Das Palmöl-Dilemma: Steht das Pflanzenfett zu Recht in der Kritik? | Foto: pexels.com

Das Palmöl-Dilemma: Steht das Pflanzenfett zu Recht in der Kritik?

Palmöl ist wegen seiner großen Vielseitigkeit und den geringen Herstellungskosten weltweit inzwischen das wichtigste Pflanzenöl. Vor allem aus der Lebensmittel– und Kosmetikindustrie ist es nicht mehr wegzudenken. Unter den pflanzlichen Fetten ist es der Superstar – dreimal so ertragreich wie Raps, leichter zu verarbeiten als Kokosfett. Die Palmöl-Produktion steht aber zugleich für vernichtete Regenwaldflächen, strittige Landrechte und katastrophale Arbeitsbedingungen bis hin zu Menschenrechtsverletzungen. Dabei wird Palmöl längst nicht nur umfassend in Lebensmitteln, sondern vor allem auch in Kosmetika verwendet.

Alternative Ansätze: Ist eine faire Produktion von Palmöl möglich?

Unternehmen wie The Body Shop, Yves Rocher und Rituals werben für tierversuchsfreie Kosmetik, weitgehend natürliche Inhaltsstoffe und gründen oder fördern Projekte zur Durchsetzung dieser Standards. Der Kosmetikhersteller Dr. Bronner‘s hat sich bereits 2005 dazu entschieden, ausschließlich auf Rohstoffe aus Biolandbau und fairem Handel zu setzen und die Produktionsverhältnisse komplett umzukrempeln. Dazu gründete Dr. Bronner’s Tochtergesellschaften wie Serendipalm Co. oder Serendipol Co. in Ländern, aus denen das Unternehmen seine Rohstoffe für die Seifenproduktion bezieht. Außerdem werden die Projekte anderer Wohltätigkeits- und Naturschutzorganisationen tatkräftig unterstützt und zum Teil sogar weiter ausgebaut.

Dr. Bronner’s unterstützt verstärkt lokale Kleinbauern und fördert die gezielte und selbstständige Verwirklichung der Gemeinde. Als Mitglied der World Fair Trade Organization (WTFO) werden bereits 90 Prozent der verwendeten Inhaltsstoffe aus Biolandbau bezogen. So wurde 2007 das inzwischen von der ghanaischen Tochtergesellschaft geführte Projekt Serendipalm Co. für die Herstellung von Bio- und Fair Trade-Palmöl ins Leben gerufen. Über 500 Bauern von Farmen, auf denen keine Vergrößerung, Rodungen oder Artenvertreibungen stattgefunden haben, beliefern das Projekt bereits. Die örtlichen Kleinbauern wurden mit Setzlingen versorgt, die es ermöglichen, höhere Erträge auf gleicher Fläche zu erzielen.

Regenwaldrodungen und strittige Landrechte prägen das Image von Palmöl. | Foto: pexels.com

Regenwaldrodungen und strittige Landrechte prägen das Image von Palmöl | Foto: pexels.com

Fairness durch soziale Projekte

Nach ähnlichem Verfahren wurde bereits 2005 das Projekt zur Gewinnung von Bio- und Fair Trade-Kokosöl, Serendipol, in Sri Lanka und inzwischen auch in Kenia initiiert. Diese und viele weitere Projekte arbeiten durch Bodenwartung, die Vergrößerung der Abnahmefarmen, lokale Verbesserung der Lebensqualität und die Schulung der Kleinbauern darauf hin, durch die Erhöhung der Bodenqualität und Lebensqualität der Produkteure, auch eine Erhöhung der Produktivität und Profitabilität zu erreichen. Der Standort in Sri Lanka gehört inzwischen zur weltweit führenden Quelle für Fair Trade Virgin Coconut Oil (VCO). Das Projekt in Kenia wurde trotz weiterlaufender Kundschaft an lokale Partner übergeben. Ein Teil der Erlöse kam sozialen Projekten zugute. So wurden Jugendgruppen unterstützt, denen  bessere Lebensbedingungen ermöglicht werden sollen. Außerdem wurde der Aufbau öffentlicher Sanitäranlagen und einer Geburtenstation finanziert.

Umweltfreundliche Alternativen und Verantwortung

Ein bewusster Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit bedeutet jedoch nicht nur das Bewusstsein für Inhaltsstoffe, Produktionsbedingungen und Lokalität zu schärfen. Es erfordert beispielsweise auch, auf die verwendete Verpackung, produzierten Müll und Minimalismus zu achten. Verzicht auf Plastiktüten oder das Mitbringen von Stoffbeuteln ist schon längst common sense. Unverpackt-Läden, Vermeidung von Plastik, Ersatz durch Papierverpackungen oder Gebrauchsgegenstände aus Holz werden ebenfalls immer populärer. Dennoch wird Palmöl, das nicht nur im Ruf steht, Umwelt und Lebensräume zu zerstören, sondern auch gesundheitsschädigend sein soll, kritisch gesehen. Das Pflanzenfett schmeckt ähnlich wie Butter und ist in allerhand Fertiggerichten, Süßigkeiten, Babynahrung, Seifen und Streichcremes enthalten. Beschränkt man sich auf die Nutzung von Kosmetika, die Palmöl enthalten, dürfte die Frage nach den Produktionsstandards die Entscheidende sein.

Im Rahmen einer Round Table-Diskussionsrunde lädt Dr. Bronner‘s zur Beantwortung der Frage ein: „Kann Palmöl unter ökologisch und sozial verantwortungsvollen Bedingungen hergestellt werden?“. Im Berliner Standort in den Hackeschen Höfen wird am 26. Juni zu 19 Uhr debattiert. Diskutiert wird dabei sicher auch die Frage, ob auch nachhaltige und verantwortungsbewusste Erzeuge zu Recht oder zu Unrecht in der Kritik stehen. (cn)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .