Cyberkriminalität ist auch ein Risiko für die Immobilienbranche

Experten raten Unternehmen der Immobilienbranche, nötiges Risikobewusstsein zu schaffen und zum Schutz der eigenen Daten aktiv zu werden und Cyberkriminalität einzudämmen.

Im Rahmen der EXPO REAL wurde vergangene Woche beim ULI Breakfast Briefing zum Thema Cyber Security and Real Estate diskutiert. Unter der Moderation von Jürgen Fenk, Chairman des ULI Germany, sprachen Viola Bensinger (Greenberg Traurig), Dr. Hauke Brede (Allianz RE), Thomas Kraubitz (Buro Happold Engineering) und Rupprecht Rittweger (e-shelter) über die Rolle von Cyber Security in der Immobilienbranche und Stadtentwicklung.

Die zunehmende Digitalisierung in der Immobilienbranche verschärft auch die Anfälligkeit für Cyberkriminalität. Viele Unternehmen sind sich dieser neuen Gefahren noch nicht vollends bewusst. „Viele Manager denken, dass die Opfer von Cyberkriminalität immer die anderen sind. Doch Zahlen zeigen, dass es jeden zu jeder Zeit treffen kann,“ so Viola Bensinger. Im letzten Jahr hätten Behörden allein in Deutschland über 83.000 Fälle registriert. „Und diese Zahlen verstehen sich z.B. ohne unbemerkten Datenklau und nicht gemeldete Fälle. Die Dunkelziffer ist extrem hoch,“ erklärt Bensinger weiter. So praktisch und effizient die digitalen Möglichkeiten auch sein mögen, die Risiken werden schnell unterschätzt. „Jedes Kundenportal und jede Internetverbindung kann ein Einfalltor für Cybercrime sein.“

Die Digitalisierung birgt auch Gefahren

Gerade in diesem Jahr setzen Unternehmen zunehmend auf Digitalisierung und somit auf digitale Arbeitsprozess. Das gilt auch für die Immobilienbranche. Gerade Hotelanbieter erreichten, beispielsweise durch Personalmanagement und Buchungsportale, einen hohen Digitalisierungsgrad. Jeder Prozess, der digital optimiert wird, kann durch entsprechende IT-Krisen lahmgelegt werden. Dabei bleibt es nicht nur bei vorsätzlichen Angriffen, sagt Viola Bensinger: „Vorfälle sind nicht immer krimineller Natur, auch Irrtümer und Fehler im Umgang mit Daten innerhalb der Unternehmen können großen Schaden anrichten und sollten sehr ernst genommen werden.“ Die Expertin rät Unternehmen deshalb zu einem Zwei-Stufen-Plan, um sich auf eventuell eintretende Krisen vorzubereiten: „Die erste Stufe sollte eine eingehende Betrachtung des Status Quo im Unternehmen sein, während das Fahrwasser ruhig und noch keine Krise eingetreten ist. Das Durchspielen einer Krisensituation ermöglicht in dieser Phase alle Handlungsoptionen zu prüfen. Denn wenn der Krisenfall in der zweiten Stufe eintritt, bleibt dem Unternehmen in der Regel keine Zeit mehr für Planspiele.“

Anders als bei Einbrüchen oder einem Sachschaden, ist eine Versicherung keine zuverlässige Absicherung bei Cyberangriffen. Sollten Unternehmen doch eine Versicherung in Erwägung ziehen, dann ist es ratsam, diese vorher eingehend zu prüfen. „Versicherungen stellen oft hohe Anforderungen an die Sicherheitsmaßnahmen der Versicherten. Wie bei jeder Versicherungspolice sollte hier das Kleingedruckte sorgfältig gelesen werden“, so Bensinger.

Unternehmen und Kommunen müssen Vorsichtsmaßnahmen treffen

Aber nicht nur die Immobilienbranche ist betroffen, auch Kommunen steigen weltweit mit ihren Bestrebungen, „Smart City“-Lösungen anzubieten, ins Digitalisierungsrennen ein. Städte werden so selbst zu Datensammlern und nutzen „Big Data“ für eine effektivere Umsetzung von kommunalen Aufgaben. „Die Städte müssen die Kontrolle über die von Bürgern und Unternehmen gesammelten Daten behalten und Verantwortung übernehmen. Das Risiko von Überflutungen oder Lawinenunglücken ist in den Verwaltungen betroffener Städte präsent. Es ist wichtig, dass auch für Cyberkriminalität entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden,“ rät Thomas Kraubitz. Regelmäßige Sicherheitskontrollen und Updates müssen gewährleistet werden, um die gesammelten Daten zu schützen.

Doch auch wenn die meisten in der Immobilienbranche keine IT-Experten sind, hat Thomas Kraubitz einen schnell umsetzbaren Rat: „Sich selbst für das Thema sensibilisieren und sich der Risiken bewusst zu sein, ist für alle erst einmal kostenlos. Seien Sie interessiert am Thema, am Ende ist dann alles eine Frage der Resilienz.“ Auch Viola Bensinger rät Unternehmen zur Vorsorge: „Wegducken und hoffen, dass nichts passiert, ist keine Lösung. Jeder kann etwas zur Sicherheit unternehmen. Das immer noch besser als gar nichts zu tun.“ (red)

 

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