Lufthansa-Übernahme von insolventer Air Berlin: Konsolidierungsprozess wird Monate dauern

  • Lufthansa übernimmt Air Berlin für 1,5 Mrd. EUR

  • 3000 Air Berlin-Mitarbeiter werden übernommen

Air Berlin ist Geschichte. Aber Air Berlin, das sind auch 8.000 Einzelschicksale, die nun durch Missmanagement und Größenwahn ihren Arbeitsplatz verlieren. Da können alle Beteiligten froh sein, dass im Insolvenzverfahren nicht ein weiterer Hasardeur zum Zuge kommt, sondern ein solider und verlässlicher Partner wie die Lufthansa mit Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, die 1926 in Berlin gegründet wurde, dem seinerzeit größten Luftverkehrsdrehkreuz der Welt.

Damit ist es seit Langem vorbei. Bedingt durch die deutsche Teilung durfte die Deutsche Lufthansa die Stadt Berlin über Jahrzehnte gar nicht anfliegen. Nach dem Fall der Mauer durfte der Kranich zwar wieder landen, aber Berlin war zu einem Provinzflughafen herabgestutzt worden. In diese Zeit fällt auch die Gründung von Air Berlin. Air Berlin war mit dem roten Logo ein großartiger Botschafter für die vereinte deutsche Hauptstadt. Mit Billig-Tickets hat sie Millionen Menschen ermöglicht, Fernreisen zu unternehmen. Fragil war das Geschäftsmodell von Air Berlin indes schon immer. Sehr bald traten erste Turbulenzen auf, die durch das Engagement von Etihad beruhigt wurden. Doch Verluste häuften sich an, die absurde Größen annahmen. Experten prognostizierten seit Jahren den wirtschaftlichen Exitus der Airline.

Lufthansa-CEO Carsten Spohr (Mitte) im Berlin Capital Club mit Club-Präsident
Jörg Woltmann (links) und Dieter R. Klostermann, Chairman, CCA International

Carsten Spohr mit BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (links) und Digitalpionier Joachim Oehler,
Buy&Build Investments (rechts)

Positive Signale von der Lufthansa

Insofern ist der „historische Tag“ auch die Chance eines Neubeginns. Erste positive Signale konnte Spohr am Tag der Vertragsunterzeichnung bereits vor Unternehmern im Berlin Capital Club verkünden: Übernahme von 3000 Mitarbeitern, eine Investition von 1,5 Milliarden Euro, eine neue Direktflugverbindung nach New York, ein Jumbojet, den die Airline in Tegel stationieren wird. Der Luftfahrtmanager will „möglichst viel Verkehr aufrechterhalten“ – eine wichtige Botschaft für die durch hunderte von Flugausfällen der trudelnden Air Berlin gebeutelten Passagiere.

Neben den Positivsignalen redet Carsten Spohr auch Klartext: Man rechne mit einem schwierigen Konsolidierungsprozess. Jedoch werde man den Fehler von Air Berlin, mit Dumpingangeboten Marktanteile gewinnen zu wollen, nicht wiederholen. Daher seien Preiserhöhungen auf bestimmten Strecken nicht vermeidbar. Diese klaren Worte sind wichtig nach der verlogenen Kommunikationspolitik von Air Berlin.

Vertrauen kann man haben zu dem Lufthanseaten Carsten Spohr, der die vor sich hin dümpelnde Lufthansa in seiner dreijährigen Amtszeit wieder voll auf Kurs gebracht hat. Wie kein anderer seiner Vorgänger verdient er den Namen Lufthanseat: Jahrelang saß er als Kapitän selbst im Cockpit und kennt die Welt der Airline aus der Binnensicht. Der letzte Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann war als Geschäftsführer der Lufthansa-Tochter Germanwings Mitarbeiter von Spohr. Offenbar eine gute Schule. Spohr zollte dem glücklosen Air Berlin-Chef seinen Respekt für den Parforceritt, die 150-Millionen-Euro-Bürgschaft innerhalb eines Wochenendes mit der Bundesregierung verhandelt zu haben. Das habe eine harte Landung oder gar einen Crash verhindert und die Lösung mit der Lufthansa erst ermöglicht.

Lars Göpfert, Geschäftsführer Aviation Power (links) und Carsten Spohr

Digitalisierung als Herausforderung

Fundiert ging Luftfahrtmanager Spohr auch auf Fragen nach langfristigen Perspektiven für die Lufthansa ein: Das Thema Digitalisierung sei eine gesamtunternehmerische Herausforderung für den Konzern. Hier werde mit Nachdruck zum Beispiel mit der Lufthansa Start-Up-Einheit „Innovation Hub“ an der Verbesserung und Individualisierung von Servicekomponenten gearbeitet. Innovative Unternehmen mit digitalen Strategien werden bewusst eingebunden und seien Teil der Strategie. Auch zum Forschungsbereich Luftinfrastrukturveränderungen wurde ein Unternehmen gegründet, das sich zum Beispiel mit der Entwicklung des Drohnenverkehrs beschäftige. Schon vor zwei Jahren wurde eine Kooperation mit dem Drohnenhersteller DJI geschlossen, mit der der Konzern Einsatzmöglichkeiten von UAVs im Luftverkehr erforschen wolle. Für diese Innovationsfelder rief Spohr die anwesenden Unternehmer auf, aktiv auf sein Unternehmen zuzukommen.

Einer von ihnen ist Digitalpionier Joachim Oehler, von Buy&Build Investments: „Wenn die Lufthansa ihr hohes innovatives Niveau halten will, muss sie auch das hohe Niveau für digitale Transformation, dass sie im Marketing und Technik hat, für alle Bereiche und Segmente weiterentwickeln. Diese digitale Kernkompetenz gelingt nur mittels Kooperationen und weiterer Engagements in der Digitalwirtschaft.“

Berlin Capital Club am Gendarmenmarkt: Carsten Spohr und Marcel Pelzer, Manpower Deutschland

Die Kassen der Lufthansa sind für diese nachhaltige Unternehmensentwicklung gut gefüllt. Für die Lufthansa war das erste Halbjahr mit einer Verdoppelung des Gewinns auf 1,04 Mrd. Euro das beste in der Unternehmensgeschichte. Im DAX ist die Aktie mit einem Plus von über 70 Prozent seit Anfang 2017 mit Abstand der größte Gewinner. (fs)

Fotos: © Dirk Lässig
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