Wohnträume der Berliner: Eigene vier Wände im grünen Umland

Das Berliner Umland wird immer attraktiver für Wohnungssuchende, die den Dilemmata des Berliner Wohnungsmarktes überdrüssig sind. Wegen steigender Mieten und dem Wohnungsmangel ziehen immer mehr Berliner in den städtischer werdenden Speckgürtel der Hauptstadt. Sie wollen sich dort ihre Wohnträume erfüllen. Die Zahlen des Wohnungsmarktberichts der Investitionsbank Berlin (IBB) erfassen ein vergleichbares Wachstum der Einwohnerzahlen im Umland wie in Berlin selbst. Von 2012 bis 2016 stiegen die Einwohnerzahlen im Umland um 5,6 Prozent an, in Berlin selbst waren es 5,9 Prozent. Besonders beliebt sind dabei die Regionen Potsdam, Falkensee und Königswusterhausen. Einfamilienhäuser dominieren weiterhin das Baugeschehen des Umlandes. Doch auch der Geschosswohnungsbau im Großstadtstil wird angesichts der Zuzüge nötig und lukrativ für Projektentwickler sein.

Mit den steigenden Einwohnerzahlen erhöhen sich natürlich auch die infrastrukturellen Anforderungen an das Brandenburger Umland und die Verbindungen nach Berlin. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher sieht schon lange die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit der beiden Länder. „Dass das Wachstum Berlins auch Auswirkungen auf Brandenburg und insbesondere die Umlandgemeinden hat, liegt auf der Hand. Wir stehen deshalb im ständigen Dialog, u.a. im kommunalen Nachbarschaftsforum, um auch die Entwicklung der wachsenden Stadtregion in einer geordneten und städtebaulich sinnvollen Art und Weise gemeinsam voranzubringen“, so Lompscher.

 

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

Die Anforderungen an die Infrastruktur der Umlands-Siedlungen erhöhen sich. | Foto: pexels.com

 

Die Wohnträume wären im Berliner Umland realisierbar

Rund 27.000 Wohnungen wurden im starken Wachstumszeitraum 2012 bis 2016 in Stadtnähe in Brandenburg gebaut, weitere 15.000 sind bereits genehmigt. Die meisten Fertigstellungen verzeichnete die Landeshauptstadt Potsdam. Mit einer Zunahme an Baugenehmigungen von 11,8 Prozent ist kein Ende der dynamischen Wohnungsbauentwicklung in Sicht. Die Attraktivität des Wohnens an der Schnittstelle zwischen städtischen Möglichkeiten und ländlicher Ruhe ist unangefochten. Wer im sogenannten Speckgürtel der Hauptstadt wohnt, nimmt das Beste von beidem mit. Doch stellt sich die Frage, ob die erhöhte Abwanderung ins Umland einem Wohntraum vom Leben im Grünen in städtischer Nähe entspricht. Oder ob sie vielmehr eine Konsequenz der dramatischen Wohnsituation Berlins ist.

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. Dieses Profil ergab die vom Baufinanzierungsvermittler Interhyp veröffentlichte „Wohntraumstudie 2018“. Nur die Hälfte der 60 Prozent in Klein- bis Großstädten lebenden Deutschen fühlt sich dort jedoch wohl. Ganze 56 Prozent fühlen sich von dem anhaltenden Straßenlärm ihres derzeitigen Wohnortes gestört, 44 Prozent sind es in Berlin. Während die Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) von einem freistehenden Einfamilienhaus träumt, spielen bei der Wohnungssuche auch Faktoren wie ein schöner Ausblick und die Nähe zur Natur mit jeweils 94 Prozent eine übergeordnete Rolle. Rund die Hälfte aller Befragten gibt jedoch an, dass ihre tatsächliche Situation besser sein könnte. Kompromisse werden laut 99 Prozent der Befragten keinesfalls bezüglich der Lage und Behaglichkeit gemacht. Stattdessen werden Abstriche am ehesten bei der Raumaufteilung und Bauweise der Immobilie gemacht.

 

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

Der Großteil der Deutschen lebt in Geschosswohnungen mit mindestens vier Zimmern, die unter 100 Quadratmeter groß sind. | Foto: pexels.com

 

Eigenheim mit Garten oder Mehrfamilienhaus in Naturnähe

Im Vergleich zur 2016 veröffentlichten Wohntraumstudie ist das Zuhause sogar noch bedeutender geworden. Für 57 Prozent (2016: noch 46 Prozent) ist das Zuhause sehr wichtig, für 40 Prozent wichtig. Das Zuhause gilt als Rückzugsort, ist aber auch ein Ort der Zusammenkunft mit Familie und Freunden. Wichtige Beweggründe vom Mieter zum Eigentümer zu werden, sind vor allem der größere Gestaltungsspielraum in der eigenen Immobilie und die Unabhängigkeit vom Vermieter. Insgesamt wünschen sich 76 Prozent der Befragten ein Eigenheim. Im Hinterkopf bleibt jedoch immer die Frage, was unter den aktuellen Umständen möglich und umsetzbar ist. Der Umzug in eine größere Wohnung ist in Berliner Verhältnissen, oft mit dem Wegzug aus dem Kiez verbunden. Mietserhöhungen sowie steigende Quadratmeterpreise, die sich verglichen mit alten Mietverträgen inzwischen fast verdoppelt haben, erschweren die Wohnungssuche in direkter Nachbarschaft.

Dieser maßvolle und realistische Umgang mit den eigenen Wohnträumen lässt vor allem darauf schließen, welchen bleibenden Eindruck die derzeitige Wohnungssuche hinterlässt. Zum anderen weisen diese Abwägungen auch positiv darauf hin, wie realistisch die Wohnungssuchenden vor diesem Hintergrund ihre Finanzen einschätzen können.Trotzdem wünschen sich 73 Prozent der Befragten eine größere Wohnfläche als die durchschnittlichen 100 Quadratmeter. Auch von einem Garten träumen die meisten Befragten. Dies ist vor dem Hintergrund der Landflucht interessant. Denn die Attraktivität des Brandenburger Umlandes bemisst sich nicht ausschließlich am Wohnstil des Einfamilienhauses oder der Nähe zur Natur. Neubausiedlungen mit Mehrfamilienhäusern prägen das Bild der Fertigstellungen. Auch diese befinden sich oft in Waldnähe oder integrieren gemeinschaftliche Garten- und Spielplatz-Konzepte im Innenhof der Gebäudekomplexe.

Zufriedene Berliner und die Alternative Großstadt

Der Senat sieht weitere vorhandene Bauflächen für die Entlastung des Berliner Wohnungsmarktes im Umland. Bis 2030 werden in Berlin 194.000 Wohnungen benötigt. Hiervon könnten 65.000 Wohnungen auf bestehenden Flächen in Brandenburg realisiert werden. Vor dem Hintergrund, dass 76 Prozent der Berliner laut Interhyp angeben, mit ihrer Wohnsituation zufrieden zu sein, stellt sich jedoch die Frage, ob der Umzug nach Brandenburg nicht eher als Notlösung in der „Provinz“, verbunden mit langen Fahrtzeiten und hohen Benzinkosten, gesehen wird.

 

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

76 Prozent der Berliner sind zufrieden mit ihrer Wohnsituation. | Foto: pexels.com

 

Zufriedener als die Berliner sind übrigens nur die Stuttgarter, 82 Prozent von ihnen würden ihre Wohnsituation nicht eintauschen. Infolge der Zufriedenheitsrate könnte also auch vermutet werden, dass Berliner, die bereits eine geeignete Wohnung gefunden haben, glücklich mit den Vorteilen des Hauptstadtlebens sind. Gründe für das Leben an einem immer teurer werdenden Standort wie Berlin sind eine Vielzahl an Kultureinrichtungen, Selbstverwirklichungsmöglichkeiten und berufliche Vorteile. Auch die bekannte Berliner Mischung ist immer wieder ein entscheidendes Kriterium für die Wahl der Großstadt. Im Speckgürtel hingegen macht die „Alternative Großstadt“ nur die Hälfte der Möglichkeiten und Wohnträume aus. (cn)

ZIA Tag der Immobilienwirtschaft 2018

Eng verzahnt mit der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft stellt die Immobilienwirtschaft ein wichtiger Markt für Deutschland dar. Der deutsche Immobilienmarkt ist gewiss national als auch international mit gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft. Nicht zuletzt wird Europa, vor allem jedoch Deutschland, mit den Folgen des Brexits zu kämpfen haben. Angesichts dieser Herausforderung ist es wichtig, einen Überblick über diesen vielfältigen Wirtschaftszweig zu haben.

Am vergangenen Mittwoch veranstaltete der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e. V. im Berliner Tempodrom den Tag der Immobilienwirtschaft 2018 unter dem Motto „Global denken – Lokal investieren“. Es ist der größte Branchentag der deutschen Immobilienwirtschaft.

 

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel im Gespräch mit Susanne Tattersall (TATTERSALL· LORENZ Immobilienverwaltung und -management GmbH) und Andreas Schrobback (AS Unternehmensgruppe) | Foto: Charles Yunck

 

Ein EU-Kommissar, zwei Bundesminister, drei Oppositionsführer und 1.900 Besucher

Der Tag der Immobilienwirtschaft des ZIA bietet für viele Unternehmer und Politiker eine hervorragende Plattform, um über zukunftsweisenden Themen und wichtige Fragen der Branche zu diskutieren. Beim diesjährigen Tag der Immobilienwirtschaft waren rund 1.900 Gäste anwesend, darunter hochrangige Repräsentanten aus Bundes- und Landespolitik, Verwaltung, Medien und Wissenschaft.

Zu den namhaften Redner gehörten Spitzenpolitiker wie Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal, und Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Auch Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, sprach zum ersten Mal bei einem Verbandstag der Immobilienwirtschaft. So kündigte er an, sich für die Sonderabschreibung für die energetische Sanierung von Gebäuden einzusetzen. Diesbezüglich gibt es bereits Gespräche mit dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). „Bis Ende des Jahres sollte das entschieden sein“, sagte Altmaier.

 

Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier, und ZIA-Präsident, Dr. Andreas Mattner | Foto: Norbert Wiedemann

 

Grünen-Chefin sprach sich für Bestellerprinzip aus

Über die bau- und wohnungspolitische Forderungen ihrer Fraktionen sowie die Vorhaben der aktuellen Bundesregierung diskutierten an diesem Tag auch die drei Oppositionsführer Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen), Christian Lindner (FDP) und Dr. Dietmar Bartsch (Die Linke).

Zur Thematik, wie ein bezahlbares Umfeld geschaffen werden kann, schlug die Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckhardt die Einführung des Bestellerprinzips beim Wohnungskauf vor. „Warum diskutieren wir nicht über die Deckelung oder Abschaffung der Maklergebühr? Das Bestellerprinzip ist ja nicht so schwierig und hat bei den Mieten funktioniert. Warum man, das beim Wohnungskauf nicht einsetzt, hat mir bisher noch niemand erklären können. Es wäre zumindest besser als das Baukindergeld, das erzeugt nämlich nur Mitnahmeeffekte“, so die Grünen-Chefin.

 

Grünen-Chefin Katrin Goering-Eckardt | Foto: Norbert Wiedemann

 

FDP-Chef Lindner hingegen machte sich für die Streichung der Grunderwerbssteuer für Selbstnutzer beim Ersterwerb bzw. für die Einführung eines Freibetrages stark. Hinsichtlich des Freibetrages gab sich Linken-Fraktionschef Dr. Bartsch offen. Mit der Absenkung oder gar Streichung der Grunderwerbssteuer war er allerdings nicht einverstanden.

Der ZIA stellt erstmalig den neuen Kommunalrat vor

Anlässlich des diesjährigen Tags der Immobilienwirtschaft forderte der ZIA die Beschleunigung in der Stadtentwicklung, Planung und dem Bau. Im Hinblick darauf, hat der Verband einen Kommunalrat initiiert. Das Gremium setzt sich aus Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte sowie Vertretern der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklern zusammen. Oberbürgermeisterin Ludwigshafen a.D. und ehemalige Präsidentin des Deutschen Städtetags, Dr. Eva Lohse, wird die Position als Vorsitzende des Kommunalrats innehaben.

 

Der ZIA-Kommunalrat | Foto: Norbert Wiedemann

 

„Die neue Regierung hat das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in den kommenden vier Jahren ausgegeben, das wir voll unterstützen. Angesichts des derzeitigen Umfelds wirkt dieses Ziel aber utopisch. Wir brauchen schlankere Prozesse, schnellere Entscheidungen und mehr Effizienz beim Planen und Bauen“, erklärt Dr. Andreas Mattner. Die Mitgliederversammlung des ZIA hatte ihn im Rahmen des Tages der Immobilienwirtschaft für weitere drei Jahre zum ZIA-Präsidenten gewählt.

Quartiersentwicklung der Zukunft

Doch nicht nur die anwesenden politischen Vertreter sowie der ZIA-Kommunalrat haben Ideen, welche Aspekte bei der Schaffung von Wohnraum stärker berücksichtigt werden müssen. „Bei der Quartiersentwicklung der Zukunft darf nicht in Flurstücken gedacht werden, sondern in Städten. Auch muss die Lebenszeit von Immobilien nicht in Jahrzehnten, sondern in Generationen betrachtet werden. Die Dynamik des Wandels und besonders die Veränderungen durch die digitale Transformation in allen Lebensbereichen erfordert mehr Flexibilität und schafft kürzere Lebenszyklen. All dies muss bei der Entwicklung von Wohn- als auch Handelsimmobilien zukünftig wesentlich stärker berücksichtigt werden“, so Nils Blömke, Geschäftsführer der HD Handelsimmobilien GmbH (HDHI), am Rande der Veranstaltung.

 

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

v.l.n.r.: Nils Blömke (Geschäftsführer HD Handelsimmobilien GmbH), Christian Lindner (Bundesvorsitzender FDP) und BERLINboxx-Verleger Frank Schmeichel | Foto: Charles Yunck

 

(dn)

Wirtschaftstag: Handelskrieg und Künstliche Intelligenz

Ein wenig Beschwörung lag schon in seiner Stimme, als Werner Bahlsen die Kanzlerin einen „Garanten für Stabilität“ nannte. Allerdings war nicht ganz klar, ob der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU diese Feststellung an Angela Merkel adressierte, die gleich ihre Rede halten sollte – oder ob er damit die 3.500 Teilnehmer des Wirtschaftstages einstimmen wollte. Bekanntlich steht der unionsnahe Unternehmerverband seit jeher Merkels Wirtschaftspolitik kritisch gegenüber – sie ist ihnen zu sozialdemokratisch eingefärbt.

Auch diesmal war das Jahrestreffen des Wirtschaftsrats am 12. Juni im Berliner Maritim Hotel ein hochrangiges Stelldichein von Politik und Business. Unter dem Motto „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Währungsunion – Zukunftsthemen anpacken, Marktkräfte stärken“ wurden auf den verschiedenen Podien über den drohenden Handelskrieg mit den USA, das gemeinsame Vorgehen Europas und die Innovationsfähigkeit für die digitale Zukunft diskutiert. Angesichts spürbarer Verunsicherungen bei den Unternehmern waren vor allem die Referenten aus der Politik bemüht, Optimismus zu verbreiten.

Europa als Schlüssel zur Zukunft

So betonte die Kanzlerin ihre Grundüberzeugung, dass sich die gegenwärtigen Probleme von Flüchtlingskrise bis Handelsstreit mit den USA nur lösen lassen, wenn die EU Geschlossenheit zeigt. „Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“, so Merkel. Der Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump zeige nun auch vielen Europa-Skeptikern die großen Vorteile der EU.

Trumps Kritik an der deutschen Exportstärke konterte Merkel mit der Forderung nach einer Neuberechnung der internationalen Handelsbilanzen: „Die Handelsbilanzen werden heute relativ altmodisch berechnet.“ Bislang werde nur der Warentausch einbezogen. „Wenn Sie mal nach den Dienstleistungen fragen und wenn die mit in die Handelsbilanz einbezogen würden, dann gibt es einen großen Überschuss der USA gegenüber Europa. Und der Anteil der Dienstleistungen wird steigen.“

 

„Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“: Rednerin Merkel | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./ Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

„Der Schlüssel für unsere Zukunft ist Europa“: Rednerin Merkel | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

 

Digitalisierung lebensnotwendig

Entsprechend dringlich sei es, sagte die Kanzlerin, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit bei den Schlüsseltechnologien verbessere, um auf dem Weltmarkt gegen Asien und USA konkurrieren zu können. „Mutig und entschlossen“ müsse Europa vorangehen. Insbesondere die Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz seien hierbei Schicksalsfragen und für Deutschland „lebensnotwendig“. Denn, so warnte Merkel, „wir haben bestimmte Fähigkeiten nicht mehr. Kann es gutgehen, wenn wir als ein Kontinent, der Autos herstellt, die Batteriezellen aus Asien kaufen und die digitale Infrastruktur eines Autos irgendwoher aus Asien oder Amerika?“ Dann gebe es bei uns keine Wertschöpfung mehr.

Also sei eine „Aufholjagd“ geboten. „Dann müssen wir halt über eine Legislaturperiode einen Plan machen.“ Nein, sie meine damit keine Planwirtschaft wie in China. „Aber wir können auch nicht in den Tag hineinleben. Bestimmte strategische Investitionen entwickeln sich über eine Dekade und nicht über zwei oder drei Jahre.“

 

Digitale Aufholjagd: Kanzlerin Merkel umwirbt die Manager und Unternehmer | Foto: Wirtschaftsrat der CDU e.V./Christian Kruppa, Hans-Christian Plambeck, Jens Schick

 

Transatlantische Wertegemeinschaft

Kämpferisch gab sich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Er sprach sich mit Nachdruck für eine Abschaffung der Zölle aus und kündigte an, mit der US-Regierung weiter über Wege aus dem Handelskonflikt zu verhandeln. Zugleich erinnerte Altmaier an den hohen Wert des transatlantischen Bündnisses. In Anspielung auf die Amtszeit von Politikern rief er aus: „Die Wertegemeinschaft ist stärker als einzelne Politiker.“

Fast euphorisch quittierten die Teilnehmer des Wirtschaftstags den Auftritt des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Die Stichworte des 31-jährigen Regierungschefs zu Europa sprachen vielen Managern und Unternehmern aus dem Herzen. Österreich übernimmt ab 1. Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft. Kurz versprach, die europäischen Wettbewerbsfähigkeit voranbringen zu wollen, den bürokratischen Apparat der EU zu verschlanken und dafür zu sorgen, dass sich Brüssel stärker den wesentlichen Themen widme: Stärkerer Schutz der Außengrenzen, „mehr Europa“ bei Verteidigung, Sicherheit und Migration. Für die Wettbewerbsfähigkeit riet Kurz zu Steuersenkungen, Haushaltsdisziplin und vermehrten Investitionen in Bildung und Forschung.

Digitaler Masterplan

Solche Investitionen sind vor allem zu einer Offensive auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz notwendig. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek beschrieb Chancen wie Risiken der digitalen Technologien. Gleichzeitig machte sie aber auch klar, dass wir einer Auseinandersetzung nicht ausweichen dürfen, wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen. Bis zum Herbst, so Karliczek, werde sie einen Masterplan vorlegen, der sowohl digitale Bildung in den Schulen umfasse als auch die Forschungs- und Wirtschaftsakteure miteinander vernetzen solle, um aus Forschungsergebnissen schnellstmöglich anwendbare Produkte zu machen.

Auch in der Immobilienwirtschaft ist das Thema Digitalisierung nicht zuletzt durch die wachsende Anzahl von PropTech-Unternehmen erkennbar. Projektentwickler stellen sich mehr und mehr darauf ein. „Es geht schon bei der Kommunikation mit den Mietern los. Hier müssen vermehrt digitale Lösungen angeboten werden“, erklärt Andreas Schrobback, Geschäftsführer der AS Unternehmensgruppe, am Rande der Veranstaltung. Schrobback ist mit seinem Unternehmen auf die Sanierung von denkmalgeschützten Immobilien spezialisiert. „Den ein oder anderen mag es überraschen, doch auch in Denkmalschutzimmobilien können digitale Lösungen integriert und so deren Wohnqualität erhöhen werden.“

 

Unternehmen Andreas Schrobback im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz | Foto: Dirk Lässig

Unternehmer Andreas Schrobback im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz | Foto: Dirk Lässig

 

(hf)

Bewerbungsaufruf für die Innovatoren der Hauptstadtregion

Reinhold Hartwig, Geschäftsführer von GA Generic Assays, ist der Stolz anzusehen. Er durfte den Innovationspreis Berlin Brandenburg 2017 mit nach Hause nehmen. Aus seiner Sicht sind Wettbewerbe wie der Innovationspreis Berlin Brandenburg die beste Gelegenheit, um auf das eigene Unternehmen öffentlichkeitswirksam aufmerksam zu machen: „Innovative Produkte müssen auch vermarktet werden. Durch den Innovationspreis haben wir bemerkt, was PR für ein Unternehmen bedeutet“, so Hartwig. „Plötzlich wurden wir auch von der Politik des Landes Brandenburg wahrgenommen. Wer eine innovative Entwicklung vorzuweisen hat, sollte seine Chance nutzen.“

Nun läuft die Bewerbungsphase 2018 und im Rahmen des 2. Innovationsfrühstücks bei der Investitionsbank Berlin (IBB) informierte das Organisationsteam des Wettbewerbs über das Bewerbungsprozedere. Neben Reinhold Hartwig war auch Michael Unbehauen, FU Berlin/DendroPharm (Preisträger 2016), zu Gast und berichtete aus erster Hand über seine Erfahrungen mit dem Innovationspreis: „Nicht zu unterschätzen ist der Effekt, den eine solche Auszeichnung auch auf die Mitarbeiter hat. Die Wertschätzung von außen, die eine hart erarbeitete Entwicklung anerkennt, schafft eine Motivation, die sehr deutlich bei den Mitarbeitern ankommt.“

„Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar“

Die Investitionsbank Berlin (IBB) ist langjähriger Partner und Unterstützer des Innovationspreises. Für Heinz-Joachim Mogge, Abteilungsleiter für Kundenberatung Wirtschaftsförderung der IBB, steht fest: „Der Gewinn des Innovationspreises stellt eindeutig einen Wettbewerbsvorteil dar.“

Der Innovationspreis Berlin Brandenburg ist einer der wichtigsten Wirtschaftspreise der Hauptstadtregion. 1984 in Westberlin ins Leben gerufen, loben die Länder Berlin und Brandenburg seit 1992 den Wettbewerb jährlich gemeinsam aus. Somit ist der Innovationspreis nicht nur traditionsreich, sondern gewinnt in Zeiten von Start-ups und Digitalinnovationen stetig an Bedeutung. Aufgefordert zur Bewerbung sind alle Innovatoren, Entwickler, Gründer und Tüftler der Hauptstadtregion, die zukunfts- und marktfähige Entwicklungen vorzuweisen haben.

Die Innovationen von heute sind die Arbeitsplätze von morgen

Die Arbeitsplätze von morgen werden durch die Innovationen von heute geschaffen und gefördert, so das Credo des Preises. Als Instrument der Wirtschaftsförderung orientiert sich der Wettbewerb daran, dass für die Zukunft der Hauptstadtregion eine dynamische Entwicklung in den Zukunftsbranchen ausschlaggebend sei. Zugleich ist es Ziel des Innovationspreises Berlin Brandenburg, als lebendiger Jahrgangsprozess für engagierte Innovatorinnen und Innovatoren sowie für Innovationsförderer und öffentliche Entscheidungsträger eine breit angelegte und ergebnisorientierte Netzwerkplattform bereitzustellen. Ein reger Austausch und gegenseitige Impulse sind ein fester Bestandteil des Innovationspreises.

 

In diesem Jahr ist es noch einfacher als bisher sich für den Innovationspreis zu bewerben. | Foto: BERLINboxx

 

Bewerbungsphase für den Innovationspreis 2018 noch bis zum 07. Juli

Aktuell ist die Bewerbungsphase noch in vollem Gange. Noch gute drei Wochen, bis zum 7. Juli, besteht die Möglichkeit, seinen Hut in den Ring zu werfen und damit die Chance zu wahren, zu einem der Preisträger 2018 gekürt zu werden. Immerhin gibt es für jeden der bis zu fünf Gewinner auch noch ein Preisgeld von 10.000 Euro abzuräumen. Dabei ist es in diesem Jahr einfacher als jemals zuvor, am Wettbewerb teilzunehmen. Das sogenannte 2-Click-Verfahren über die Homepage des Innovationspreises ist unkompliziert und kann rasch abgeschlossen werden – einer Bewerbung steht also nichts mehr im Weg. Die diesjährigen Innovationspreise werden durch die Vertreter der Wirtschaftsverwaltungen der beiden Länder dann am 30. November im Kommunikationsmuseum in Berlin verliehen. (cn)

Link zur Bewerbung: www.innovationspreis.de/bewerbung/bewerbung.html

Lehrermangel: In Berlin fehlen mehr als 1.200 Lehrer

Aufgrund des sich vergrößernden Personalmangels , spitzt sich die Lage an Berliner Schulen immer mehr zu. Für das kommende Jahr werden mehr als 1.200 Lehrer benötigt, doch der Lehrermarkt ist so gut wie leer gefegt.

