EXPO REAL 2017: TRENDBAROMETER FÜR DIE IMMOBILIENBRANCHE

Die Gewerbemesse für nationale und internationale Immobilienfachleute und Investoren findet in diesem Jahr in München bereits zum zwanzigsten Mal statt und ist Pulsmesser für die gesamte Branche.

Die Immobilienwelt freut sich seit langem auf den Fixpunkt des Jahres, auf die wichtigsten Trends, auf das Netzwerken, möglicherweise bereits auf Geschäftsabschlüsse von zuvor eingeleiteten Projekten und auch auf Feiern unter Kollegen und Gleichgesinnten. Die Besucherzahlen in diesem Jahr haben schon einmal einen neuen Rekord aufgestellt: Mit über 2.000 Ausstellern aus 35 Ländern sind in diesem Jahr 13 Prozent mehr Unternehmen vertreten als im Vorjahr, 41.500 Besucher haben den Weg auf die Messe gefunden.

 

EXPO REAL 2017. ©: Wikipedia.org; ClaudiaMesse

Die EXPO REAL ist dabei nicht allein ein Forum, in dem das Motto „see and be seen“ gilt – sondern ein fest eingeplantes und wesentliches Arbeitsinstrument, ein Marktplatz, der Trends veranschaulicht, der das Zusammenkommen und das Networking ermöglicht und auch einen Wissenstransfer unter den Akteuren der Branche herstellt.

Stand Berlin Brandenburg. © Runze & Casper Werbeagentur GmbH

In den letzten Jahren sah sich die Immobilienbranche jedoch mit tiefgreifenden Änderungen konfrontiert. Die Projektvolumen sind hoch wie nie, die Investmentvolumina haben ungekannte Dimensionen erreicht und die Digitalisierung krempelt die ganze Branche um. Das Geld ist dank Niedrigzins billig zu haben – und das ist die conditio sine qua non der Immobilienwirtschaft.

Doch was sind die Trends 2017? Wohin wird die Reise gehen? Werden wieder Rekorde gebrochen? Geht die Reise irgendwann bergab? Oder bleibt alles beim Alten?

Diese Fragen sind von großer Bedeutung für die Messebesucher der EXPO REAL. Mehrere Themenkomplexe zeichnen sich als aktuelle Trends ab und geben wohl die Stoßrichtung für die Zukunft vor.

Trend 1: Die Digitalisierung. © pixabay

TREND #1 – DIE DIGITALISIERUNG

Auch in diesem Jahr prägt die Immobilienwelt kaum ein anderes Thema so stark wie die allgegenwärtige Digitalisierung. Genauso wie die Frage, was es mit dem Begriff eigentlich auf sich hat. Die Branche muss aufpassen, ihr Potenzial nicht zu verschenken, denn ausgerechnet bei den Themen Digitalisierung und Innovation – zwei Faktoren für zukünftiges Wachstum – sind immer noch wesentliche Defizite sichtbar. Dabei ist fast jeder Bereich der gesamten Wertschöpfungskette von der Digitalisierung betroffen – angefangen von der Gebäudetechnik, über Facility Management und den Maklerbereich bis hin zum milliardenschweren Investmentbereich. Die Kenntnisse innerhalb der Immobilienunternehmen in verschiedenen digitalen Themenfeldern weichen noch deutlich voneinander ab. Sei es im Bereich Big Data, Predictive Analytics, Blockchain, Sensorik, Mensch-Maschine-Schnittstellen oder Robotik – die Marktakteure müssen diese Themenfelder und die ihr zugrundeliegenden Anwendungen in ihr Unternehmen integrieren und ihre Prozesse entsprechend modifizieren. Basierend darauf müssen sie neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die beispielsweise eine Erhebung aller relevanten Gebäudedaten in Echtzeit ermöglichen. Digitale Alleinstellungsmerkmale zu gewinnen, das ist eine der wichtigsten Bedingungen für die Zukunftssicherheit des eigenen Unternehmens. Manche Teilbranchen dürften sich den kommenden Jahren immerhin von Grund auf verändern. Zum ersten Mal wird bei der Expo Real das Thema Start-ups und PropTechs in den Vordergrund gestellt. Laut aktuellen PropTech-Studien heißt der Top-Trend der kommenden Jahre ‚virtuelle Besichtigungen‘. Da wird auf der Messe sicher ein Vorgeschmack zu sehen sein.

