Wirtschaftspakt: Berlin und New York rücken zusammen

Die beiden Metropolen Berlin und New York wollen wirtschaftlich intensiver zusammenarbeiten. Diesbezüglich haben am vergangenen Montag beide Vertreter in der deutschen Hauptstadt einen Kooperationsvereinbarung unterschrieben.

Mit diesem Wirtschaftspakt werden beide Städte ihren bisherigen Austausch vertiefen und künftig gemeinsame Tätigkeiten aufnehmen.

Wirtschaftspakt mit dem wichtigsten Handelspartner

Im vergangenen Jahr ist Berlins Export um ca. 1,3 Prozent gestiegen. Die Vereinigten Staaten gehörten nach wie vor zu den wichtigsten Absatzmärkten für Berliner Produkte. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sind die USA mit einem Anteil von mehr als zwölf Prozent an allen Exporten sogar Berlins wichtigster Abnehmer.

Allein im Vorjahr exportierte Berlin Güter im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro in die USA. An der Spitze lagen dabei pharmazeutische Produkte mit rund 300 Millionen.

Start-up-Schmieden Berlin und New York

Keine Frage: Sowohl New York als auch Berlin gehören zu den wichtigsten Zentren der Gründerszene. So etabliert sich Berlin europaweit zu einem führenden Standort für Start-ups. Laut der Studie der Unternehmensberatung EY (Ernst&Young) seien 2017 insgesamt drei Millionen Euro in Berliner Start-ups investiert worden. Um auch Berlins Wirtschaft weiter voran zu treiben, wollen die beiden Metropolen New York und Berlin gemeinsam marschieren. Den entsprechenden Vertrag unterschrieben Ana Ariño, Executive Vice President und Chief Strategy Officer der New York City Economic Development Corporation (NYCEDC), und Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie.

 

Aufbruchstimmung: Berlin ist im Gründungsfieber | Foto: pixabay.com

Aufbruchstimmung: Berlin ist im Gründungsfieber | Foto: pixabay.com

 

„Wir freuen uns unglaublich über wirtschaftliche Partnerschaften mit Städten wie Berlin, in denen begabte Menschen leben,die über wachsende Technologie-Ecosysteme verfügen“, sagte Ana Ariño. „Diese Partnerschaft wird weitere Investitionen zwischen unseren Ökosystemen ermöglichen und neue Kapazitäten für Unternehmenswachstum, Innovation sowie neue Arbeitsplätze in beiden Städten schaffen“, erklärte Ariño weiter.

Auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop würdigte die Kooperation beider Städte: „Ich freue mich, dass wir unsere engen Wirtschaftskooperationen zwischen Berlin und New York intensivieren. Internationale Kontakte können Märkte öffnen, transnationale Kooperationen anbahnen und Kapitalflüsse erleichtern.“

Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft

Die Grundlage der Vereinbarung bildet die Gründung einer „Daten-Allianz“. Demnach steht vor allem der Datenaustausch im Vordergrund. So sollen Daten wie Arbeitsmarkt- und Beschäftigungszahlen, Risikokapital-Investitionen, allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen sowie Branchen- und Industriedaten geteilt werden. Damit wollen die Förderorganisationen Start-ups beider Länder stärker bei der Produktentwicklung und dem Markteintritt mehr unterstützen.

Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt in der Medizintechnikbranche. Hierzu wird unter anderem New Yorks „Digital Health Marketplace“-Programm auch für Berliner Start-ups geöffnet. (dn)

Wohnungsbau statt Schrebergärten: Mehrheit der Berliner ist dafür

Wenn Arne Piepgras an die Wohnraumsituation in Berlin denkt, schaudert es ihn. „Es ist ein Desaster“, sagt der langjährige Sozialdemokrat. Seit 17 Jahren führen seine Genossen den Senat, aber der Wohnungsmarkt findet nicht aus der Krise. Der 61-jährige Piepgras ist Projektentwickler, er kennt die Misere im Wohnungsbau genau.

Berlin ist eine wachsende Stadt, rund eine Viertel Millionen Menschen werden sich in den kommenden 15 Jahren zusätzlich ansiedeln. Bis 2020 braucht die Bundeshauptstadt mindestens 137.000 neue Wohnungen, bis 2030 müssen etwa 194.000 sein. Nur so kann das Wohnangebot mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten und den ohnehin bereits angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Aber wo soll gebaut werden?

Wohnungsbau braucht neue Flächen

Projektentwickler Piepgras hat sich mit einer unkonventionellen Idee an die Öffentlichkeit gewagt. Rund drei Prozent der Stadtfläche, etwa 3.000 Hektar, werden von Kleingartenkolonien belegt. Die Gelände waren immer sogenannte Baulandreserve, Laubenpieper-Parzellen also seit jeher Idyllen auf Zeit. „Auf dieser Fläche könnten an die 400.000 Wohnungen errichtet werden“, hat Piepgras errechnet. Er weiß, dass er sich mit seinem Vorschlag unbeliebt macht. Kleingärten sind für Berliner Herzenssache. Wer Gartenkolonien planieren und bebauen will, muss mit Widerstand von Bürgerinitiativen rechnen.

Piepgras wollte es genau wissen und gab eine Umfrage in Auftrag, um die Stimmung in der Bevölkerung zu ermitteln. Und siehe da: 54,4 Prozent der Befragten würde eine teilweise oder vollständige Bebauung von Schrebergärten gutheißen. In der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre würden sogar 71,2 Prozent eine Bebauung begrüßen. Hingegen lehnen mehr als 60 Prozent der über 50-Jährigen eine Bebauung entschieden ab.