Um die Lücke zu schließen, setzt Bildungssenatorin Scheeres neben Quereinsteiger nun auch auf Pensionäre und Lehramtsstudenten.

Für das kommende Schuljahr braucht Berlin 3.000 Lehrer

Wie die Bildungssenatorin Sandra Scheeres bei der Pressekonferenz am vergangenen Montag bestätigte, gibt es derzeit an Berliner Schulen eine Versorgungslücke. Demnach fehlen nach den Sommerferien in Berlin etwa 500 Lehrer. Um diese Lücke auszufüllen, haben sich 160 Pensionäre bereit erklärt, weiterzuarbeiten.

Die dramatische Lage um den Lehrermangel wird allerdings noch größer. Denn für das kommende Schuljahr werden 3.000 zusätzliche Lehrer gebraucht, um Pensionäre zu ersetzen und auf die steigende Schülerzahlen reagieren zu können. Laut der Bildungssenatorin konnten bislang von den 3.000 freien Lehrerstellen 1750 besetzt werden. 1250 sind allerdings noch offen.

Quereinsteiger sollen Lehrermangel ausgleichen

Um die Mangelsituation in den Griff zu bekommen, setzt Berlin nun auf sogenannte Quereinsteiger. Das sind diejenigen, die eine fachliche Ausbildung absolviert, aber kein Lehramt studiert haben. Die Quote der Quereinsteiger lag zuletzt bei rund 43 Prozent. „Es kann sein, dass wir jetzt über 50 Prozent kommen“, so Scheeres.

Für das bevorstehende Schuljahr haben sich 2.000 Quereinsteiger beworben, von denen jedoch nur 1.000 die Voraussetzungen erfüllten. Die Quereinsteiger werden vor allem in den Mangelfächern Mathematik, Musik, Sport und Physik eingesetzt.

Scheeres‘ Maßnahmen gegen den Lehrermangel

Angesichts des akuten Lehrermangels, hat Scheeres Maßnahmen entwickelt, die die Streichung von einigen Schulangeboten vorsehen. „Die Schulleitungen können Stunden für Sprachförderung, Integration oder Inklusion heranziehen, um das schulische Pflichtangebot zu sichern“, sagte Scheeres. Dabei hatte die Senatorin in der Vergangenheit stets betont, wie wichtig zusätzliche Förderstunden doch seien.

Darüber hinaus soll die Verteilung der Lehrer gerechter werden. „Wir werden neue, qualifizierte Lehrer umlenken in die sozialen Brennpunkte“, so die Senatorin. Des Weiteren gibt Scheeres Lehramtsstudenten die Möglichkeit, auf Minijob-Basis zu unterrichten. Ob es wirklich eine gute Lösung ist, Quereinsteiger oder Lehramtsstudenten einzusetzen, bleibt fragwürdig. Denn um den Unterricht sinnvoll gestalten zu können, fehlt es ihnen an qualifizierter pädagogischer Ausbildung. (dn)

Zukunft und Sichtbarkeit für die Toleranz: „Pears Jüdischer Campus“ Berlin

In der Westfälischen Straße in Berlin Charlottenburg wird bis 2020 der „Pears Jüdischer Campus“ als interkulturelle Begegnungsstätte und Bildungszentrum entstehen. Am Sonntag setzte Außenminister Heiko Maas den ersten Spatenstich für das deutschlandweit größte Projekt seiner Art. Der seit 2008 von Rabbiner Yehuda Teichtal geplante Campus soll eine Ausbildung vom Kindergarten bis zum Abitur unter jüdisch-orthodoxen Gesichtspunkten ermöglichen. Auch die Erwachsenenbildung und Flächen für Festveranstaltungen, Aufführungen, Kunst und Kultur werden planmäßig untergebracht. Als Ort der Toleranz und des Miteinanders sowie der Erhöhung der Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in der Stadt, wird der jüdische Campus bewusst als offener Ort betont. Hier sollen auch nicht-jüdische Organisationen, Religionen und Menschen willkommen sein sowie Platz für ihre Veranstaltungen geboten werden.

Zwei Drittel der Bauinvestition in Höhe von 18 Millionen Euro sind bereits zusammengetragen. Das bisher beispiellose Projekt unterstützen neben dem Bund, dem Land Berlin und der EU, hauptsächlich die „Pears Family Charitable Foundation“, die auch Namensgeber sind. Rabbiner Teichtal ist Mitglied der orthodoxen Berliner Chabad Lubawitsch-Gemeinde, die das Bildungs- und Begegnungszentrum auch leiten werden. „Orthodox aber offen“ mithilfe von Integration, lautet der zweigleisige Fahrplan.

 

Der Campus wird eine Begegnungsstätte der Toleranz. | Foto: pexels.com/ Tirachard Kumtanom

Der Campus wird eine Begegnungsstätte der Toleranz. | Foto: pexels.com/ Tirachard Kumtanom

 

„Wunder der Vergebung“ statt erneute Antisemitismusgefahr

Außenminister Maas erinnerte an das Zitat des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter-Steinmeier: „Wer Häuser baut, der bleibt“. Dieses verwendete er damals bei der Einweihung des Bildungszentrums der Chabad-Gemeinde, 2011. Maas fügte zum Spatenstich diesmal zuversichtlich und erfreut hinzu: „Wer einen Campus baut, der baut die Zukunft. Denn der Jüdische Campus ist ein starkes Zeichen, ein dauerhaftes Bekenntnis zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und eine hoffungsvolle Bereicherung für die Bildungslandschaft in Berlin.“ Weitere hochranginge Zeugen der Initiierung waren Kultursenator Klaus Lederer, Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau und der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Der Campus sei auch in Zeiten erneuter „Herausforderungen mit dem Antisemitismus“, von Fremdenfeindlichkeit und „Berührungsängsten“ ein wichtiges Gegenbeispiel für Toleranz und Anerkennung, wie Rabbiner Teichtal  betonte (Quelle: rbb). Maas bezeichnete die durch Sport, Kultur und Offenheit getragene Bildungseinrichtung des Weiteren als „Wunder der Vergebung“. Diese Zukunft nimmt nun 10 Jahre nach Beginn der Planung durch den visionären Rabbiner und 80 Jahre nach den Novemberprogromen 1938, endlich Form an. Rabbiner Teichtal kam vor 22 Jahren aus New York nach Berlin um „Brücken zu schaffen“, die nun großflächiger den je Gestalt annehmen.