Unternehmen wie die Berliner EichenGlobal, eine Tochter von Rubina Real Estate, befasst sich mit der Digitalisierung in der Immobilienbranche. „Gebäudetechnik ist nur eines der Felder in denen die Möglichkeiten der Digitalisierung deutlich sichtbar werden. Keyless entry, Smart pads für den Kontakt mit Verwaltung und Hausmeister, das alles gibt es schon und wird sich deutlich verstärken“, sagt Carsten Heinrich, Geschäftsführer von Rubina Real Estate und EichenGlobal. „Sehr spannend ist aber auch das digitale Bauen, das perspektivisch verspricht, günstiger und schneller bauen zu können.“

Viele Unternehmen, die in den Bereichen Facility-, Property- und Asset Management und Immobilienverwaltung tätig sind, haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt. Susanne Tattersall, geschäftsführende Gesellschafterin der Tattersall • Lorenz, Immobilienverwaltung- und management GmbH, weiß um die große Bedeutung der digitalen Möglichkeiten: „Durch die wachsende Digitalisierung lässt sich die Effizienz im Property Management deutlich erhöhen: Automatisierte Serviceprozesse bieten ein besseres Nutzenpotenzial für alle Beteiligten. Tattersall • Lorenz steht dem aufgeschlossen gegenüber und nutzt die Möglichkeiten bereits in vielen Bereichen. Hier auf der EXPO REAL werden wir sicherlich weitere Inspirationen gewinnen können.“

Trend 2: Wohnen © SANUS AG

TREND #2 – WOHNEN IST NACH WIE VOR MEGATHEMA

Das Thema Wohnen wird auf der Messe-Plattform als dauerhaft wichtiges Thema der Branche mit allen Aspekten wie zum Beispiel der Schaffung bezahlbaren Wohnraums bespielt. Denn die Zuwanderung bedeutet vor allem, dass es immer mehr Menschen in die wirtschaftlich blühenden Städte zieht und dort entsprechend Wohnraum benötigt wird.

Gewerbeimmobilien hingegen sind in den A-Cities mittlerweile rar. Besonders im Büro- oder Hotelsektor sind jüngst vor allem Forward-Deals vorherrschend. Kaum ist ein Projekt in Entwicklung, wird schon gekauft und das oft zu Mondpreisen, die bereits die Dimensionen einer fertiggestellten Immobilie erreichen. Daher suchen viele Investoren nach anderen Anlagemöglichkeiten.

Das hat auch das Thema Wohnen wieder verstärkt in den Vordergrund gerückt – sowohl von Seiten der Investoren wie auch der Entwickler. Insbesondere in den Metropolen wie München, Hamburg und Berlin ist Wohnraum Mangelware. Die kürzlich veröffentliche Berliner Wohnungsbauprognose geht von einem Bedarf von 194.000 zusätzlichen Wohnungen bis zum Jahre 2030 aus. Es gilt, zum einen dieser Wohnungsknappheit mit Neubau zu begegnen, zum anderen sind die Renditen immer noch etwas höher sind als bei Gewerbeimmobilien, die aufgrund der hohen Preise immer mehr unter Druck geraten.

