Die Katze ist aus dem Sack

Kommentar: Gestern war es soweit: Nach Monaten des Rätselratens konnte es SPD-Chef Sigmar Gabriel offenbar selbst nicht mehr aushalten und informierte seine Genossen wenige Tage vor dem anberaumten Termin über die Medien, dass die Partei mit Martin Schulz an der Spitze in den Wahlkampf ziehen wird. Sogar die Mitglieder der SPD-Fraktion waren überrascht, zumal mit der Entscheidung auch der Wechsel an der Parteispitze von Gabriel auf Schulz verbunden ist. Komplettiert wird die Rochade dadurch, dass Gabriel Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier, dem künftigen Bundespräsidenten, auf dem Posten des Außenministers werden soll und Brigitte Zypries, bis jetzt Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, selbigem in den nächsten Monaten vorsteht.

Es ist Gabriel hoch anzurechnen, dass er nicht die Augen vor der Tatsache verschloss, als Kanzlerkandidat schon jetzt der klare Verlierer zu sein. Ob aber Martin Schulz, bisher Präsident des Europäischen Parlaments in Brüssel, der Richtige ist, bleibt abzuwarten.

Schulz ist zwar beliebt, vor allem bei jungen Menschen. Sein beherztes und konsequentes Auftreten gefällt, aber welche Positionen er vertritt, weiß niemand. Medienwirksames Agieren auf der internationalen Bühne ist das eine, ein schlüssiges innenpolitisches Konzept das andere. Und daran fehlt es bis jetzt vollständig.

Schulz wirkt auf viele aufrichtig und bodenständig. Auch die Debatte darüber, dass er kein Abitur hat, konnte ihm nichts anhaben. Kanzlerin Merkel hat sich zu seiner Kandidatur noch nicht geäußert, aber ihr dürfte klar sein, dass mit Schulz ein ernst zu nehmender Konkurrent im September auf sie wartet.

Die Kandidatur von Schulz scheint in der SPD für Erleichterung zu sorgen. Die Frage bleibt jedoch, ob es ihm gelingt, die SPD aus dem Dauertief herauszuführen. Er selbst jedenfalls hat sein Ziel schon formuliert: Er tritt an, um Bundeskanzler zu werden (in).

 

Bildquelle: Olaf Kosinsky

 

 

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