 

Damals schon beim jüdischen Lichtfest Chanukka dabei: (v.l.n.r.) Jeremy Issacharoff, Israelischer Botschafter, Heiko Maas, Bundesjustizminister, Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin, Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, Rabbiner Yehuda Teichtal | Foto: Dirk Lässig

Damals schon beim jüdischen Lichtfest Chanukka dabei: (v.l.n.r.) Jeremy Issacharoff, Israelischer Botschafter, Heiko Maas, Bundesjustizminister, Michael Müller, Regierender Bürgermeister Berlin, Siegfried Nehls, Vorstand SANUS AG, Rabbiner Yehuda Teichtal | Foto: Dirk Lässig

 

Orthodoxer Stil und moderne Architektur auf dem „Pears Jüdischer Campus“

Die orthodoxe Schul- und Kleiderordnung sowie das koschere Mensa-Essen, entgegen eines jüdisch-liberalen Lebensstils, werden mit der Integration aller Lernenden begründet. Durch Regeln wie beispielsweise die Geschlechtertrennung bei Tanzveranstaltungen, könnten auch Kinder aus orthodoxen Familien am gesamten Alltag auf dem Campus teilhaben. So würde keine erneute Aufteilung in den integrierten Einrichtungen Kita, Grundschule, Gymnasium und Sport herrschen. Diese wird bei den Schulfächern jedoch in weltliche und religiöse Fächer vorgenommen. 7000 Quadratmeter wird die Einrichtung auf einem Grundstück in der Westfälischen Straße umfassen. Für Rabbiner Teichtal ist der gewählte Standort, nicht nur der seiner Gemeinde, sondern Berlin zeigt sich durch die Realisierung seines Projekts, weiterhin als „offener Ort für alle Menschen aus allen Gesellschaften“ (Quelle: Berliner Morgenpost).

Entworfen wird der Campus von Star-Architekt Sergej Tchoban. Seine Entwürfe sind in Berlin bereits in Form des Cubix Multiplex-Kinos am Alexanderplatz, der Mall of Berlin am Leipziger Platz und vielen weiteren Bauten zu sehen. In Potsdam realisierte der russisch-stämmige Tchoban die Wohnanlage Speicherstadt und beweist Flexibilität und Kreativität was die Nutzung seiner entworfenen Gebäude angeht. Wie die B.Z. berichtet, soll der mit glasierter Keramik zu verkleidende „Jüdische Campus“ im Blau der israelischen Flagge erstrahlen. (cn)

Berlins beste Ausbildungsbetriebe 2018 ausgezeichnet

Am Montag zeichneten die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) sowie die Handwerkskammer Berlins beste Ausbildungsbetriebe in drei Kategorien aus. Unter den über 70 Bewerbern befanden sich Unternehmen aus Berlin und solche, die hier einen Standort besitzen. Ziel des Preises ist es, andere Unternehmen zur Bewerbung zu motivieren und ihre Ausbildungsattraktivität für junge Menschen zu erhöhen. In Anbetracht des erhöhten Fachkräftemangels der Hauptstadt ist es vielen Unternehmen ein Anliegen ihre ausstehenden Ausbildungsplätze überhaupt erst mit Nachwuchs zu besetzen und die Azubis durch ein gutes Image an sich zu binden. Die zehn-köpfige Jury, darunter auch Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke), zeichnete Unternehmen mit besonderer Ausbildungsaktivität und Engagement für benachteiligte Jugendliche oder Geflüchtete aus.

Solchen Einsatz können beispielsweise zusätzliche Projekte für Azubis, ermöglichte Auslandspraktika und die Übernahme der Fahrt- oder Führerscheinkosten ausmachen. Im Falle der Frisch und Faust Tiefbau GmbH, die den Preis in der Kategorie 51-249 Mitarbeiter gewannen, äußert sich das Engagement in der Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung von Auszubildenden für ihre Berufsschule. Den Preis für eine Unternehmensgröße von mehr als 250 Mitarbeitern erhielt der Fachgroßhandel für Haustechnik und Industriebedarf, BÄR & OLLENROTH KG. Doch auch in kleineren Unternehmen, die in der Kategorie bis zu 50 Mitarbeiter ausgezeichnet wurden, bemisst sich die Aktivität und Beteiligung nicht an der Größe des Unternehmens. Der Berliner Standort des Farbenherstellers Brillux und die Kreuzberger Druckerei Druckzuck erhielten beide einen Preis. Letztere integrierten im letzten Jahr den ersten Geflüchteten in ihr Team und übernahmen somit eine größere Verantwortung, denn neben der Berufsschule findet noch Deutschunterricht statt (Quelle: rbb Abendschau).

Nachhilfe für die Berufsschule kann eine Form des besonderen Engagements sein. | Foto: pexels.com

Die Qualität der Ausbildung als gesellschaftliche Aufgabe

„Der Wettbewerb beweist eindrucksvoll, welch hohen Stellenwert die Qualität der Ausbildung in den Betrieben genießt. Denn Fakt ist: Die Berliner Wirtschaft sucht händeringend Nachwuchs und bietet mehr Ausbildungsplätze an als im vergangenen Jahr. Leider wächst auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Unsere jüngste IHK-Umfrage belegt, dass bei 40 Prozent der ausbildenden Unternehmen Lehrstellen vakant bleiben. Daran etwas zu ändern ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Tobias Weber, Vizepräsident der IHK Berlin. In diesem Zusammenhang weist er auch auf die rund 99.000 fehlenden Fachkräfte der Stadt hin.

Abgesehen von dem Imageproblem der Berufsausbildung und dem zu schnellen Suchen nach irgendeinem Studienfach, wird berlinweit auch jede dritte Ausbildung abgebrochen. Das Imageproblem hängt auch international nicht mit dem Ruf deutscher Betriebe zusammen, sondern mit der Bezahlung die sich Studierende im Gegensatz zu Auszubildenden und somit späteren Gesellen erhoffen. Auch das Studienfach wird jedoch häufig aufgrund der Fülle an Möglichkeiten und der meist lockeren Anwesenheitspflichten nach zwei Semester gewechselt oder beendet.