Projektentwickler wie die Berliner SANUS AG sehen nach wie vor gute Möglichkeiten in der Hauptstadt. „Es gibt aus unserer Sicht nur eine Möglichkeit, dem zunehmenden Wohnraummangel in Städten wie Berlin zu begegnen: Neubau! Die Preise sind rapide gestiegen, das ist schlicht und einfach die Folge der drastisch erhöhten Nachfrage. Das ist das Einmaleins der Marktökonomie“, so Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG. „Gemeinsam mit der Politik und den städtischen Wohnungsbaugesellschaften sind private Investoren dazu bereit, den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Das ist eine Herausforderung, die nur gemeinsam zu bewältigen ist.“

Trend 3: Der BREXIT. © CCO Creative Commons

TREND #3 – IMMER NOCH DER BREXIT

Es ist weiterhin unklar, was die konkreten Ergebnisse und Folgen der Verhandlungen zum EU-Austritt Großbritanniens sind. Absehbar ist aber schon ein deutlicher Aufschwung für die Bürostandorte in Kontinentaleuropa. Finanzmetropolen wir Frankfurt am Main werden zunehmend interessant, bedeutende Bankhäuser, wie etwa Morgan Stanley, Goldman Sachs, sogar die Royal Bank of Scotland, haben bereits ernstzunehmende Abschiedsbekundungen geäußert. Viele haben bereits erste Vorbereitungen getroffen und angekündigt, Tausende Mitarbeiter ins EU-Gebiet abzuziehen. Hinzu kommen noch die EU-Behörden, die London verlassen müssen – wie etwa die Europäische Arzneimittelbehörde EMA oder die Europäische Bankenaufsicht (EBA), für die sich in erster Linie Frankfurt am Main, aber auch Mailand und Paris interessieren.

Auch wird damit gerechnet, dass die Investments in London sukzessive nachlassen und verstärkt auf dem Kontinent stattfinden werden. Deutschland hat London bereits als Topinvestmentstandort bei Büros überholt. Das Transaktionsvolumen überstieg nach vorläufigen Zahlen in den ersten neun Monaten 2017 auf dem Büro- und Gewerbemarkt das Vorjahresergebnis deutlich. Deutschland kann im Vergleich zu Großbritannien mit Stabilität punkten, denn nach wie vor gilt der deutsche Immobilieninvestmentmarkt als sicherer Anlagehafen für internationale Investoren. Die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 deuten darauf hin, dass eine neue Regierung den weltoffenen Kurs fortsetzt wird und Deutschland sich weiterhin internationalen Investoren gegenüber aufgeschlossen zeigt.

„Es ist deutlich spürbar, dass Berlin in den letzten Jahren international deutlich an Attraktivität gewonnen hat“, sagt Carsten Heinrich. „Dafür ist auch der Brexit verantwortlich. Wir betreuen viele ausländische Kunden, vor allem aus China, die es verstärkt in die deutsche Hauptstadt zieht.“

Trend 4: B-Lagen und Umland. © CC by 3.0.de

TREND #4 – B-LAGEN WERDEN IMMER BELIEBTER

In den main cities haben die Immobilienpreise zum Teil schon schwindelerregende Höhen erreicht. Die Renditen sind dafür in Talfahrt. Viele erwarten für die A-Cities und andere Premium-Lagen keinen signifikanten Wertzuwachs. Doch abseits der Top-Lagen in den üblichen Hotspots Berlin, München und Hamburg können Käufer und Anleger noch Schnäppchen machen.  Das Risiko, in solche Standorte zu investieren, ist mittlerweile relativ niedrig, da auch diese steigende Bevölkerungszahlen aufweisen.

Im ersten Halbjahr 2017 machten die sieben Top-Cities Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf insgesamt 60 Prozent des Transaktionsvolumens am Immobilienmarkt aus. In Städten wie München, Frankfurt oder Stuttgart sind die Risiken eines Immobilieninvestments sehr gering. Da jedoch die Preise so stark gestiegen sind, sind dort auch die erzielbaren Renditen mittlerweile deutlich niedriger. B-Städte wie Osnabrück, Wolfsburg oder Flensburg dagegen sind die Gewinner, denn sie bieten die besten Gelegenheiten, weil das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite noch stimmt.

