Eine neue Brücke für die A100

Einmalig: Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke wird über einen europaweiten Wettbewerb entschieden

Das längste Brückenbauwerk Berlins, die Rudolf-Wissell-Brücke auf der A 100, muss neu gebaut werden. Seit Jahrzehnten ist dieser Streckenabschnitt extrem hoch belastet, aktuell mit rund 180.000 Fahrzeugen am Tag. Er ist der am drittmeisten befahrene Autobahnabschnitt Deutschlands, der jedoch nicht für diese hohe Belastung ausgelegt wurde. Wegen des permanenten hohen Verkehrsaufkommens kommt es häufig zu Reparaturarbeiten  mit Spursperrungen und -einengungen; regelmäßige Staus sind die Folge. Das zwischen 1958 und 1961 gebaute Spannbeton-Bauwerk mit sechs Fahrspuren hat einen kritischen Zustand erreicht und muss durch einen Neubau ersetzt werden.

Mit den Planungen eines Ersatzneubaus hat der Berliner Senat die Deges beauftragt. Die Projektmanagementgesellschaft hat jetzt einen einmaligen und für Straßenverkehrsprojekte unüblichen, europaweiten Wettbewerb gestartet, um die beste Lösung für den Verkehrsknotenpunkt zu finden.

Der Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Jens-Holger Kirchner, erklärt: „Nachhaltige Politik schaut voraus, um von Problemen nicht überrascht zu werden. Deswegen müssen wir jetzt eines der größten Straßensanierungsprojekte in der Geschichte der Stadt starten.“

Die Rudolf-Wissell-Brücke ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Standort und macht eine Standardlösung für einen Ersatzneubau schwierig. Die damit beauftragte Deges ist spezialisiert auf komplexe Infrastrukturprojekte.

Andreas Irngartinger, Bereichsleiter der Deges, sagt: „Bei den Planungen muss neben der sehr hohen Verkehrsbelastung auch die besondere Situation der Brücke berücksichtigt werden. Durch den einteiligen Brückenüberbau und die exzentrische Pfeilerstellung ist ein Teilabriss nicht ohne weiteres möglich.“ In der Nähe der Rudolf-Wissell-Brücke befinden sich zudem die Schleuse Charlottenburg, eine Hochspannungsleitung, Gleise der Deutschen Bahn für den Fern- und Nahverkehr sowie Kleingärten und Uferwege.

Um für den Ersatzneubau die beste Lösung zu finden, hat die Deges europaweit Fachleute zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Ein innovativer Ansatz, der für Straßenverkehrsprojekte normalerweise nicht angewandt wird. „Wir wollen uns hier nicht nur auf unsere Kreativität oder die Ideen eines Ingenieurbüros verlassen, sondern bewusst möglichst viele Ingenieure an der Suche nach der besten Lösung beteiligen. Alle sind aufgerufen, ihre Ideen und Lösungsvorschläge für den Ersatzneubau und für Berlin einzureichen“, erläutert Irngartinger das besondere Vorgehen.

Nach einer ersten Phase, in der interessierte Ingenieurbüros und Arbeitsgemeinschaften ihre Eignung vorweisen mussten, sind jetzt sechs Teilnehmer eingeladen, bis Mai 2017 erste Lösungsvorschläge zu entwickeln. Sie alle kommen aus Deutschland. Im Sommer werden dann drei Arbeitsgemeinschaften oder Ingenieurbüros ihre Lösungsansätze weiter präzisieren und konkrete Lösungsvorschläge erarbeiten. „Die Wettbewerbsjury wird ein besonderes Augenmerk auf den Bauablauf und die Verkehrsführung während der Bauzeit richten.

Die geringstmöglichen Einschränkungen für den laufenden Verkehr sind das zentrale Wertungskriterium“, erklärt Staatssekretär Jens-Holger Kirchner. Anfang 2018 soll der Gewinner des Ideenwettbewerbs für den Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke feststehen. Mit einem tatsächlichen Baubeginn kann frühestens 2022 gerechnet werden.

Vor dem Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke muss die Fahrbahn des Bauwerks saniert werden. Diese Erhaltungsmaßnahme dient der Verkehrssicherheit und trägt dazu bei, dass es in den kommenden Jahren deutlich weniger Baustellen wegen heute noch häufig auftretender Schlaglöcher geben wird. „Die Bauarbeiten zur Sanierung beginnen in den Sommerferien 2017 in Fahrtrichtung Nord. In den Sommerferien des kommenden Jahres folgt dann die Fahrbahn in Richtung Süd“, sagt Andreas Irngartinger. Bis auf wenige Ausnahmen stehen zu jeder Zeit zwei Fahrspuren in Nord- und Süd-Richtung zur Verfügung.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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