Berliner Stadtschloss | Foto: Sandy Lunitz

Baustelle Kulturforum als Vorzeigeprojekt

Berlin eilt der Ruf voraus, dass Großprojekte immer zu teuer werden und viel zu lange dauern. Das befürchtete die Öffentlichkeit auch von der wichtigsten Kulturbaustelle Deutschlands, dem Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt Forum, im Herzen der Hauptstadt. Doch es kam anders.

Einer, der von Anfang an etwas gegen dieses Negativszenario hatte, war und ist Wilhelm von Boddien. Bereits 1992 initiierte der gelernte Kaufmann den Fördervereins Berliner Schloss e. V., um den Wiederaufbau mithilfe von Spendengeldern zu realisieren. Ende 2017 sind schon drei Viertel der Bauzeit (von 2013 bis 2019) zurückgelegt. Nach wie vor sieht von Boddien das Datum zur Fertigstellung des Schlosses als Kulturforum Ende des Jahres 2019 als ein Versprechen an, das es einzuhalten gilt. Dagegen ist für den BER nun schon der siebte Eröffnungstermin im Herbst 2020 festgelegt. Nur weil für den BER niemand Verantwortung übernehmen möchte, sollte die Skepsis nicht auf alle Berliner Großbauprojekte überschwappen.

Die Kritiker werden immer stiller

In den vergangenen Jahren durchlebte von Boddien zusammen mit den Mitarbeitern des Fördervereins Höhen und Tiefen. Ähnlich wie bereits beim BER zeigte die öffentliche Meinung zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses als Humboldt Forum gleichzeitig ein Spektrum von großem Enthusiasmus bis vernichtender Kritik. In den Medien Berlins überwogen zunächst schmähende Herabsetzungen des Wiederaufbaus des Schlosses. Es wurde als Fake oder Disneyland diskreditiert. „Gerade einmal zehn Prozent unserer Spender kamen so zur Zeit der Grundsteinlegung aus Berlin. Jetzt sind es schon über 50 Prozent“, meint von Boddien.

Das kritische Medienecho ist überwiegend verhallt und die Berliner beginnen sich mit dem Bauprojekt zu identifizieren. „Nachdem wir nun das Projekt einigermaßen erfolgreich nach vorn gebracht haben und auch täglich mehr von der historischen Schönheit des Gebäudes sichtbar wird, werden auch scharfe Kritiker immer stiller“, so von Boddien. Kein Anlass für von Boddien, in Höhenflüge oder in Eitelkeiten zu verfallen. Bescheiden beharrt der Norddeutsche darauf, dass er über seinen Verdienst daran in seinem Alter nicht mehr nachdenkt und der Ruhm den Spendern und Mitarbeitern gebührt.

105 Millionen Euro für das Projekt

Der Kaufmann steht zu seinem Wort und so hat er mit dem Förderverein bereits 76 Millionen der versprochenen 105 Millionen Euro bereitstellen können. Mit der nahenden Fertigstellung des Schlosses erhöht sich auch wieder der Druck aus der Öffentlichkeit auf den Erfolg der Spendensammlung. „Deswegen werde ich so lange an der Erfüllung meines Versprechens arbeiten, bis auch der letzte Cent abgeliefert wurde“, sagt Wilhelm von Boddien. Bislang bleibt er optimistisch, die fehlenden Fördergelder noch rechtzeitig beschaffen zu können.

Sein Weg dazu führt über die Begeisterung der Berliner und Hauptstadttouristen beim Anblick des fertiggestellten Humboldt Forums mit seiner berühmten historischen Schlossfassade. Daran richtet sich seine zukünftige Öffentlichkeitsarbeit aus – und in der Ehrung der Spender, die mit ihrer Spende öffentlich in die Wiederaufbaugeschichte des Schlosses eingehen. Zahlreiche Spender sowie die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter helfen ihm intensiv dabei. Die Verantwortung für das Gemeinschaftsprojekt übernimmt von Boddien mit einer überraschenden Gelassenheit, von der sich die BER-Verantwortlichen eine Scheibe abschneiden könnten. (lj)

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