IHK-Kriminalbarometer: Hohe Dunkelziffer und zunehmend digitale Verbrechen

Unternehmen sehen aktuell die Kriminalität als wichtigstes gesellschaftliches Problem in Berlin und Brandenburg – noch vor dem Fachkräftemangel. Vor allem die Internetkriminalität wächst überproportional. Dabei werden zwei Drittel aller Diebstähle und neun von zehn Hackerangriffen auf Unternehmen in Berlin und Brandenburg nicht angezeigt. Das steht im aktuellen Kriminalitätsbarometer der IHKs in Berlin und Brandenburg.

„Die Digitalisierung des Verbrechens ist eingetreten“, sagt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg, bei der Vorstellung des aktuellen Kriminalitätsbarometers. „Unternehmen sind jetzt an zwei Orten von Kriminellen bedroht: in ihren Betrieben und im Internet. Während in der analogen Welt vor allem Diebe, Einbrecher und Randalierer Beute machen oder Schaden anrichten, verursachen im Netz die Hacker das Chaos und erpressen Geld.“

Hackerangriffe sind die einzigen Straftaten mit, teilweise enormen, Zuwächsen. Davon betroffen sind vor allem Dienstleister (34,6 Prozent) und Industriebetriebe (24 Prozent). Etwa ein Fünftel der Gesamtschäden durch Kriminalität sind auf Angriffe aus dem Internet zurückzuführen. Klassische Straftaten wie Sachbeschädigung und Diebstahl verharren auf hohem Niveau.

Dabei werden gar nicht alle Straftaten der Polizei gemeldet. Im Kriminalitätsbarometer geben Firmenchefs nun auch Delikte an, die nie zur Anzeige kamen. An häufigsten werden noch Einbruchdiebstähle (54 Prozent) angezeigt. Doch auch hier ist ein Rückgang um 6,3 Prozent im Vergleich zu 2014 zu verzeichnen. Allerdings werden zwei Drittel aller Diebstähle und 90 Prozent der  Hackerangriffe gar nicht gemeldet.

„Das Nicht-Anzeigen von Straftaten kann verschiedene Ursachen haben“, sagt Thomas Herrschelmann vom Arbeitskreis Unternehmenssicherheit Brandenburg (AKUS). „Sie könnten in der Schadenshöhe liegen, am Zweifel der Aufklärungswahrscheinlichkeit, im Vertrauen in Polizei und Staatsanwaltschaft oder in den Versicherungsbedingungen.“

Die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen zeigt sich auch bei der Antwort auf die Frage: „Für wie bedrohlich halten Sie folgende Entwicklung bzw. Zustände?“ Hier schätzen die befragten Unternehmen die Entwicklung der Kriminalität am bedrohlichsten ein, gefolgt vom Fachkräftemangel, der Energieversorgung und der Sicherheitslage in Deutschland.

Das Kriminalitätsbarometer zeigt Ergebnisse aus den Antworten von knapp 1.700 Unternehmerinnen und Unternehmern in Berlin und Brandenburg. Die Angaben wurden auch nach Metropolraum und Grenzgemeinden ausgewertet. Sicherheit ist ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb haben die IHKs in Berlin und Brandenburg ihre Unternehmerinnen und Unternehmer zur Kriminalität befragt. (red)

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