Energiewende in der Hauptstadt

Von Claudia Kemfert

Alle großen Städte weltweit müssen eine möglichst hohe Lebensqualität mit sauberer Luft, sauberem Wasser, ausreichenden Grünflächen und bedarfsgerechter Mobilität bereitzustellen. Zudem gilt es, die Emissionen zu senken und sich dem Klimawandel anzupassen. Berlin hat sich vorgenommen, bis zum Jahre 2050 klimaneutral zu werden. Dies kann nur gelingen, wenn konsequent weiter Energie eingespart wird, der Anteil erneuerbarer Energien deutlich wächst, dezentrale Kraft-Wärme Kopplung (KWK) Anlagen mehr Verwendung finden und die Mobilität auf klimaneutrale Antriebstechniken konsequent umsteuert.

Im globalen Städte-Ranking liegt Berlin im Gesamtvergleich noch immer eher im Mittelfeld. Der Städte-Index vergleicht Nachhaltigkeit in einzelnen europäischen Hauptstädten in Bereichen wie Energieversorgung, Verkehrssysteme, Abfallentsorgung, Luft- und Wasserqualität oder die nationalen Klimaschutzprogramme. Dabei belegen überwiegend skandinavischen Ländern die vorderen Plätze. Berlin kann insbesondere durch sehr gute Gebäudeenergieeffizienz punkten, in den Bereichen Mobilität und Energieversorgung aber muss sich Berlin deutlich verbessern, was durch die geplante Verwendung von Biomasse für die Strom- und Wärmeerzeugung sowie durch den verstärkten Einsatz von Elektromobilität gelingen kann.

Berlin verfügt über das größte Fernwärmenetz Europas und ist damit prädestiniert, den Einsatz von klimaschonender KWK konsequent einzusetzen. Dabei werden derzeit schon zahlreiche dezentrale KWK Anlagen genutzt, das Heizkraftwerk in Lichterfelde durch ein modernes Gaskraftwerk ersetzt und mehr und mehr öffentliche wie private Gebäude energetisch saniert.

In vorbildlicher Art und Weise hat Berlin das so genannte „Divestment“ umgesetzt: Nach vielen anderen Städten weltweit wurde nun auch hier beschlossen, sämtliche Investitionen aus „Unternehmen, deren Geschäftsmodell den Zielen der Klimaneutralität zuwiderläuft“, abzuziehen.

Berlin hat die besten Ausgangsvoraussetzungen, es skandinavischen Ländern mit sehr ambitionierte Ziele für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz gleichzutun. Die Umsetzung geht allerdings langsam voran. Zwar ist es löblich, dass im Bereich der Energieversorgung die Nachhaltigkeit zukünftig eine stärkere Rolle spielen wird, auch kommen wichtige Signale für den Einsatz von erneuerbaren Energien mit mehr Dezentralität. Berlin könnte so im Bundesländer-Ranking sicherlich den letzten Platz verlassen.

Im Bereich nachhaltiger Verkehr jedoch hat Berlin versagt. Obwohl das ÖPNV Netz sehr gut ausgebaut ist, gelingt es bisher nicht, den Stadtkern emissions-, lärm- und feinstaubarm zu gestalten. In einer Großstadt wie Berlin benötigt man eine Individualmobilität für die Geschäfte, Taxis oder Menschen, die individuell mit dem Fahrzeug mobil sein müssen und wollen. Daher wären der Umstieg von alternativen Kraftstoffen und der Einsatz von Elektromobilität in Kombination mit ÖPNV und Radverkehr besonders wichtig. Durch eine gezielte Förderung von nachhaltigen Antriebstechnologien und -stoffen sowie einer besseren Verkehrsführung wäre es auch in Berlin möglich, nachhaltige Mobilität zu leben. Berlin sollte den ÖPNV weiter stärken, Radwege ausbauen und sicherer gestalten und vor allem auf die konsequente Vermeidung von Lärm und Feinstaub setzen. Wenn mittels Biomasse Strom und Wärme hergestellt werden und mehr Solarenergie installiert wird, kann Berlin in der Energieeffizienz, beim Ausbau erneuerbarer Energien, bei intelligenten Netzen und in der Infrastruktur für Mobilität mit anderen Großstädten, insbesondere in Skandinavien gleichziehen.

Prof. Dr. Claudia Kemfert

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin)

Energie, Verkehr und Umwelt

Foto: © Pexels
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.