Die diesjährigen Gewinner und Betriebe kommen aus den verschiedensten Branchen. | Foto: pexels.com

Bei Berlins besten Ausbildungsbetrieben entscheidet der Charakter

Das 1969 von der großen Koalition verabschiedete Berufsbildungsgesetz, sorgte in Wirtschaft und Industrie damals für harsche Kritik. Für die Erlaubnis als Betrieb ausbilden zu dürfen, war damals eine Genehmigung durch Bund und Länder nötig. Auch die Berufsausbildung selbst, war in starre Formen gedrängt und weitreichende Zusatzqualifikationen waren erst nach der grundlegenden Novellierung des Gesetzes 2005 möglich. Heute kann die Wirtschaft angesichts der klaffenden Lücken, Auftragsüberbuchungen und Verzögerungen von Fertigstellungen, beispielsweise im Baufachgewerbe, weniger Ansprüche stellen.

Die diesjährigen Gewinner geben jedoch an, dass es ihnen bei der Auswahl und Einstellung der Auszubildenden vermehrt um die charakterlichen Eigenschaften und persönlichen Qualifikationen des Menschen ginge, anstatt um gute Noten (Quelle: Berliner Zeitung und rbb Abendschau). Teilnahmeberechtigt sind alle Unternehmen, die im Rahmen der dualen, betrieblichen Ausbildung Ausbildungsverträge bei der IHK oder der Handwerkskammer Berlin registriert haben und ab Ausbildungsbeginn 2015 aktiv ausbilden. Auch Start-ups und Unternehmen, die noch jünger als fünf Jahre sind, konnten sich in diesem Jahr wieder in einer eigenen Kategorie bewerben. (cn)

HD Gruppe expandiert nach Portugal: Grundstück für 158 Wohnungen in Lissabon gekauft

Die Berliner HD Gruppe expandiert nach Portugal. Der Investitionsfokus liegt auf der Metropolregion Lissabon. Kürzlich wurde von einer portugiesischen Familiendynastie ein rund 5.500 m² großes Grundstück im Norden Lissabons gekauft. Berater bei der Transaktion über 20 Mio. Euro waren JLL Portugal sowie die portugiesische Anwaltskanzlei PLMJ Advogados.

Auf dem Grundstück in der Lissabonner Stadtgemeinde (Freguesia) São Domingos de Benfica soll das erste Wohnungsbauprojekt des Unternehmens in Portugal entstehen. Es umfasst nach aktuellem Planungsstand drei Gebäude mit 158 Wohnungen sowie Büros, Einzelhandelsflächen und 215 Stellplätze. Die oberirdische Bruttogrundfläche beträgt ca. 22.400 m². Direkt daneben baut die portugiesische Zentralbank (Banco de Portugal) ein Verwaltungsgebäude für ca. 1.500 Mitarbeiter.

Lissabon und Portugal sind allgemein ein attraktiver Investitionsstandort

„Wir beobachten den portugiesischen Immobilienmarkt schon eine Weile und haben uns ein professionelles Netzwerk vor Ort geschaffen. Die Nachfrage nach Wohnraum insbesondere im Wirtschaftszentrum Lissabon steigt seit 2013 kontinuierlich an. Sowohl als Anlageobjekt als auch für die Eigennutzung, etwa durch Fachkräfte oder Studierende, die die Stadt für sich entdeckt haben. Auch für uns ist Lissabon ein attraktiver Investitionsstandort, an dem wir zukünftig Wohnbau- und Student Housing-Projekte realisieren wollen“, so Herbert Dzial, Gründer und Geschäftsführer der HD Gruppe, über die Pläne der HD Gruppe in Portugal.

Bereits jetzt werden andere Grundstücke für die Entwicklung und den Bau von Wohn- und Student Housing-Projekten in der Metropolregion Lissabon, so etwa in Estoril, Cascais, Carcavelos sowie Almada, evaluiert. Weitere Ankäufe über die portugiesische Tochtergesellschaft der HD Gruppe sind für das 3. Quartal 2018 avisiert. Erste Investoren sind dafür bereits gewonnen worden. Darüber hinaus richtet sich das Interesse der HD Gruppe auf die Universitätsstadt Porto.

Die Verwaltung in Lissabon arbeitet deutlich schneller als in Berlin

„Das Investitionsklima auf dem portugiesischen Immobilienmarkt wird von Jahr zu Jahr besser. Auch Genehmigungsprozesse für Bauvorhaben sind wesentlich unkomplizierter und schneller abzuwickeln als derzeit in Deutschland. Seit der Krise zwischen 2011 und 2014 erholt sich das Land mehr und mehr. So sind nicht nur ein florierender Tourismus sowie eine stark wachsende, kreative Start-up-Szene in Lissabon vorzufinden, sondern auch namhafte internationale Unternehmen wie Google oder Microsoft haben Büros sowie Technologie-Hubs in und um Lissabon eröffnet“, erläutert Dzial die Gründe für die Expansion nach Portugal. (cr)

DEKRA Technology Center: Baustein für die Mobilität der Zukunft

Obwohl es bereits in der DDR die ersten Pläne dazu gab, eröffnete der Lausitzring im Landkreis Oberspreewald-Lausitz erst im Jahr 2000. Seitdem kämpft die Rennstrecke um den durchschlagenden Erfolg und blieb ein Sorgenkind.

Die DEKRA übernahm die Anlage 2017 komplett und will sie nun in eine sichere Zukunft führen. Welche Ziele damit verbunden sind, erläuterte uns Volker Noeske, Leiter des vor Ort ansässigen DEKRA Technology Centers.

Herr Noeske, welche Pläne verfolgt DEKRA mit der für viele überraschenden Übernahme des Lausitzrings?