 

Kämpft für gerechtes Wohnen: Immobilieninvestor Arne Piepgras | Foto: BERLINboxx

Kämpft für gerechtes Wohnen: Immobilieninvestor Arne Piepgras | Foto: BERLINboxx

 

Generationenkonflikt um Wohnraum

Dies macht den Generationenkonflikt sichtbar, der sich um das Thema rankt. Während sich alteingesessene Berliner im Stadtgebiet in ihren grünen Laubenpieper-Oasen erholen, werden junge Familien aus der Stadt gedrängt, weil die Mietpreise explodieren. Piepgras will eine „Gerechtigkeitsdiskussion“ anstoßen: „Ist es gerecht, dass absehbar hunderttausende Berliner Bürger das Stadtgebiet wegen steigender Mieten verlassen müssen? Wäre es nicht gerechter, die Kleingärten ins Umland umzusiedeln und damit hier Platz zu schaffen für eine Wohnungsbauinitiative, die diesen Namen auch verdient?“

In zwei offenen Briefen auf Zeitungsanzeigenseiten hat sich Piepgras in den vergangenen Wochen an die Bausenatorin Katrin Lompscher gewandt. „Rufen Sie zu einem Masterplan ,Bezahlbaren Wohnraum schaffen‘ auf“, lautet sein Appell. „Wenn wir nicht aufpassen“, warnt Piepgras, „werden wir Verhältnisse wie in München oder London bekommen, wo sich kein Normalverdiener mehr innerstädtischen Wohnraum leisten kann.“ Berlin werde „seinen Charakter als bezahlbare und damit liebenswerte Großstadt verlieren und zu einer unbezahlbaren Metropole“ werden.

Ausschließlich günstige Wohnungen

Vom rot-rot-grünen Senat erwartet er den Mut zu einer „Politik über den Tellerrand hinaus“. Piepgras spekuliert sogar auf eine breite Zustimmung seitens betroffener Kleingärtner: „Wenn sichergestellt wird, dass auf den Grundstücken ausschließlich günstige Wohnungen sowie Schulen und Kitas entstehen, wäre dann nicht auch ein Großteil der Kleingärtner bereit, auf ihre Privilegien zu Gunsten der Allgemeinheit zu verzichten?“

Für die Bausenatorin könnte Piepgras’ Vorschlag der Ausweg aus einem Dilemma sein. Soeben hat sie amtlich bestätigen müssen, dass der Senat das im Koalitionsvertrag vereinbarte Wohnungsbauziel verfehlen wird. Die Unterhändler von SPD, Linke und Grüne hatten sich auf „mindestens 30.000 Neubauwohnungen“ verständigt. In einem von Lompscher vorgelegten Bericht geht der Senat nun von 26.514 fertigen Neubauwohnungen in kommunaler Hand bis 2021 aus. Höchste Zeit also für einen Neustart in der Berliner Wohnungsbaupolitik. (hf)

ZIA Tag der Immobilienwirtschaft 2018

Eng verzahnt mit der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stellt die Immobilienwirtschaft ein wichtiger Markt für Deutschland dar. Der deutsche Immobilienmarkt ist gewiss national als auch international mit gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft. Nicht zuletzt wird Europa, vor allem jedoch Deutschland, mit den Folgen des Brexits zu kämpfen haben. Angesichts dieser Herausforderung ist es wichtig, einen Überblick über diesen vielfältigen Wirtschaftszweig zu haben.

Am vergangenen Mittwoch veranstaltete der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e. V. im Berliner Tempodrom den Tag der Immobilienwirtschaft 2018 unter dem Motto „Global denken – Lokal investieren“. Es ist der größte Branchentag der deutschen Immobilienwirtschaft.

 

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

 

Ein EU-Kommissar, zwei Bundesminister, drei Oppositionsführer und 1.900 Besucher

Der Tag der Immobilienwirtschaft des ZIA bietet für viele Unternehmer und Politiker eine hervorragende Plattform, um über zukunftsweisenden Themen und wichtige Fragen der Branche zu diskutieren. Beim diesjährigen Tag der Immobilienwirtschaft waren rund 1.900 Gäste anwesend, darunter hochrangige Repräsentanten aus Bundes- und Landespolitik, Verwaltung, Medien und Wissenschaft.

Zu den namhaften Redner gehörten Spitzenpolitiker wie Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, und Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Auch Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sprach zum ersten Mal bei einem Verbandstag der Immobilienwirtschaft. So kündigte er an, sich für die Sonderabschreibung für die energetische Sanierung von Gebäuden einzusetzen. Diesbezüglich gibt es bereits Gespräche mit dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). „Bis Ende des Jahres sollte das entschieden sein“, sagte Altmaier.

 

Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, und ZIA-Präsident, Dr. Andreas Mattner | Foto: Norbert Wiedemann

 

Grünen-Chefin sprach sich für Bestellerprinzip aus

Über die bau- und wohnungspolitische Forderungen ihrer Fraktionen sowie die Vorhaben der aktuellen Bundesregierung diskutierten an diesem Tag auch die drei Oppositionsführer Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen), Christian Lindner (FDP) und Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke).

