Die Renaissance der Vinylplatte

Wie zwei Schallplattenliebhaber eine Marktlücke schließen wollen

Die Vinyl-Schallplatte lebt! Für tot erklärt und jetzt wiedergeboren, spätestens seit dem aufkommenden Hipster-Trend. Das Problem an der Renaissance der Vinylplatte: Die Herstellung von Vinyl-Pressmaschinen wurde vor 30 Jahren eingestellt. Daher gibt es nur noch wenige Firmen, die Schallplatten herstellen. Musiklabels müssen etliche Wochen warten, bis die Platte fertig ist. Dabei ist der Trend derart beliebt, dass fast jedes neue Album auch in Schaltplattenform erscheint. Vor allem kleine Labels haben darunter zu leiden. Große Aufträge werden bevorzugt behandelt, kleine Independent-Musikproduktionen haben eine noch viel längere Wartezeit, bis das fertige Produkt abspielbereit ist.

Abhilfe möchte nun das neu gegründete Unternehmen „intakt!“ schaffen. Die beiden Gründer Max Gössler und Alexander Terboven sind DJ’s und betreiben selbst ein kleines Musiklabel. Da sie bis zu vier Monate auf ihre fertigen Platten warten mussten, beschlossen die beiden, sich ein Vinylwerk einzurichten. Von der Bank bekamen sie einen Kredit über eine halbe Million Euro – so viel brauchte es, um zwei Pressen, einen Dampfkessel und einen Kühlturm zu beschaffen. Außerdem mieteten sie sich eine kleine Industriehalle in Marienfelde. Und nach einem Jahr der Planung, Genehmigung und Bau ist es endlich so weit: Die ersten Testversuche können gestartet werden.

So wird nun täglich der sogenannte Extruder, eine Schmelzmaschine, mit Vinylgranulat befüllt. Heraus kommt dabei eine PVC-Masse, die in die Presse gelegt wird und samt der Etiketten und mit Hilfe der Pressmatrize in die richtige Form gebracht wird. Die Matrize ist hierbei für die Rillen auf der Schallplatte verantwortlich. Handgefertigt rechnen die Hersteller so mit einer Kapazität von etwa 1000 Platten pro Schicht – und 30.000 im Monat.

Gössler und Terboven möchten somit die schnellsten auf dem Markt sein und besonders für kleine Musiklabels arbeiten, denen eine Auflage von 300 bis 400 Platten genügt. Und siehe da, der Plan geht auf: bereits in der ersten Woche hatte das Unternehmen schon 20 Aufträge. Reich werden die Unternehmer mit diesem Geschäftsmodell wahrscheinlich nicht, aber das ist ihnen auch bewusst. Dazu sind die Auflagen kleiner Musiklabels zu gering. Ihnen geht es um die Liebe zu den Platten und vor allem zur Musik, eine Leidenschaft, die ausgelebt werden kann.

(Bild: wikimedia.org)

 

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