Der Lausitzring wird – zusammen mit unserem bestehenden DEKRA Technology Center – das größte unabhängige Prüf- und Testzentrum für das automatisierte und vernetzte Fahren der Zukunft. Hier bieten wir Dienstleistungen für Fahrzeughersteller, Zulieferer, Behörden oder auch Ingenieurdienstleister an. Auf unserem Testoval in direkter Nachbarschaft zum Lausitzring sind wir seit einiger Zeit an unsere Grenzen gestoßen und es war klar, dass wir Kapazitäten ausbauen müssen. Als sich dann die Möglichkeit ergeben hat, den Lausitzring zu übernehmen, hat das natürlich optimal gepasst. Schon jetzt nutzen unsere Kunden die neuen Möglichkeiten, im Laufe dieses Jahres kommen zusätzliche mögliche Testszenarien hinzu.

Wie will DEKRA das angekratzte Image der Rennstrecke aufpolieren?

Ich glaube nicht, dass der Standort für unsere Zwecke ein Imageproblem hat. Unsere Kunden kennen DEKRA als verlässlichen Partner, der mit neutralem Sachverstand und Expertenkompetenz Fahrzeuge und Komponenten prüft. Dass wir dafür nun neben unseren bisherigen Testanlagen den Lausitzring zur Verfügung haben und in Zukunft hier praktisch alle Testszenarien für automatisiertes und vernetztes Fahren aus einer Hand anbieten können, ist ein absoluter Pluspunkt. Und während unter der Woche die Experten Fahrzeuge testen, gibt es an vielen Wochenenden Highlights für Publikum und Endkunden.

Welche Bedeutung haben DEKRA und Lausitzring für die Niederlausitz?

Wir rechnen schon damit, dass sich unser Engagement hier am Lausitzring eher positiv für die Region auswirkt. Man muss es ja auch mal so sehen: Für Tests mit neuen Fahrzeugen, die vielleicht noch nicht jeder sehen soll, hat es durchaus Vorteile, eher nicht dort unterwegs zu sein, wo das pralle Leben tobt. Und: Im Hochschul-Dreieck Dresden-Cottbus-Berlin finden wir gute Voraussetzungen vor, die Experten zu rekrutieren, die wir für unsere Arbeit brauchen. Interessant war auch zu sehen, wie stark nach unserer Ankündigung, den Lausitzring zu übernehmen, die Initiativbewerbungen angestiegen sind. Es gibt viele junge Ingenieure, die aus der Region kommen und in den alten Bundesländern arbeiten, etwa bei Fahrzeugherstellern und Zulieferern. Viele möchten gerne zurück in ihre Heimat – wenn es die entsprechenden Jobs gibt.

Welche Rolle spielen die Tests des DEKRA Technology Centers auf dem Lausitzring bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte?

Wenn das automatisierte und vernetzte Fahren Erfolg haben und sein Potenzial für die Verkehrssicherheit ausspielen soll, steht und fällt das damit, dass die Systeme und Technologien sicher sind und zuverlässig funktionieren. Und genau das stellen Tests und Prüfungen, wie wir sie am Lausitzring durchführen, sicher. Insofern bieten wir hier einen ganz wesentlichen Baustein für die Mobilität der Zukunft an. (red)

Neustart in Deutschland: Uber will E-Bikes in Berlin verleihen

Nachdem sein umstrittendes Geschäftsmodell 2015 in Deutschland verboten wurde, steigt der Fahrdienstleister nun auf ein neues Konzept um und will demnächst Elektrofahrräder in Berlin anbieten. „Wir hatten einen sehr schlechten Start in Deutschland und wir sind hier, um einen neuen Ansatz umzusetzen“, sagte Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Uber ist ein Fahrdienstvermittler, der sich vor allem in den USA einen Namen gemacht hat. Mit seiner Dienstleistung UberPop werden private Fahrer, die ein Pkw besitzen, an beförderungswillige Kunden vermittelt. Um das Unternehmen weiter auszubauen, sei eine Expansion nach Europa nowendig. Das Unternehmen sieht vor allem Deutschland als wichtigen Markt.

Gescheiterte Expansion nach Europa

Während in den USA sich das Geschäftsmodell als erfolgreich erwiesen hat, hagelte es in Europa heftige Kritik. Vom Europäischen Gerichtshof wurde der Fahrdienstleister nicht als Vermittler eingestuft und wird daher nicht mehr als ein klassischer Taxidienst gesehen. Nach dem Personenbeförderungsgesetz (PBefG) in Deutschland müssten somit alle UberPop Fahrer eine Taxikonzession besitzen. Da die vermittelten Fahrer somit ohne Lizenz fahren, hat das Landgericht Frankfurt den Dienst im März 2015 für gesetzeswidrig erklärt. Uber hat diesen Dienst infolgedessen Ende Mai des selben Jahres vollständig eingestellt.

Das Umweltbewusstsein in der Hauptstadt wächst. Mittlerweile steigen immer mehr Menschen auf Elektrofahrzeuge um. Dies hat auch der Fahrdienstvermittler Uber erkannt und will künftig die Vermittlung von Elektrofahrräder anbieten. „Wir wollen die Elektrifizierung unterstützen. Nur mit Autos lässt sich Mobilität in Städten nicht stemmen“, sagte Dara Khosrowshahi

Neustart mit Elektrofahrräder

Bislang hat Uber elektrisch angetriebene Fahrräder nur in San Francisco angeboten. Mit Berlin wäre dies der zweite Ort. Erst im April hat der US-Fahrdienstleister das Start-up Jump übernommen. Die orangefarbenen E-Bikes vom New Yorker Start-up Jump will Uber bis Ende des Sommers auf die Straßen bringen.

 

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

Ende Sommer soll der E-Bike-Sharingdienst in Berlin starten | Foto: JUMP Bikes

 

Uber wäre damit allerdings nicht der einzige Dienstleister, der solche umweltbewussten Fahrmöglichkeiten anbietet. In Berlin konkurrieren bereits Anbieter wie Nextbike, oBikes oder Lidl-Bike am Markt.

Uber plant schon nächstes Projekt: UberGreen

Berlin spielt eine zentrale Rolle bei der Mobilität. Neben Elektrofahrrädern gibt es auch Sharing-Dienstleister, die elektrisch betriebene Autos oder auch Roller anbieten. Mit UberGreen will der Fahrdienstvermittler demnächst auch Elektroautos zur Verfügung stellen. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit Autoherstellern, um passende Fahrzeuge zu finden“, so der Europachef Pierre-Dimitri Gore-Coty.

In München startete bereits die Testphase mit 30 Renault Fahrzeugen. Auch in Berlin sollen bald Elektroautos zum Einsatz kommen. Geplant ist, dieses Angebot europaweit anzubieten. (dn)