Zur Thematik, wie ein bezahlbares Umfeld geschaffen werden kann, schlug die Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckhardt die Einführung des Bestellerprinzips beim Wohnungskauf vor. „Warum diskutieren wir nicht über die Deckelung oder Abschaffung der Maklergebühr? Das Bestellerprinzip ist ja nicht so schwierig und hat bei den Mieten funktioniert. Warum man, das beim Wohnungskauf nicht einsetzt, hat mir bisher noch niemand erklären können. Es wäre zumindest besser als das Baukindergeld, das erzeugt nämlich nur Mitnahmeeffekte“, so die Grünen-Chefin.

 

Grünen-Chefin Katrin Goering-Eckardt | Foto: Norbert Wiedemann

 

FDP-Chef Lindner hingegen machte sich für die Streichung der Grunderwerbssteuer für Selbstnutzer beim Ersterwerb bzw. für die Einführung eines Freibetrages stark. Hinsichtlich des Freibetrages gab sich Linken-Fraktionschef Dr. Bartsch offen. Mit der Absenkung oder gar Streichung der Grunderwerbssteuer war er allerdings nicht einverstanden.

Der ZIA stellt erstmalig den neuen Kommunalrat vor

Anlässlich des diesjährigen Tags der Immobilienwirtschaft forderte der ZIA die Beschleunigung in der Stadtentwicklung, Planung und dem Bau. Im Hinblick darauf, hat der Verband einen Kommunalrat initiiert. Das Gremium setzt sich aus Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte sowie Vertretern der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklern zusammen. Oberbürgermeisterin Ludwigshafen a.D. und ehemalige Präsidentin des Deutschen Städtetags, Dr. Eva Lohse, wird die Position als Vorsitzende des Kommunalrats innehaben.

 

Der ZIA-Kommunalrat | Foto: Norbert Wiedemann

 

„Die neue Regierung hat das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in den kommenden vier Jahren ausgegeben, das wir voll unterstützen. Angesichts des derzeitigen Umfelds wirkt dieses Ziel aber utopisch. Wir brauchen schlankere Prozesse, schnellere Entscheidungen und mehr Effizienz beim Planen und Bauen“, erklärt Dr. Andreas Mattner. Die Mitgliederversammlung des ZIA hatte ihn im Rahmen des Tages der Immobilienwirtschaft für weitere drei Jahre zum ZIA-Präsidenten gewählt.

Quartiersentwicklung der Zukunft

Doch nicht nur die anwesenden politischen Vertreter sowie der ZIA-Kommunalrat haben Ideen, welche Aspekte bei der Schaffung von Wohnraum stärker berücksichtigt werden müssen. „Bei der Quartiersentwicklung der Zukunft darf nicht in Flurstücken gedacht werden, sondern in Städten. Auch muss die Lebenszeit von Immobilien nicht in Jahrzehnten, sondern in Generationen betrachtet werden. Die Dynamik des Wandels und besonders die Veränderungen durch die digitale Transformation in allen Lebensbereichen erfordert mehr Flexibilität und schafft kürzere Lebenszyklen. All dies muss bei der Entwicklung von Wohn- als auch Handelsimmobilien zukünftig wesentlich stärker berücksichtigt werden“, so Nils Blömke, Geschäftsführer der HD Handelsimmobilien GmbH (HDHI), am Rande der Veranstaltung.

 

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

 

(dn)

Wirtschaftstag: Handelskrieg und Künstliche Intelligenz

Ein wenig Beschwörung lag schon in seiner Stimme, als Werner Bahlsen die Kanzlerin einen „Garanten für Stabilität“ nannte. Allerdings war nicht ganz klar, ob der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU diese Feststellung an Angela Merkel adressierte, die gleich ihre Rede halten sollte – oder ob er damit die 3.500 Teilnehmer des Wirtschaftstages einstimmen wollte. Bekanntlich steht der unionsnahe Unternehmerverband seit jeher Merkels Wirtschaftspolitik kritisch gegenüber – sie ist ihnen zu sozialdemokratisch eingefärbt.

Auch diesmal war das Jahrestreffen des Wirtschaftsrats am 12. Juni im Berliner Maritim Hotel ein hochrangiges Stelldichein von Politik und Business. Unter dem Motto „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Währungsunion – Zukunftsthemen anpacken, Marktkräfte stärken“ wurden auf den verschiedenen Podien über den drohenden Handelskrieg mit den USA, das gemeinsame Vorgehen Europas und die Innovationsfähigkeit für die digitale Zukunft diskutiert. Angesichts spürbarer Verunsicherungen bei den Unternehmern waren vor allem die Referenten aus der Politik bemüht, Optimismus zu verbreiten.

Europa als Schlüssel zur Zukunft

So betonte die Kanzlerin ihre Grundüberzeugung, dass sich die gegenwärtigen Probleme von Flüchtlingskrise bis Handelsstreit mit den USA nur lösen lassen, wenn die EU Geschlossenheit zeigt. „Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“, so Merkel. Der Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump zeige nun auch vielen Europa-Skeptikern die großen Vorteile der EU.

Trumps Kritik an der deutschen Exportstärke konterte Merkel mit der Forderung nach einer Neuberechnung der internationalen Handelsbilanzen: „Die Handelsbilanzen werden heute relativ altmodisch berechnet.“ Bislang werde nur der Warentausch einbezogen. „Wenn Sie mal nach den Dienstleistungen fragen und wenn die mit in die Handelsbilanz einbezogen würden, dann gibt es einen großen Überschuss der USA gegenüber Europa. Und der Anteil der Dienstleistungen wird steigen.“

 

„Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“: Rednerin Merkel | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./ Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

„Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“: Rednerin Merkel | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

 

Digitalisierung lebensnotwendig

Entsprechend dringlich sei es, sagte die Kanzlerin, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit bei den Schlüsseltechnologien verbessere, um auf dem Weltmarkt gegen Asien und USA konkurrieren zu können. „Mutig und entschlossen“ müsse Europa vorangehen. Insbesondere die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz seien hierbei Schicksalsfragen und für Deutschland „lebensnotwendig“. Denn, so warnte Merkel, „wir haben bestimmte Fähigkeiten nicht mehr. Kann es gutgehen, wenn wir als ein Kontinent, der Autos herstellt, die Batteriezellen aus Asien kaufen und die digitale Infrastruktur eines Autos irgendwoher aus Asien oder Amerika?“ Dann gebe es bei uns keine Wertschöpfung mehr.

