Bargeld: Viele Menschen wollen nicht darauf verzichten

Die Hauptstadt wird immer schneller, immer digitaler, immer neuer. Alles ist im Umbruch. Wirklich alles? Wir haben mit Finanzsenator Kollatz-Ahnen (SPD) darüber gesprochen, was mit unserem guten, alten Bargeld passieren wird.

Herr Senator, braucht eine Metropole wie Berlin noch Bargeldverkehr?

Ja. Allerdings ist das keine Frage der Notwendigkeit. Bargeld ist nach wie vor ein sehr beliebtes Zahlungsmittel in Deutschland. Viele Menschen wollen nicht darauf verzichten. Daher wird man sich in Berlin auch weiterhin zwischen Bar- und Kartenzahlung entscheiden können. Konkret geht es der Politik aber nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um Obergrenzen. Barzahlungen ab einer Höhe von 10.000 Euro sind ausweispflichtig und nicht mehr anonym möglich. Mit dieser Maßnahme werden Steuerhinterziehung und Geldwäsche bekämpft. Eine Herabsetzung dieser Obergrenze auf 5.000 Euro wäre sicherlich noch effektiver.

Ist es vorstellbar, dass Bargeld aus unserem Leben völlig verschwindet?

Ja, andere Länder sind Deutschland bereits voraus. Die schwedische Zentralbank hat beispielsweise konkrete Pläne für eine digitale Währung vorgestellt. Die Schweden tätigen schon heute fast alle Alltagsgeschäfte bargeldlos. Dem digitalen Zeitalter wird sich auch in Deutschland niemand verweigern können. Aber es ist eben auch eine Mentalitätsfrage. Für Deutschland gilt: Bargeld hat noch nicht ausgedient.

Wo liegen die Risiken, nur noch virtuell mit Geld umzugehen?

Diese Debatte ist ja alt. John Maynard Keynes schrieb bereits vor knapp 100 Jahren, dass die Abschaffung des Bargeldes das Risiko eines Geldmengenwachstums und damit die Gefahr von steigenden Preisen erhöhen würde. Banken könnten theoretisch unendlich viel Geld erschaffen. So wichtig die Steuerung der Geld- und Kreditmenge ist, sie hängt nur zum geringsten Teil vom Bargeld ab. Gehortetes Geld, das unter der Matratze liegt, verkleinert theoretisch das Kreditvolumen der Banken. Aber gerade die große Finanzkrise 2007 und in den Folgejahren hat gezeigt, dass das Kreditvolumen einer Volkswirtschaft eben nur noch lose mit den Ersparnissen verkoppelt ist. Daher ist es umso wichtiger, dass die Europäische Zentralbank das Ziel der Preisstabilität verfolgt, aber auch Kreditvolumen, Geldmenge und deren Umlaufgeschwindigkeit im Blick hat.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) kennt die Bargeldbedürfnisse der Berliner

Fallen mit weniger Barzahlungen nicht auch viele Jobs weg?

Diese Annahme ist sehr pauschal. Unterschiedliche Zahlungsmethoden im Einzelhandel sollten keine Auswirkungen auf die Anzahl der Arbeitsplätze haben – mit Ausnahme des zunehmenden Internethandels. Weniger zu bestellen und vor Ort einzukaufen, ist für den Einzelhandel sicherlich von Vorteil. Viel wichtiger ist mir als Finanzsenator allerdings die ordentliche Abrechnung und Versteuerung. Im Internet tummeln sich viele Firmen, die weder Steuernummern haben noch Steuern entrichten, also betrügen. Im Bargeldbereich geht es leider manchmal um Geldwäsche dessen, was nicht mit ehrlicher Arbeit erwirtschaftet wurde. Aus diesem Grund müssen wir noch enger mit anderen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um Bargeldgeschäfte stärker kontrollieren und Steuerhinterziehung oder Geldwäsche effektiver bekämpfen zu können. Davon profitieren am Arbeitsmarkt schließlich diejenigen, die sich an Recht und Gesetz halten. (aw)

 

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