petersen, bezahlen Sie persönlich eher in bar oder mit Karte, und wenn mit Karte: Zahlen Sie eher mit der gewöhnlichen Bankkarte oder mit einer Kreditkarte? Wie ist aus Ihrer Sicht das Verhältnis der Verbraucher zur Kreditkarte?

Ich bin nach wie vor großer Freund der Barzahlung, wo immer es geht. Wenn es doch einmal sinnvoller ist, die Karte zu nutzen, dann greife ich eher zur Bankkarte als zur Kreditkarte. Die Kreditkarte verursacht für Händler relativ hohe Kosten und da muss ich mit meiner eigenen Klientel natürlich solidarisch sein.

Was das Verhältnis der Bevölkerung zur Kreditkarte angeht: Die Deutschen sind in Geldfragen sehr praktisch veranlagt. Ich glaube, dass sie auch relativ gute Instinkte haben, was die Risiken von Kreditkartenmechanismen angeht. Es passiert ja häufig, dass Kreditkartennutzer sich relativ leicht übernehmen und mehr ausgeben, als ihnen zur Verfügung steht, weil sie nicht daran denken, dass das alles am Anfang des nächsten Monats abgebucht wird. Da ist die Geldkarte einfach praktischer, weil ich sofort sehe, dass das Geld von meinem Konto herunter ist. Man behält einen deutlich besseren Überblick.

Wie steht der Verbraucher zum Bargeld? Fühlt man sich mit Bargeldreserven zu Hause sicherer?

Eine interessante Tatsache ist, dass es vom Verbraucher her überhaupt keine Initiative dafür gibt, sich gegen das Bargeld zu wenden. Es gibt ein verändertes Verbraucherverhalten, es wird mittlerweile natürlich mehr elektronisch gezahlt. An sich wird diese Debatte über Bargeld, seine Vor- und Nachteile, traditionell in Deutschland aber nicht vom Verbraucher geführt, sondern eher von der Politik und von den Banken. Die sehen natürlich große Einsparpotenziale darin, wenn sie weniger Bargeld-Handling haben.

Die Deutschen haben im letzten Jahrhundert so viele Krisen und Hyperinflationen mitbekommen, dass sie dadurch vielleicht eine besonders innige Beziehung zu gewissen Sicherheiten entwickelt haben. Es ist zwar aktuell natürlich keine Hyperinflation zu erwarten. Die Deutschen sind aber insgesamt recht vorsichtig, sodass viele über Reserven im Haus verfügen wollen. Sinnvoll ist das deswegen, weil im Falle eines Blackouts zum Beispiel natürlich auch die Geldautomaten nicht funktionieren, das Leben muss trotzdem weitergehen.

Gibt es konkrete Gefahren, wenn Bargeld abgeschafft werden würde?

Ich glaube schon. Bargeld ist das effizienteste Zahlungsmittel. Es ist ein Zahlungsmittel, das sofort Vertrauen schafft, weil ich im Gegensatz zu allen anderen Zahlungsverkehren nicht das Risiko habe, dass mein Gegenüber möglicherweise keine ausreichende Bonität hat oder dass sein Konto nicht gedeckt ist. Wenn in bar gezahlt wird, muss ich solche Dinge nicht prüfen, weil der Beweis, dass das Geld vorhanden ist, schon erbracht ist. Das macht ganz viele normale Bezahlvorgänge so einfach und transparent wie möglich. Man darf die Effizienz und Klarheit, die Bargeld mit sich bringt, nicht unterschätzen. Zahlungsbetrug wird mit Bargeld per se ausgeschlossen, mit der seltenen Ausnahme von Falschgeld natürlich.

Eine Zahlung in bar ist außerdem sicher. Wenn wir wieder über einen möglichen Blackout sprechen, funktionieren ja nicht nur die Geldautomaten nicht mehr, sondern auch die Computersysteme laufen nicht. Meine Überweisung wird nicht gelesen, es sei denn, jemand trägt das noch mit der Hand ein. Bares funktioniert einfach. Darum wird ja auch empfohlen, bestimmte Mengen an Bargeld in verschiedenen Stückelungen immer zur Verfügung zu haben.

Zudem ist durch Bargeld nicht jeder Zahlungsfluss durch Behörden oder andere Fremde einseh- und nachvollziehbar, was für ein freies Land natürlich wichtig ist. Wir haben in Deutschland im letzten Jahrhundert die Erfahrung machen müssen, dass auch auf demokratischem Wege zu undemokratischen Verhältnissen kommen kann. Diese Erfahrung machen wir heute in einigen europäischen Ländern auch wieder. Ich will dann einer Regierung, die mein gesamtes Zahlungsverhalten ganz genau kennt und analysieren kann, auf keinen Fall ausgesetzt sein.

Es gibt also eine ganze Menge an Argumenten für den Verbleib von Bargeld. Es gibt Kritik, dass Bargeld Kriminalität fördern könnte. Erleichtert Bargeld nicht Straftaten wie Geldwäsche?

Ich kann da nur für meinen Bereich sprechen, den Handel. Was die Geldwäsche im Handel angeht, kann ich klar sagen, dass Geldwäsche sich hier nicht lohnt. Die meisten Transaktionen, rund 85 Prozent, im Handel laufen im Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriehandel mit Durchschnittssummen von 12,00 bis 15,00 Euro. Da muss man ganz lange dran arbeiten, bis sich die Geldwäsche lohnt, das funktioniert einfach nicht.

Wird die Relevanz von Kryptowährungen als Ergänzung zum Bargeld in Zukunft steigen?

Das ist nicht auszuschließen, denn im Moment entwickelt sich alles in einem Tempo, in dem unmöglich vorherzusehen ist, was funktionieren wird und was nicht. Zurzeit spielen Kryptowährungen im Einzelhandel allerdings keine große Rolle.

In Zeiten der Digitalisierung entstehen in jeder Branche neue Dienstleistungen. Welche Rolle spielen Fintechs für den Handel in Berlin?

Der konkrete Nutzen der Fintechs ist vielleicht noch nicht für jeden erkennbar, aber wir selber erleben ja, dass Disruption auch im Handel stetig an Bedeutung gewinnt. Da werden sicherlich von den unzähligen Fintechs, die auf dem Markt sind, einige wenige bleiben, die dann auch Relevanz erlangen. Ich beobachte das aus dem Blickwinkel als Gremienmitglied einer regionalen Bank ziemlich genau. Es ist gar nicht so einfach, selbst für die Profis, die Übersicht zu behalten zwischen den vielen „Stars und Sternchen“, die plötzlich aufpoppen und zum Teil genauso schnell wieder verschwinden. Dass durch Fintechs Impulse für Innovationen gesetzt werden, die in der Lage sind, den Markt sehr zu verändern, ist nicht bestreitbar. Im Moment fühlt sich das allerdings noch an wie eine Nebelwand, vor der die meisten, selbst die Großen, noch stehen, ohne zu wissen wie und wo welche Elemente von Finanzinnovationen sinnvoll eingesetzt werden können. (aw)

 

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