Also sei eine „Aufholjagd“ geboten. „Dann müssen wir halt über eine Legislaturperiode einen Plan machen.“ Nein, sie meine damit keine Planwirtschaft wie in China. „Aber wir können auch nicht in den Tag hineinleben. Bestimmte strategische Investitionen entwickeln sich über eine Dekade und nicht über zwei oder drei Jahre.“

 

Digitale Aufholjagd: Kanzlerin Merkel umwirbt die Manager und Unternehmer | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

 

Transatlantische Wertegemeinschaft

Kämpferisch gab sich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Er sprach sich mit Nachdruck für eine Abschaffung der Zölle aus und kündigte an, mit der US-Regierung weiter über Wege aus dem Handelskonflikt zu verhandeln. Zugleich erinnerte Altmaier an den hohen Wert des transatlantischen Bündnisses. In Anspielung auf die Amtszeit von Politikern rief er aus: „Die Wertegemeinschaft ist stärker als einzelne Politiker.“

Fast euphorisch quittierten die Teilnehmer des Wirtschaftstags den Auftritt des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Die Stichworte des 31-jährigen Regierungschefs zu Europa sprachen vielen Managern und Unternehmern aus dem Herzen. Österreich übernimmt ab 1. Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft. Kurz versprach, die europäischen Wettbewerbsfähigkeit voranbringen zu wollen, den bürokratischen Apparat der EU zu verschlanken und dafür zu sorgen, dass sich Brüssel stärker den wesentlichen Themen widme: Stärkerer Schutz der Außengrenzen, „mehr Europa“ bei Verteidigung, Sicherheit und Migration. Für die Wettbewerbsfähigkeit riet Kurz zu Steuersenkungen, Haushaltsdisziplin und vermehrten Investitionen in Bildung und Forschung.

Digitaler Masterplan

Solche Investitionen sind vor allem zu einer Offensive auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz notwendig. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek beschrieb Chancen wie Risiken der digitalen Technologien. Gleichzeitig machte sie aber auch klar, dass wir einer Auseinandersetzung nicht ausweichen dürfen, wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen. Bis zum Herbst, so Karliczek, werde sie einen Masterplan vorlegen, der sowohl digitale Bildung in den Schulen umfasse als auch die Forschungs- und Wirtschaftsakteure miteinander vernetzen solle, um aus Forschungsergebnissen schnellstmöglich anwendbare Produkte zu machen.

Auch in der Immobilienwirtschaft ist das Thema Digitalisierung nicht zuletzt durch die wachsende Anzahl von PropTech-Unternehmen erkennbar. Projektentwickler stellen sich mehr und mehr darauf ein. „Es geht schon bei der Kommunikation mit den Mietern los. Hier müssen vermehrt digitale Lösungen angeboten werden“, erklärt Andreas Schrobback, Geschäftsführer der AS Unternehmensgruppe, am Rande der Veranstaltung. Schrobback ist mit seinem Unternehmen auf die Sanierung von denkmalgeschützten Immobilien spezialisiert. „Den ein oder anderen mag es überraschen, doch auch in Denkmalschutzimmobilien können digitale Lösungen integriert und so deren Wohnqualität erhöhen werden.“

 

Unternehmen Andreas Schrobback im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz | Foto: Dirk Lässig

Unternehmer Andreas Schrobback im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz | Foto: Dirk Lässig

 

(hf)

Bewerbungsaufruf für die Innovatoren der Hauptstadtregion

Reinhold Hartwig, Geschäftsführer von GA Generic Assays, ist der Stolz anzusehen. Er durfte den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017 mit nach Hause nehmen. Aus seiner Sicht sind Wettbewerbe wie der Innovationspreis Berlin Brandenburg die beste Gelegenheit, um auf das eigene Unternehmen öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen: „Innovative Produkte müssen auch vermarktet werden. Durch den Innovationspreis haben wir bemerkt, was PR für ein Unternehmen bedeutet“, so Hartwig. „Plötzlich wurden wir auch von der Politik des Landes Brandenburg wahrgenommen. Wer eine innovative Entwicklung vorzuweisen hat, sollte seine Chance nutzen.“

Nun läuft die Bewerbungsphase 2018 und im Rahmen des 2. Innovationsfrühstücks bei der Investitionsbank Berlin (IBB) informierte das Organisationsteam des Wettbewerbs über das Bewerbungsprozedere. Neben Reinhold Hartwig war auch Michael Unbehauen, FU Berlin/DendroPharm (Preisträger 2016), zu Gast und berichtete aus erster Hand über seine Erfahrungen mit dem Innovationspreis: „Nicht zu unterschätzen ist der Effekt, den eine solche Auszeichnung auch auf die Mitarbeiter hat. Die Wertschätzung von außen, die eine hart erarbeitete Entwicklung anerkennt, schafft eine Motivation, die sehr deutlich bei den Mitarbeitern ankommt.“

„Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar“

Die Investitionsbank Berlin (IBB) ist langjähriger Partner und Unterstützer des Innovationspreises. Für Heinz-Joachim Mogge, Abteilungsleiter für Kundenberatung Wirtschaftsförderung der IBB, steht fest: „Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar.“

Der Innovationspreis Berlin Brandenburg ist einer der wichtigsten Wirtschaftspreise der Hauptstadtregion. 1984 in Westberlin ins Leben gerufen, loben die Länder Berlin und Brandenburg seit 1992 den Wettbewerb jährlich gemeinsam aus. Somit ist der Innovationspreis nicht nur traditionsreich, sondern gewinnt in Zeiten von Start-ups und Digitalinnovationen stetig an Bedeutung. Aufgefordert zur Bewerbung sind alle Innovatoren, Entwickler, Gründer und Tüftler der Hauptstadtregion, die zukunfts- und marktfähige Entwicklungen vorzuweisen haben.

Die Innovationen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen

Die Arbeitsplätze von morgen werden durch die Innovationen von heute geschaffen und gefördert, so das Credo des Preises. Als Instrument der Wirtschaftsförderung orientiert sich der Wettbewerb daran, dass für die Zukunft der Hauptstadtregion eine dynamische Entwicklung in den Zukunftsbranchen ausschlaggebend sei. Zugleich ist es Ziel des Innovationspreises Berlin Brandenburg, als lebendiger Jahrgangsprozess für engagierte Innovatorinnen und Innovatoren sowie für Innovationsförderer und öffentliche Entscheidungsträger eine breit angelegte und ergebnisorientierte Netzwerkplattform bereitzustellen. Ein reger Austausch und gegenseitige Impulse sind ein fester Bestandteil des Innovationspreises.

 

In diesem Jahr ist es noch einfacher als bisher sich für den Innovationspreis zu bewerben. | Foto: BERLINboxx

 

Bewerbungsphase für den Innovationspreis 2018 noch bis zum 07. Juli

Aktuell ist die Bewerbungsphase noch in vollem Gange. Noch gute drei Wochen, bis zum 7. Juli, besteht die Möglichkeit, seinen Hut in den Ring zu werfen und damit die Chance zu wahren, zu einem der Preisträger 2018 gekürt zu werden. Immerhin gibt es für jeden der bis zu fünf Gewinner auch noch ein Preisgeld von 10.000 Euro abzuräumen. Dabei ist es in diesem Jahr einfacher als jemals zuvor, am Wettbewerb teilzunehmen. Das sogenannte 2-Click-Verfahren über die Homepage des Innovationspreises ist unkompliziert und kann rasch abgeschlossen werden – einer Bewerbung steht also nichts mehr im Weg. Die diesjährigen Innovationspreise werden durch die Vertreter der Wirtschaftsverwaltungen der beiden Länder dann am 30. November im Kommunikationsmuseum in Berlin verliehen. (cn)

Link zur Bewerbung: www.innovationspreis.de/bewerbung/bewerbung.html

Lehrermangel: In Berlin fehlen mehr als 1.200 Lehrer

Aufgrund des sich vergrößernden Personalmangels , spitzt sich die Lage an Berliner Schulen immer mehr zu. Für das kommende Jahr werden mehr als 1.200 Lehrer benötigt, doch der Lehrermarkt ist so gut wie leer gefegt.

Um die Lücke zu schließen, setzt Bildungssenatorin Scheeres neben Quereinsteiger nun auch auf Pensionäre und Lehramtsstudenten.

Für das kommende Schuljahr braucht Berlin 3.000 Lehrer

Wie die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Pressekonferenz am vergangenen Montag bestätigte, gibt es derzeit an Berliner Schulen eine Versorgungslücke. Demnach fehlen nach den Sommerferien in Berlin etwa 500 Lehrer. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich 160 Pensionäre bereit erklärt, weiterzuarbeiten.

Die dramatische Lage um den Lehrermangel wird allerdings noch größer. Denn für das kommende Schuljahr werden 3.000 zusätzliche Lehrer gebraucht, um Pensionäre zu ersetzen und auf die steigende Schülerzahlen reagieren zu können. Laut der Bildungssenatorin konnten bislang von den 3.000 freien Lehrerstellen 1750 besetzt werden. 1250 sind allerdings noch offen.

Quereinsteiger sollen Lehrermangel ausgleichen

Um die Mangelsituation in den Griff zu bekommen, setzt Berlin nun auf sogenannte Quereinsteiger. Das sind diejenigen, die eine fachliche Ausbildung absolviert, aber kein Lehramt studiert haben. Die Quote der Quereinsteiger lag zuletzt bei rund 43 Prozent. „Es kann sein, dass wir jetzt über 50 Prozent kommen“, so Scheeres.

Für das bevorstehende Schuljahr haben sich 2.000 Quereinsteiger beworben, von denen jedoch nur 1.000 die Voraussetzungen erfüllten. Die Quereinsteiger werden vor allem in den Mangelfächern Mathematik, Musik, Sport und Physik eingesetzt.

Scheeres‘ Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Angesichts des akuten Lehrermangels, hat Scheeres Maßnahmen entwickelt, die die Streichung von einigen Schulangeboten vorsehen. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres. Dabei hatte die Senatorin in der Vergangenheit stets betont, wie wichtig zusätzliche Förderstunden doch seien.

