Brexit: Deutschland hat besonders zu kämpfen | Foto: Pixabay

Brexit: Deutschland hat besonders zu kämpfen

In knapp einem Jahr verabschiedet sich Großbritannien offiziell von der Europäischen Union (EU). Dass der Brexit für alle Beteiligten nicht reibungslos verlaufen wird, war schon im Vorfeld klar. Doch nun geht aus einer Studie des Europäischen Ausschusses der Regionen hervor, dass vor allem Deutschland wirtschaftlich leiden wird.

Von den 50 europäischen Regionen, die besonders von den Auswirkungen des Austritts betroffen sein werden, befinden sich allein 41 in Deutschland. Laut der Studie werden vor allem Hamburg und Berlin mit den wirtschaftlichen Folgen des Brexits zu kämpfen haben.

Großbritannien und die Europäische Union

Nach 47 Jahren wird das Vereinigte Königreich am 29. März 2019 um 23 Uhr die EU verlassen. Dabei war der Weg in die Europäische Union, damals noch Europäische Gemeinschaft (EG), nicht einfach gewesen. Vor allem den Franzosen war ein Beitritt Großbritanniens ein Dorn im Auge. Der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle fürchtete sich nämlich um Frankreichs Position in den Europäischen Gemeinschaften. Zweimal legte Frankreich ein Veto ein.

Erst nach dem Rücktritt Charles de Gaulles im Jahr 1969 war der Weg für die Briten frei. Nach zwei abgelehnten Anträgen wurde Großbritannien im dritten Anlauf endlich in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen.

Großbritannien ist wichtiger Handelspartner für Deutschland

Seit Großbritanniens Beitritt in die Europäische Union ist das Königreich zu einem wichtigen Handelspartner für Deutschland geworden. Den Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zufolge, lag das Vereinigte Königreich 2016 auf Platz fünf der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Insgesamt wurden zwischen den beiden Staaten Waren im Wert von 121,6 Milliarden Euro gehandelt. Davon betrug der Export allein 86 Milliarden Euro. Damit ist Großbritannien nach den USA und Frankreich der drittgrößte Exportpartner.

Auf der Insel haben rund 2.500 deutsche Unternehmen eine Niederlassung, die knapp 400.000 Mitarbeiter beschäftigen. Anders wiederum sind 3.000 britische Unternehmen in Deutschland beheimatet. Sollten nun, wie Experten vermuten, viele Unternehmen aus Großbritannien nach Deutschland ziehen, werden die Immobilienpreise drastisch steigen. In der Hauptstadt herrscht ohnehin schon Wohnraum- und Gewerbeflächenmangel.

Brexit: Berlin wirtschaftlich stark betroffen

Noch gibt es zwischen Großbritannien und Deutschland keine Zölle und Handelsbeschränkungen. Doch dies kann sich schon sehr bald ändern. Die britische Regierung sucht derzeit schon 5.000 Zollbeamte. „Angesichts ihrer engen Beziehungen legt der Bericht nahe, dass deutsche Regionen zu den am stärksten vom Austritt Großbritanniens aus der EU betroffenen Ländern gehören könnten“, sagt Karl-Heinz Lambertz, Präsident des Europäischen Ausschusses der Regionen.

In Deutschland wird der Brexit vor allem Berlin stark treffen. Denn in Berlin liegt der Anteil der regionalen Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewerbe, der den Folgen des Brexits ausgesetzt ist, bei 17,2 Prozent. Von Großbritanniens Austritt hat lediglich Irland am stärksten mit den Auswirkungen zu kämpfen. Angesichts dieser problematischen Lage der deutschen Wirtschaft forderte Lambertz ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den verbleibenden EU-Mitgliedern, das die Zölle auf ein Minimum beschränkt. Zudem sprach er sich für einen freien Warenverkehr aus.

Zwar haben sich die deutschen Firmen in der Vergangenheit bereits mit dem Sachverhalt auseinander gesetzt, doch sind bis heute die konkreten Folgen des Brexits nicht vollständig vorhersehbar. (dn)

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.