Trend 5: Büro- und Gewerbeflächen. © wikipedia.org/Naturally Selenator

TREND #5 – ANFORDERUNGEN AN BÜRO- UND GEWERBEFLÄCHEN

Es kommt längst nicht mehr nur auf Größe und Zuschnitt an. Das Verknüpfen von Flächen mit zeitgemäßen Serviceleistungen ist ein Trend, der sich über verschiedenste Nutzungsbereiche erstreckt. Im Bürosegment drückt er sich vor allem im Aufkommen von Coworking Spaces aus. Die Nutzer mieten nicht mehr nur die Fläche, sondern gleichzeitig auch die nötige Büroinfrastruktur und Serviceleistungen. Aufenthaltsqualität ist das wichtigste Kriterium – die Arbeitenden müssen sich wohlfühlen. Ähnliches gilt für Hotels. Die Lobby als sozialer Raum gewinnt im Vergleich zur Raumgröße immer stärker an Bedeutung. Auch Shopping-Center müssen ihren Kunden einzigartige Einkaufserlebnisse bieten. Neben umfangreichen Serviceleistungen ist es vor allem wichtig, Schnittstellen zwischen analoger und digitaler Shoppingwelt einzurichten.

Die Schweizer Unternehmensgruppe SSN Group engagiert sich stark in der Hauptstadt und entwickelt auch Top-Bürostandorte in Berlin. Zu den Projekten gehören das Franklinhaus, das über 10.800 Quadratmeter Büromietfläche verfügen wird und insbesondere das Landmark-Projekt Quartier Bundesallee, dessen Bürogebäude bereits an die Berliner Volksbank verkauft wurden, die an dem Standort ihre Hauptstadtrepräsentanz einrichten wird.

„Für den Berliner Büromarkt mit seinem geringen Angebot an freien Mietflächen ist die Schaffung neuer Büroflächen dringend erforderlich“, so Jürgen Overath, Deutschland-Chef der SSN Group. „Nach wie vor sind eine zentrale Lage und eine repräsentative Anmutung entscheidend für die Bewertung einer Büroimmobilie, Faktoren wie die digitale Infrastruktur und weitere Serviceleistungen gewinnen aber zunehmend an Bedeutung.“

Die HD Handelsimmobilien GmbH fokussiert sich darauf, ein Portfolio mit Handelsimmobilien aus ganz Deutschland aufzubauen. Zu den Objekten gehören unter anderem das Kannenstieg-Center in Magdeburg und die Burggalerie in Mühlhausen. Nils Blömke, Geschäftsführer der HD Handelsimmobilien GmbH setzt auf ein zukunftsorientiertes Vorgehen: „Die Anforderungen an Handelsimmobilien ändern sich innerhalb von Jahren – nicht nur im Mieterbesatz selbst, sondern auch bei der Aufenthaltsqualität. Wir stellen die verschiedenen Käufergenerationen mit ihren Kommunikationsbedürfnissen in den Mittelpunkt unseres Denkens. Die Generation Y erwartet von einer Handelsfläche Kommunikationsqualität und digitale Connectivity. Die ältere Kundengeneration erwartet Service und ein tradiertes Einkaufserlebnis. Die Zukunft des Handels liegt in der Austarierung dieser Anspruchshandlungen. Hier sind wir gefordert, in die Zukunft zu denken.“

Experten wie Carsten Heinrich, Siegfried Nehls, Susanne Tattersall, Nils Blömke und Jürgen Overath sind sich einig, dass ein Ende des Booms nicht abzusehen ist. Der deutsche Immobilienmarkt hat noch viel Potenzial und die internationale Anziehungskraft wird weiter zunehmen. „Der Großraum Berlin gehört zu den Regionen, in denen die Immobilienpreise bis 2030 weiter steigen – oder zumindest stabil bleiben“, sagt Siegfried Nehls. „Die Preise sind gestiegen, aber Berlin hat einfach viel Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Metropolregionen. Eine Immobilienblase ist aus meiner Sicht nicht zu befürchten.“ (ak)

 

Mehr Infos: http://www.berlinboxx.de/expo-real-2017/

LINK: http://www.exporeal.net/index-2.html

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