Darüber hinaus soll die Verteilung der Lehrer gerechter werden. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, so die Senatorin. Des Weiteren gibt Scheeres Lehramtsstudenten die Möglichkeit, auf Minijob-Basis zu unterrichten. Ob es wirklich eine gute Lösung ist, Quereinsteiger oder Lehramtsstudenten einzusetzen, bleibt fragwürdig. Denn um den Unterricht sinnvoll gestalten zu können, fehlt es ihnen an qualifizierter pädagogischer Ausbildung. (dn)

Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2018 ausgezeichnet

Am Montag zeichneten die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sowie die Handwerkskammer Berlins beste Ausbildungsbetriebe in drei Kategorien aus. Unter den über 70 Bewerbern befanden sich Unternehmen aus Berlin und solche, die hier einen Standort besitzen. Ziel des Preises ist es, andere Unternehmen zur Bewerbung zu motivieren und ihre Ausbildungsattraktivität für junge Menschen zu erhöhen. In Anbetracht des erhöhten Fachkräftemangels der Hauptstadt ist es vielen Unternehmen ein Anliegen ihre ausstehenden Ausbildungsplätze überhaupt erst mit Nachwuchs zu besetzen und die Azubis durch ein gutes Image an sich zu binden. Die zehn-köpfige Jury, darunter auch Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke), zeichnete Unternehmen mit besonderer Ausbildungsaktivität und Engagement für benachteiligte Jugendliche oder Geflüchtete aus.

Solchen Einsatz können beispielsweise zusätzliche Projekte für Azubis, ermöglichte Auslandspraktika und die Übernahme der Fahrt- oder Führerscheinkosten ausmachen. Im Falle der Frisch und Faust Tiefbau GmbH, die den Preis in der Kategorie 51-249 Mitarbeiter gewannen, äußert sich das Engagement in der Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung von Auszubildenden für ihre Berufsschule. Den Preis für eine Unternehmensgröße von mehr als 250 Mitarbeitern erhielt der Fachgroßhandel für Haustechnik und Industriebedarf, BÄR & OLLENROTH KG. Doch auch in kleineren Unternehmen, die in der Kategorie bis zu 50 Mitarbeiter ausgezeichnet wurden, bemisst sich die Aktivität und Beteiligung nicht an der Größe des Unternehmens. Der Berliner Standort des Farbenherstellers Brillux und die Kreuzberger Druckerei Druckzuck erhielten beide einen Preis. Letztere integrierten im letzten Jahr den ersten Geflüchteten in ihr Team und übernahmen somit eine größere Verantwortung, denn neben der Berufsschule findet noch Deutschunterricht statt (Quelle: rbb Abendschau).

Nachhilfe für die Berufsschule kann eine Form des besonderen Engagements sein. | Foto: pexels.com

Die Qualität der Ausbildung als gesellschaftliche Aufgabe

„Der Wettbewerb beweist eindrucksvoll, welch hohen Stellenwert die Qualität der Ausbildung in den Betrieben genießt. Denn Fakt ist: Die Berliner Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs und bietet mehr Ausbildungsplätze an als im vergangenen Jahr. Leider wächst auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Unsere jüngste IHK-Umfrage belegt, dass bei 40 Prozent der ausbildenden Unternehmen Lehrstellen vakant bleiben. Daran etwas zu ändern ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin. In diesem Zusammenhang weist er auch auf die rund 99.000 fehlenden Fachkräfte der Stadt hin.

Abgesehen von dem Imageproblem der Berufsausbildung und dem zu schnellen Suchen nach irgendeinem Studienfach, wird berlinweit auch jede dritte Ausbildung abgebrochen. Das Imageproblem hängt auch international nicht mit dem Ruf deutscher Betriebe zusammen, sondern mit der Bezahlung die sich Studierende im Gegensatz zu Auszubildenden und somit späteren Gesellen erhoffen. Auch das Studienfach wird jedoch häufig aufgrund der Fülle an Möglichkeiten und der meist lockeren Anwesenheitspflichten nach zwei Semester gewechselt oder beendet.

Die diesjährigen Gewinner und Betriebe kommen aus den verschiedensten Branchen. | Foto: pexels.com

Bei Berlins besten Ausbildungsbetrieben entscheidet der Charakter

Das 1969 von der großen Koalition verabschiedete Berufsbildungsgesetz, sorgte in Wirtschaft und Industrie damals für harsche Kritik. Für die Erlaubnis als Betrieb ausbilden zu dürfen, war damals eine Genehmigung durch Bund und Länder nötig. Auch die Berufsausbildung selbst, war in starre Formen gedrängt und weitreichende Zusatzqualifikationen waren erst nach der grundlegenden Novellierung des Gesetzes 2005 möglich. Heute kann die Wirtschaft angesichts der klaffenden Lücken, Auftragsüberbuchungen und Verzögerungen von Fertigstellungen, beispielsweise im Baufachgewerbe, weniger Ansprüche stellen.

Die diesjährigen Gewinner geben jedoch an, dass es ihnen bei der Auswahl und Einstellung der Auszubildenden vermehrt um die charakterlichen Eigenschaften und persönlichen Qualifikationen des Menschen ginge, anstatt um gute Noten (Quelle: Berliner Zeitung und rbb Abendschau). Teilnahmeberechtigt sind alle Unternehmen, die im Rahmen der dualen, betrieblichen Ausbildung Ausbildungsverträge bei der IHK oder der Handwerkskammer Berlin registriert haben und ab Ausbildungsbeginn 2015 aktiv ausbilden. Auch Start-ups und Unternehmen, die noch jünger als fünf Jahre sind, konnten sich in diesem Jahr wieder in einer eigenen Kategorie bewerben. (cn)

DEKRA Technology Center: Baustein für die Mobilität der Zukunft

Obwohl es bereits in der DDR die ersten Pläne dazu gab, eröffnete der Lausitzring im Landkreis Oberspreewald-Lausitz erst im Jahr 2000. Seitdem kämpft die Rennstrecke um den durchschlagenden Erfolg und blieb ein Sorgenkind.

