Christian Amsinck: Wirtschaft geht innovative Wege im Kampf gegen den Fachkräfte-Mangel

Den Unternehmen in der Hauptstadtregion fällt es immer schwerer, ihre offenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Mit einer Offensive kurz vor dem Beginn des Ausbildungsjahres im September will die Wirtschaft den jungen Menschen zeigen, welche sicheren und interessanten Perspektiven eine duale Ausbildung bietet. „Praktisch jede Branche hat Probleme bei der Nachwuchs-Suche. Viele Unternehmen und Verbände reagieren darauf mit frischen Ideen und neuen Ansätzen. Heute gilt es, um Bewerber zu werben – dazu gibt es keine Alternative“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), am Montag in Berlin. „Wenn wir nicht mehr junge Leute finden, wird sich der Fachkräfte-Mangel schon bald drastisch verschärfen. Das wird dann Wachstum und Zukunftsperspektiven kosten – für uns alle.“

13.700 Stellen sind aktuell in der Hauptstadtregion noch unbesetzt – 6894 in Berlin und 6845 in Brandenburg. In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen ihr Angebot deutlich ausgeweitet. Derzeit gibt es im Bereich kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus noch viele Chancen mit 1930 bzw. 1727 offenen Stellen. Auch in den Sparten Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung ist die Nachfrage der Unternehmen noch groß, hier bieten die Firmen noch 1398 bzw. 2208 Ausbildungsplätze an. Im Umfeld von
Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung sind noch 1356 bzw. 702 Plätze frei.

In der neuen Broschüre „Die betriebliche Ausbildung stärken“ hat die UVB deshalb alle Aktivitäten zusammengefasst, mit denen ihre etwa 60 Mitgliedsverbände für die Ausbildung werben. Das Spektrum ist enorm groß. So gibt es Kampagnen wie „Rockstars gesucht“ der mineralischen Baustoff-Industrie, die versucht, die Jugendlichen auf allen Kanälen zu erreichen. Zu der Werbe-Aktion „Born 2b Tischler“ gibt es einen eigenen Blog, in dem Jugendliche von Gleichaltrigen erfahren, was in Ausbildung und Berufsschule passiert. Überhaupt setzen viele Branchen auf altersgerechte Kontakt-Angebote über Medien wie Twitter, Facebook und andere.

Aber auch praktische Informationen über Berufsbilder stehen hoch im Kurs. Die Arbeitgeber der Metall- und  Elektroindustrie haben einen 20-Meter-Sattelschlepper zu einem High-Tech-Showroom für ihre Berufe ausgerüstet und zeigen damit vor Ort  jungen Männern und Frauen, wie vielfältig die Branche ist. Auch die Chemieindustrie ist rührig – dort gibt es Experimentalwettbewerbe, Social-Media-Kampagnen, Lehrer-Fortbildungen, Schnupperpraktika, Kooperationen mit Schulen, die Ausrichtung von Messen und vieles mehr.

Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg schickt jedes Jahr Nachwuchsreferenten in die Schulen, um Lehrer und Schüler zu beraten, und die Unternehmen davon zu überzeugen, wie wichtig eigene Ausbildungs-Anstrengungen sind. Daneben setzen die Firmen auf moderne Ausbildungsstätten, in denen mehrere Berufsbilder unterrichtet werden – auch
überbetrieblich.

Die Wirtschaft kümmert sich außerdem darum, aus geflüchteten Menschen mit einer Bleibeperspektive eines Tages möglichst eine Fachkraft zu machen. Die Metall- und Elektroindustrie hilft den Unternehmen mit dem Projekt „M+E Starter“, Einstiegs-Qualifikationen einzurichten und zu finanzieren. Sie münden nach sechs Monaten in eine klassische Ausbildung. Beratungsstellen wie Arrivo in Berlin oder bea in Brandenburg wirken ebenso wie die Willkommenslotsen, die der Garten- und Landschaftsbau zur Beratung der Betriebe einsetzt.

„Wir sind auf vielen Feldern aktiv“, resümierte UVB-Hauptgeschäftsführer Amsinck. „Einen noch größeren Fachkräftemangel müssen wir unbedingt abwenden. Für die Jugendlichen bieten sich noch alle Chancen angesichts von derzeit rund 13700 offenen Lehrstellen in der Region. Die Auswahl ist so groß wie noch nie.“

Andreas Koch-Martin, der Leiter des Ausbildungszentrums der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin, sagte: „Die Umsetzung der Energiewende erfordert hochqualifizierte Fachkräfte. Mit zahlreichen Maßnahmen setzen wir uns nachhaltig dafür ein, Jugendliche für unsere Zukunftsberufe zu gewinnen und Ausbildungsabbrüche zu verhindern.“

Rita Kaiser, Geschäftsführerin des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Berlin und Brandenburg, erklärte: „Neben der möglichst umfassenden Information von Jugendlichen in Schulen zum Beruf des Landschaftsgärtners legen wir großen Wert auf praxisnahe Aktionen wie zum Beispiel Baustellenbesuche. Große Gartenschauen wie zurzeit die IGA Berlin 2017 bieten zudem anschauliche und attraktive Möglichkeiten über die direkten Zielgruppen hinaus auch Multiplikatoren wie WAT-Lehrer und Berufsberater der Arbeitsämter für den Beruf zu begeistern.“

Die neue UVB-Broschüre „Die betriebliche Ausbildung stärken“ finden Sie hier. (red)

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