Mittelständische Unternehmen trotz Social Entrepreneurship in Bedrängnis

Mittelständische Unternehmen haben den deutschen Arbeitsmarkt in den letzten Jahren extrem geprägt. Kleine Unternehmen und Selbstständige sind mit einer klaren Vorbildfunktion vorangegangen und haben gezeigt, dass sozial geprägte Wertvorstellungen keine Handelsbremse darstellen. Und doch halten große Unternehmen weiterhin an veralteten, starren Unternehmensstrukturen fest – und scheinen damit durchzukommen. Denn Mittelständische Unternehmen geraten zunehmend in Bedrängnis. In Zeiten von politischer Unentschlossenheit, die Fusionen von Riesenkonzernen wie Thyssenkrupp und Tata Steel ermöglichen, stellt sich die Frage, welche Rolle Social Entrepreneurship im deutschen Unternehmertum überhaupt noch spielt.

Florian Tanyildiz im Interview

Florian Tanyildiz, Autor und Landesvorsitzender bei DIE JUNGEN UNTERNEHMER in Berlin, erlebt täglich, wie sich der Umgang mit den deutschen Arbeitnehmern zunehmend verschlechtert. „Die letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig den Deutschen die soften Faktoren im Arbeitsalltag sind. Gerade die Generation Y fordert soziales Engagement in allen Bereichen. Die Flüchtlingskrise hat bewiesen, wie viele Menschen gerne helfen möchten. Für viele ist Gehalt allein deshalb schon lange kein Faktor mehr für Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Das innere Bedürfnis der Menschen etwas Nachhaltiges zu leisten steigt stetig – doch mit diesem Bedürfnis leider auch der Trend, dass soziale Arbeit zu Lasten von “Niedriglohnidealisten“ gestemmt werden muss.“ Die Taschen werden sich an anderer Stelle voll gemacht. Das beste Beispiel dafür sind Pflegeeinrichtungen. Bundesweit steigen die Nachfrage und Umsätze. Doch die Pflegefachkräfte profitieren am Wenigsten von dieser Entwicklung, dürfen sich aber auf die Schulter klopfen, weil sie Bedürftigen helfen.

Social Entrepreneurship fängt im Kleinen an

Kleine Unternehmen sollten sich jedoch nicht entmutigen lassen auch weiterhin soziales Engagement im eignen Umfeld zu verwirklichen. Dies fängt zum Beispiel bereits bei der Kinderbetreuung der eigenen Mitarbeiter an. Der Erfolg des deutschen Mittelstandes gründet sich eben auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit und ist Personen zu verdanken, die mehr als nur ökonomische Interessen verfolgen. Die Schere zwischen arm und reich wird breiter und die Mitte zunehmend vergessen. Das gilt nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Unternehmen in Deutschland. „Kleine Unternehmen werden nicht von Prozessanweisungen und Formblättern geleitet, die Chance liegt in der Kreativität und Produktivität eines motivierten Teams, das Berge versetzen kann“, so Tanyildiz.

Politik setzt erstes, wichtiges Zeichen 

Im Jahr 2016 wurde seitens der Politik das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz erlassen, das vor allem große Unternehmen dazu bringen soll, sich an wichtige Grundsätze des Social Entrepreneurships zu halten. Für Tanyildiz ein wichtiger erster Schritt, doch erst die Zukunft wird zeigen, inwieweit sich die Unternehmen tatsächlich daran halten. Er selbst ist von der freien Marktwirtschaft überzeugt. „Man muss aber anerkennen, dass die bisherigen politischen Bemühungen, Großkonzerne dazu zu bringen angemessene Steuern zu zahlen, gescheitert sind. Das hat verschiedenste Gründe, aber unterm Strich fühlen sich rechtschaffene Mittelständler längst abgehängt. Wir erbringen und versteuern unsere Leistungen vor Ort. Jeder Vorstoß, dieses Grundprinzip endlich auch bei den Großkonzernen durchzusetzen, ist zu begrüßen.“

Social Entrepreneure weisen also auch weiterhin den Weg in die Zukunft. Das von der Familie Tanydiliz geführte Ausbildungszentrum OTA geht dabei mit gutem Beispiel voran. In dem Familienunternehmen Bildung werden benachteiligte Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf in Berufsorientierungs-, Berufsvorbereitungs- und Berufsausbildungsmaßnahmen in gewerblich-technischen, kaufmännischen und Berufen im Dienstleistungsbereich ausgebildet. Wer sich also eine Veränderung in der Gesellschaft wünscht, darf dabei nicht auf die Politik als einen der Hoffnungsträger setzen. Sondern ein jeder selbst muss für die Verbesserung einstehen, die er sich erhofft. (red)

 

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