Die DEKRA übernahm die Anlage 2017 komplett und will sie nun in eine sichere Zukunft führen. Welche Ziele damit verbunden sind, erläuterte uns Volker Noeske, Leiter des vor Ort ansässigen DEKRA Technology Centers.

Herr Noeske, welche Pläne verfolgt DEKRA mit der für viele überraschenden Übernahme des Lausitzrings?

Der Lausitzring wird – zusammen mit unserem bestehenden DEKRA Technology Center – das größte unabhängige Prüf- und Testzentrum für das automatisierte und vernetzte Fahren der Zukunft. Hier bieten wir Dienstleistungen für Fahrzeughersteller, Zulieferer, Behörden oder auch Ingenieurdienstleister an. Auf unserem Testoval in direkter Nachbarschaft zum Lausitzring sind wir seit einiger Zeit an unsere Grenzen gestoßen und es war klar, dass wir Kapazitäten ausbauen müssen. Als sich dann die Möglichkeit ergeben hat, den Lausitzring zu übernehmen, hat das natürlich optimal gepasst. Schon jetzt nutzen unsere Kunden die neuen Möglichkeiten, im Laufe dieses Jahres kommen zusätzliche mögliche Testszenarien hinzu.

Wie will DEKRA das angekratzte Image der Rennstrecke aufpolieren?

Ich glaube nicht, dass der Standort für unsere Zwecke ein Imageproblem hat. Unsere Kunden kennen DEKRA als verlässlichen Partner, der mit neutralem Sachverstand und Expertenkompetenz Fahrzeuge und Komponenten prüft. Dass wir dafür nun neben unseren bisherigen Testanlagen den Lausitzring zur Verfügung haben und in Zukunft hier praktisch alle Testszenarien für automatisiertes und vernetztes Fahren aus einer Hand anbieten können, ist ein absoluter Pluspunkt. Und während unter der Woche die Experten Fahrzeuge testen, gibt es an vielen Wochenenden Highlights für Publikum und Endkunden.

Welche Bedeutung haben DEKRA und Lausitzring für die Niederlausitz?

Wir rechnen schon damit, dass sich unser Engagement hier am Lausitzring eher positiv für die Region auswirkt. Man muss es ja auch mal so sehen: Für Tests mit neuen Fahrzeugen, die vielleicht noch nicht jeder sehen soll, hat es durchaus Vorteile, eher nicht dort unterwegs zu sein, wo das pralle Leben tobt. Und: Im Hochschul-Dreieck Dresden-Cottbus-Berlin finden wir gute Voraussetzungen vor, die Experten zu rekrutieren, die wir für unsere Arbeit brauchen. Interessant war auch zu sehen, wie stark nach unserer Ankündigung, den Lausitzring zu übernehmen, die Initiativbewerbungen angestiegen sind. Es gibt viele junge Ingenieure, die aus der Region kommen und in den alten Bundesländern arbeiten, etwa bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern. Viele möchten gerne zurück in ihre Heimat – wenn es die entsprechenden Jobs gibt.

Welche Rolle spielen die Tests des DEKRA Technology Centers auf dem Lausitzring bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte?

Wenn das automatisierte und vernetzte Fahren Erfolg haben und sein Potenzial für die Verkehrssicherheit ausspielen soll, steht und fällt das damit, dass die Systeme und Technologien sicher sind und zuverlässig funktionieren. Und genau das stellen Tests und Prüfungen, wie wir sie am Lausitzring durchführen, sicher. Insofern bieten wir hier einen ganz wesentlichen Baustein für die Mobilität der Zukunft an. (red)

Neustart in Deutschland: Uber will E-Bikes in Berlin verleihen

Nachdem sein umstrittendes Geschäftsmodell 2015 in Deutschland verboten wurde, steigt der Fahrdienstleister nun auf ein neues Konzept um und will demnächst Elektrofahrräder in Berlin anbieten. „Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland und wir sind hier, um einen neuen Ansatz umzusetzen“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Uber ist ein Fahrdienstvermittler, der sich vor allem in den USA einen Namen gemacht hat. Mit seiner Dienstleistung UberPop werden private Fahrer, die ein Pkw besitzen, an beförderungswillige Kunden vermittelt. Um das Unternehmen weiter auszubauen, sei eine Expansion nach Europa nowendig. Das Unternehmen sieht vor allem Deutschland als wichtigen Markt.

Gescheiterte Expansion nach Europa

Während in den USA sich das Geschäftsmodell als erfolgreich erwiesen hat, hagelte es in Europa heftige Kritik. Vom Europäischen Gerichtshof wurde der Fahrdienstleister nicht als Vermittler eingestuft und wird daher nicht mehr als ein klassischer Taxidienst gesehen. Nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) in Deutschland müssten somit alle UberPop Fahrer eine Taxikonzession besitzen. Da die vermittelten Fahrer somit ohne Lizenz fahren, hat das Landgericht Frankfurt den Dienst im März 2015 für gesetzeswidrig erklärt. Uber hat diesen Dienst infolgedessen Ende Mai des selben Jahres vollständig eingestellt.

