Giftgasangriffe in Syrien töten zahlreiche Menschen

Wenn rote Linien keine mehr sind! Nun muss es endlich wirksame Konsequenzen geben.

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Mindestens 72 Menschen, darunter 20 Kinder, starben bei einem Luftschlag der syrischen Armee. Hunderte wurden verletzt. Augenzeugen berichteten, dass am Dienstagmorgen Giftgasbomben über der Stadt Chan Scheichun in der Provinz Idlib abgeworfen worden waren.

Russland präsentiert seine Version

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Mittwoch mit, dass die syrische Luftwaffe ein großes Lager der Terroristen bombardiert habe, in dem Giftstoffe gelagert gewesen seien. Damit vertritt der Kreml auch die offizielle Verlautbarung der syrischen Regierung. Augenzeugen berichten jedoch, dass Bomben mit Giftgas über Chan Scheichun abgeworfen worden sind, außerdem zeigen Fotos Krater von eingeschlagenen Bomben auf den Straßen.

Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem der Giftgasangriff verurteilt und rasche Aufklärung gefordert wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte „den offensichtlichen C-Waffenangriff”. „Solche Kriegsverbrechen müssen bestraft werden”, zitierte Regierungssprecher Steffen Seibert die Kanzlerin auf Twitter.

Außenminister Sigmar Gabriel erklärte, man setze darauf, dass der UN-Sicherheitsrat eindeutig Stellung beziehe: „Wer die Verantwortung für solche Taten auf sich lädt, muss wissen, dass er früher oder später dafür zur Rechenschaft gezogen wird.”

Diese Reaktionen der Weltöffentlichkeit sind nutzlos und dürften bei Assad und Putin nicht mehr als ein Achselzucken bewirken.

Welche Konsequenzen muss das Assad-Regime fürchten?

Keine. Der damalige US-Präsident Barack Obama hat Assad nach dem Giftgasangriff von Ghuta 2013 nicht nur davonkommen lassen. Er hat den Diktator sogar gestärkt. Obama hatte den Einsatz von Chemiewaffen vorher zu seiner „roten Linie“ in Syrien erklärt. Nachdem Assad diese folgenlos überquert hatte, war klar, dass es keine Intervention der USA gegen den Diktator geben würde.

Trotz gegenteiliger Beweise, hatte Damaskus den Besitz chemischer Kampfstoffe stets bestritten. Die Verantwortung für das Massaker von Ghuta leugnet der syrische Staatschef bis heute.

Uno-Ermittler haben jedoch nachgewiesen, dass das Assad-Regime zwischen April 2014 und Dezember 2016 mindestens vier Mal Chlorgas eingesetzt hat -in Aleppo sowie in mehreren Orten in der Provinz Idlib. Russland als Schutzmacht der syrischen Regierung verhindert jedoch eine Verurteilung durch den Uno-Sicherheitsrat.

Daran wird sich wohl auch jetzt nichts ändern. Die Regierung von Donald Trump hat deutlich gemacht, dass Assads Sturz für die USA keine Priorität mehr hat. Für die EU ist nur noch wichtig, dass nicht noch mehr syrische Flüchtlinge nach Europa kommen. Doch ist das einfach so weiterhin hinnehmbar? Wieso sind alle Mechanismen, die einst eingeführt wurden, um solche Massaker und Angriffe auf Zivilisten zu verhindern, vollkommen nutzlos?

Dieser Angriff muss Konsequenzen für Assad und Putin haben!

Es muss Schluss sein mit politischem Kalkül und dem schreckhaften Zurückzucken vor Assad und Putin. Seit bereits sieben Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien, zahllose unschuldige Menschen sind ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. Hunderttausende mussten das Land verlassen und sich auf eine gefahrvolle Flucht begeben. Der syrische Machthaber und der russische Präsident sind Verbrecher gegen die Menschheit und tanzen der Weltöffentlichkeit auf der Nase herum. Proteste und Verurteilungen gab es in der Vergangenheit viele, doch diese prallten immer wirkungslos ab.

Die Weltöffentlichkeit muss nun endlich aufstehen und gegen diese Jahrhundertverbrechen in Syrien vorgehen. Die Folge dürfen nicht wieder nur die üblichen und reflexhaften Aktionen sein, sondern es müssen nun endlich wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen werden, um dem Schlachten in Syrien Einhalt zu gebieten. Wir Deutschen haben leidvoll erfahren, wohin Tatenlosigkeit führt, wenn Diktatoren und Machthaber Freifahrtscheine für sich in Anspruch nehmen. Welches Beispiel gibt man solchen Verbrechern, wenn man selbst Assad einfach so davonkommen lässt? Was muss in Syrien noch alles passieren, bevor endlich effektive Gegenmaßnahmen ergriffen werden? Wir alle haben eine Verantwortung vor den Menschen und vor der Geschichte und können nicht weiter tatenlos bleiben.

Das Abschlachten von Zivilisten in Syrien muss ein Ende und nun endlich Konsequenzen haben.

 

 

Bildquelle: wikipedia.org Foto: Bernd Schwabe

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