Bahnpendler aus Brandenburg: Warten auf ein Expressnetz nach Berlin

Lange Fahrzeiten, unpünktliche Züge, schlechte An- und Verbindungen sind eine regelrechte Zumutung für Hauptstadtpendler, aber auch für Touristen und Berliner. Geplant sind laut der Deutschen Bahn Bauarbeiten an 50 Streckenabschnitten oder Einzel-Bauarbeiten. Das ist auch dringend notwendig, denn Staus auf der Autobahn sind fast genauso lang wie die wartenden Pendlerschlangen vor den Zügen.

Einst wurde das Konzept „Zielnetz 2000“ aufgestellt, um den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im Metropolenraum von Berlin und Brandenburg zu regeln. Dabei sollte der Vorortverkehr deutlich vom Regional Express-Verkehr getrennt werden. Allerdings ist 2017 von einem funktionierenden „Stadt-Express-Netz“ oder einer Koordinierung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Regionalverkehr nicht viel zu spüren. Grund dafür sind vor allem die Einsparmaßnahmen der Vergangenheit, u.a. zusätzliche Halte von Regional-Zügen im Berliner Umland. Die hätten beispielsweise den Vorortverkehr mit der S-Bahn entlasten können. Mittlerweile sind selbst die RE-Züge völlig überfüllt.

Der tägliche Pendlerstrom will nicht abreißen

Derzeit pendeln, laut dem rbb|24-Pendleratlas, ca. 280.000 Beschäftigte pro Werktag zwischen Berlin und Brandenburg. Davon sind 200.000 Beschäftige aus Brandenburg, die in der Hauptstadt berufstätig sind. Wohnen in Brandenburg und arbeiten in Berlin ist ein geeignetes Modell, um den Wohnungsmarkt in der Hauptstadt zu entlasten. Da die Mehrheit der Pendler die Bahn nutzt, muss ein gut ausgebautes Bahnliniennetz als Grundvoraussetzung vorhanden sein. Bis 2030 erwartet Brandenburg sogar noch weiteren Zuzug in den Berliner „Speckgürtel“. Wirtschaftlich profitabel ist das sowohl für Brandenburg, als auch für die Hauptstadt. Allerdings sind die jetzigen Bahnkapazitäten schon fast ausgelastet, bei erneuert wachsenden Pendlerzahlen und zunehmenden Baustellen zu einem Hindernis werden. Die neue Mobilitätsstrategie für Berlin-Brandenburg wurde bereits am Anfang diesen Jahres vorgestellt.

„Der Einfall ersetzt nicht die Arbeit“

In der Entwicklungsstrategie für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Berlin und Brandenburg der Innoverse GmbH, im Auftrag der CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg steht: „Um allen Brandenburger Städten gute Entwicklungschancen zu sichern, muss der Regionalverkehr deutlich anspruchsvollere Fahrzeit-Ziele anstreben. So sollen alle Mittelzentren im Berliner Umland in maximal 30 Minuten vom Berliner Zentrum erreichbar werden, die Oberzenten und meisten Mittelzentren in maximal 60 Minuten und alle übrigen Mittelzentren in maximal 90 Minuten.“ Schon der deutsche Soziologe und Ökonom Max Weber sagte: „Der Einfall ersetzt nicht die Arbeit.“ Die Landesplanung Berlin-Brandenburg als auch die Deutsche Bahn stehen vor vielfältigen Koordinations- und Organisationsaufgaben. Schon jetzt hapert es bei der Taktung der S-Bahnen: Pendler im Gebiet Oberhavel-Reinickendorf wünschen sich eine Zehn-Minuten-Taktung der S25 zwischen Hennigsdorf und Tegel und der S1 zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau. Ein weiteres Problem sind die überlasteten Regionalzüge, wie der RE1, die wegen zu kleiner Bahnsteige ihre Kapazitäten nicht erhöhen können. Eine Erweiterung des S-Bahn Streckennetzes, würde den Regionalverkehr entlasten. Zurzeit wird über eine mögliche Fortführung der Linie S25 bis nach Stahnsdorf spekuliert, aber konkrete Pläne liegen noch nicht vor.

Was lange währt, wird gut?

Lichtblicke sind einerseits der fast fertige Regionalbahnsteig am S-Bahnhof Ostkreuz, der eine bessere Anbindung an das S-Bahnliniennetz ermöglicht. Zusätzlich wird Ende August auch der Ausbau des Bahnhofs Strausberg bei Berlin fertig sein. S- und Fernverkehr werden dort ebenfalls getrennt und ermöglichen somit eine Erhöhung der Fahrgast-Kapazitäten sowie den Ausbau des Fernverkehrs Richtung Ost allgemein. Bleibt zu hoffen, dass die Hauptstadtpendler auf die Umsetzung der Mobilitätsstrategie nicht so lang warten müssen wie auf ihre Züge. (red)

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