Das Umweltbewusstsein in der Hauptstadt wächst. Mittlerweile steigen immer mehr Menschen auf Elektrofahrzeuge um. Dies hat auch der Fahrdienstvermittler Uber erkannt und will künftig die Vermittlung von Elektrofahrräder anbieten. „Wir wollen die Elektrifizierung unterstützen. Nur mit Autos lässt sich Mobilität in Städten nicht stemmen“, sagte Dara Khosrowshahi

Neustart mit Elektrofahrräder

Bislang hat Uber elektrisch angetriebene Fahrräder nur in San Francisco angeboten. Mit Berlin wäre dies der zweite Ort. Erst im April hat der US-Fahrdienstleister das Start-up Jump übernommen. Die orangefarbenen E-Bikes vom New Yorker Start-up Jump will Uber bis Ende des Sommers auf die Straßen bringen.

 

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

 

Uber wäre damit allerdings nicht der einzige Dienstleister, der solche umweltbewussten Fahrmöglichkeiten anbietet. In Berlin konkurrieren bereits Anbieter wie Nextbike, oBikes oder Lidl-Bike am Markt.

Uber plant schon nächstes Projekt: UberGreen

Berlin spielt eine zentrale Rolle bei der Mobilität. Neben Elektrofahrrädern gibt es auch Sharing-Dienstleister, die elektrisch betriebene Autos oder auch Roller anbieten. Mit UberGreen will der Fahrdienstvermittler demnächst auch Elektroautos zur Verfügung stellen. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit Autoherstellern, um passende Fahrzeuge zu finden“, so der Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty.

In München startete bereits die Testphase mit 30 Renault Fahrzeugen. Auch in Berlin sollen bald Elektroautos zum Einsatz kommen. Geplant ist, dieses Angebot europaweit anzubieten. (dn)

Digitale Lernplattformen befinden sich auf dem Vormarsch

Stephan Bayer machte sprichwörtlich aus seiner Not eine Tugend, besser gesagt eine Geschäftsidee. Das war 2008, als er BWL- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin studierte. Wie vielen anderen Studenten machten auch ihm die Prüfungsvorbereitungen immer wieder zu schaffen. Da er vor allem Probleme mit dem sturen Auswendiglernen hatte, suchte Stephan Bayer nach einer anderen Lernmethode. Die Lösung brachte ein mit seiner Kamera aufgenommener Kurzfilm in Vorbereitung einer Mathematikprüfung. Jetzt erschloss sich ihm der Prüfungsstoff viel besser. Diese Erfahrung machten auch seine Kommilitonen, denen er sein Lernvideo zur Verfügung stellte. Diese kleine Geschichte markiert die Grundsteinlegung für seine mittlerweile mehrfach ausgezeichnete digitale Lernplattform sofatutor.com. Bayers Idee revolutionierte den Lernmittelmarkt. Er selber wurde einer der bekanntesten Experten für digitale Bildung und Lernmotivation.

Mit knapp 14.000 Lernvideos und 42.000 interaktiven Übungsaufgaben ist sein Berliner Unternehmen sofatutor einer der digitalen Vorreiter der deutschen Bildungslandschaft. Förderpartner der Lernplattform ist unter anderem das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Digitale Lernmaterialien für über 20 Fächer

Bayer und sein Team haben inzwischen digitale Lernmaterialien für 23 Fächer entwickelt. Besonders viel Wert legt er auf einen innovativen und zeitgemäß gestalteten Inhalt. Ansprechen sollen die digitalen Lernoptionen Schüler von der Grundschule bis zum Abitur, aber auch Auszubildende und Studierende finden passende Lerninhalte auf der Onlineplattform. Besonders wichtig ist Bayer die Einbeziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie sollen Spaß am Lernen haben. „In unseren neuesten digital animierten Videos zum Beispiel bauen wir Mathethemen in kleine Geschichten mit bunten und witzigen Charakteren ein. Kindern fällt es leichter, Fragen zu verstehen, wenn sie den Sinn dahinter verstehen“, erläutert Gründer Bayer. Also bietet er mit seinem Unternehmen neben Videos, interaktiven Übungen sowie Druckvorlagen für Arbeitsblätter auch einen Hausaufgaben- Chat an.

Täglich können Schüler mit fachspezifischen Lehrern chatten, um den Lernstoff und die Hausaufgaben besser erfassen und dann losen zu können. „Dort bekommen Schüler eine direkte Rückmeldung mit konkreten Tipps und Hinweisen zu offenen Problemstellungen, die zur richtigen Lösung verhelfen, ohne sie bloß vorzugeben“, erklärt Bayer. All diese Optionen können die jungen Plattformnutzer bequem von zu Hause in Anspruch nehmen. Bei sofatutor ist der Name Programm.

Wachstum stärkt die Position auf dem Bildungsmarkt

Anfang 2018 gewann die sofatutor GmbH mit Frog Capital einen neuen Gesellschafter hinzu. Investiert werden sollen rund drei Millionen Euro in die Weiterentwicklung der Onlineplattform sowie in den Ausbau ihrer Position auf dem Bildungsmarkt in der DACH-Region.

Zudem engagiert sich das junge Unternehmen in unterschiedlichen Kooperationsprojekten im Bereich „digitaler Unterricht“. Jüngst startete ein Projekt mit dem Bundesland Bremen. Das konnte der entscheidende Erfolgsfaktor für Bayers Online-Lernplattform „Made in Berlin“ sein. (lj)